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Marburg Eine parlamentarische Ära geht zu Ende
Marburg Eine parlamentarische Ära geht zu Ende
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09:58 19.08.2020
Nach 35 Jahren als Stadtverordneter scheidet Heinrich Löwer aus dem Parlament aus. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Nach 35 Jahren als Stadtverordneter scheidet Heinrich Löwer, der frühere Stadtverordnetenvorsteher und langjährige Ortsvorsteher von Cyriaxweimar, aus dem Stadtparlament aus. Löwer gab sein Mandat aus gesundheitlichen Gründen zurück. Für ihn rückt der Michelbacher Peter Aab ins Parlament nach.

Heinrich Löwer war 37 Jahre lang Ortsvorsteher von Cyriaxweimar, von 1987 bis 1996 SPD-Fraktionsvorsitzender und 29 Jahre lang Stadtverordnetenvorsteher. Mehr als 190 Sitzungen und wohl mehr als 1.000 Debatten hat der Sozialdemokrat geleitet.

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Mit am meisten belastet haben ihn in dieser langen Zeit die politischen Auseinandersetzungen um den Marktfrühschoppen – „das war sehr emotional“ – und um das Bordell in der Siemensstraße, berichtete Löwer einmal kurz vor seinem Abschied als Stadtverordnetenvorsteher.

Als Parlamentschef hatte Löwer in diesem Zusammenhang einmal dafür zu sorgen, dass maskiert erschienene Zuhörerinnen, mutmaßlich Prostituierte, ihre Masken im Parlament ablegten. „Aber das ist mir gelungen, ohne dass ich mit Ordnungsbehörden drohen musste.“

Gedenkveranstaltung bleibt in Erinnerung

Gerne erinnert sich Löwer dagegen an die Debatten um das Universitätsklinikum und um die Flüchtlingsfrage: „Trotz allen Unterschieden in der Sache kam es dort meistens zu einheitlichen Beschlussfassungen“, so Löwer und führt dies auf die „kooperative Grundstruktur“ im Parlament zurück.

Bewegend war für Löwer, der als Parlamentschef der „erste Bürger der Stadt ist“, seine Teilnahme an einer Gedenkveranstaltung im belgischen Dinant 2014 aus Anlass des 100. Jahrestags einer Schlacht aus dem Ersten Weltkrieg, an der Angehörige der Marburger Jäger beteiligt waren.

Löwer war oft dabei, wenn wichtige Entscheidungen für die Zukunft der Stadt vorbereitet wurden: So ab 1993, als er als Vertreter des Parlaments mit der Bundeswehr über die Konversion der früheren Kasernen in der Frankfurter Straße und im Stadtwald verhandelte.

„Die erfolgreiche Konversion“, sagt Löwer nicht ohne Stolz, „war in Deutschland nicht üblich.“ Viel zu dem Erfolg habe der frühere Kanzleramtsminister Friedrich Bohl (CDU) beigetragen.

Zwei Städtepartnerschaften mit eingefädelt

Maßgeblich auf die Vorbereitungen von Heinrich Löwer und seines damaligen Stellvertreters Dr. Reimer Wulff geht auch ein Beschluss des Parlaments von 2003 zurück, in dem die Stadt Marburg anerkennt, dass den bis zu 3.000 Zwangsarbeitern, die während der NS-Diktatur in Marburg eingesetzt wurden, „Unrecht geschehen ist“. Eine umfangreiche Stadtschrift zur Aufarbeitung der Zwangsarbeit in Marburg wurde gleich mitbeschlossen; damals noch lebenden Zwangsarbeitern wurde eine „symbolische“, so Löwer, Entschädigung in Höhe von 1.700 Euro gezahlt.

Zwei Städtepartnerschaften hat Löwer mit eingefädelt: die mit Eisenach (1988 noch als Fraktionschef der SPD) und die mit Sibiu (2005); er hat Dietrich Möller (2005), Professor Reinfried Pohl (2006), Schwester Edith (2010), Amnon Orbach (2014) und Egon Vaupel (2016) zu Ehrenbürgern der Stadt Marburg ernannt. Ein besonderes Anliegen war ihm das Kinder- und Jugendparlament, bei dessen Sitzungen er fast ausnahmslos teilgenommen hat.

Von Till Conrad

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