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Marburg Froschkönig-Kinder müssen bibbern
Marburg Froschkönig-Kinder müssen bibbern
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17:52 08.01.2020
Kinderhaus Froschkönig in der Marbach: viel Technik auf dem Dach, aber das Haus ist trotzdem kalt. Seit Dezember ist die Heizung ­defekt. 2009 hatte die Stadt für das energetische Konzept den „Kommunalen Klimaschutzpreis 2009“ erhalten. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Für die Eltern sind es unhaltbare Zustände, für den Träger „Eltern-Kind-Verein“­ ­eine „Verkettung unglücklicher Zufälle zu einem schlechten Zeitpunkt“. Seit drei Wochen ist die ­Pellet-Heizung im Kinderhaus „Froschkönig“ schon defekt. Denn laut Eltern-Information­ gab es schon am 19. Dezember eine Reparatur. Das wurde­ vom Träger so nicht bestätigt, wohl aber, dass die Heizung am 24. Dezember komplett ausfiel. Per Warn-Nachricht wurde­ eine­ Mitarbeiterin darüber ­informiert, da die Einrichtung bis 6. Januar geschlossen hatte.­ Für das energetische Konzept hatte die Stadt Marburg 2009 den „Kommunalen Klimaschutzpreis“ erhalten.

Monteure seien nach den Weihnachtsfeiertagen vor Ort gewesen, die zehn Jahre alte Heizung haben sie aber nicht zum Laufen gekriegt. Das bestätigte auf OP-Nachfrage Cornelia Mietz, Geschäftsführerin vom Eltern-Kind-Verein. Ein Ersatzteil sei nicht lieferbar. Da das Haus an der Brunnenstraße über die Feiertage komplett ausgekühlt war, versuchten die Mitarbeiter am Sonntag mit Radiatoren zu heizen, damit die Betreuung nach der Schließung ab Montag überhaupt gewährleistet werden konnte. Das sei so mit der Stadt verabredet worden, berichtete Cornelia Mietz, die die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Verwaltung lobte.

„Auch vorgestern liefen die Radiatoren, die Lufttemperatur konnte dadurch auf 19 Grad erwärmt werden. Den ganzen Tag kam es aber immer wieder zu Stromausfällen. Durch den massiven Stromverbrauch der Radiatoren ist das Stromnetz völlig überlastet und die Sicherungen springen immer wieder raus. Die Gefrierschränke sind aufgetaut, es kann nicht gekocht werden, es darf nicht in allen vier Gruppenräumen gleichzeitig das Licht angeschaltet werden. Warmes Wasser gibt es nicht. Die Raumtemperatur liegt bei 15 Grad, der Boden ist noch viel kälter“, schrieb ­eine besorgte Mutter der OP. Sie möchte ­anonym bleiben, aus Angst, dass ihr zweites Kind wegen ihrer öffentlichen Beschwerde keinen Betreuungsplatz kriegen könnte.

Viele Eltern haben ihre Kinder notgedrungen wieder mit nach Hause genommen, manche müssen deshalb unbezahlten Urlaub nehmen. Die meisten von ihnen arbeiten am Pharmastandort, der die Einrichtung auch bezuschusst. Morgen soll es wieder eine Reparatur geben. Laut der Mutter aber nur provisorisch. „Das heißt, ein Erzieher muss die Pellets tagsüber nachfüllen. Aber was ist nachts? Wenn man die Kinder morgens in die Krippe bringt, sind die Räume wieder sehr ausgekühlt.“ Der Verein und die Stadt haben sich darauf geeinigt, bis auf Weiteres nur zwei Notgruppen aufrechtzuerhalten, die im oberen Bereich des Hauses untergebracht werden. Dort wäre es nicht so kalt, wie im Erdgeschoss. Außerdem müssten dann nur zwei Radiatoren laufen und das Stromnetz wäre nicht mehr so überlastet.

„Die Stadt bedauert es sehr, dass sie erst am Montag, 6. Januar, über den Ausfall der Heizung im Kinderhaus Froschkönig erfahren hat. Warum die Information den Notdienst des zuständigen Fachdienstes nicht eher erreicht hat, ist bislang nicht klar“, teilte Pressesprecherin Birgit Heimrich der OP am Dienstag (7. Januar) auf Anfrage mit. Die Stadt bedauere zudem ausdrücklich die entstandenen Unannehmlichkeiten. Als der Fachdienst davon erfahren habe, sei er umgehend tätig geworden: Die Stadt habe mobile Heizgeräte in die Einrichtung gebracht, diese wurden in einem für die Anlage leistbaren Rahmen in Betrieb genommen.

Im Obergeschoss des Gebäudes werde ab sofort bis einschließlich Donnerstag (9. Januar) ein Notdienst für 24 Kinder angeboten. Die Eltern seien zudem informiert worden, dass die Kinder entsprechend wärmer angezogen werden müssen. Die beauftragte Firma werde ab Mittwoch Reparaturarbeiten durchführen. Die Stadt geht laut Pressesprecherin Heimrich davon aus, dass ab Freitag wieder ein regulärer Betrieb in der Einrichtung stattfinden kann.

von Katja Peters