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Marburg Heimischer Arbeitsmarkt trotzt den Krisen
Marburg Heimischer Arbeitsmarkt trotzt den Krisen
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20:10 31.05.2022
Die Arbeitslosenquote im Landkreis sank im Mai auf 3,5 Prozent.
Die Arbeitslosenquote im Landkreis sank im Mai auf 3,5 Prozent. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa
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Marburg

Der Arbeitsmarkt im Landkreis bewegt sich auf Vor-Corona-Niveau: Im Mai waren 4 731 Menschen arbeitslos – 13,4 Prozent oder 732 Personen weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote im Landkreis sank auf 3,5 Prozent – nach 4,1 Prozent im Mai vergangenen Jahres, als der Arbeitsmarkt noch stark von der Corona-Pandemie beeinflusst war. Zum Vergleich: Beinahe so gut sah es im Landkreis zuletzt im Juni 2019 aus, als die Arbeitslosenquote bei 3,6 Prozent lag.

Das seien schon „sehr gute Zahlen, denn der Aufschwung kommt bei nahezu allen Personengruppen an“, verdeutlicht Dr. Heike Beber, Pressesprecherin der Marburger Arbeitsagentur. Lediglich bei den Arbeitslosen ab 50 Jahren gab es 20 Menschen mehr ohne Job im Vergleich zum April.

Und Beber verdeutlicht auch: „Die gute Situation ist auch weiterhin der Kurzarbeit zu verdanken.“ Denn im Januar – dem statistisch jüngsten validen Wert – habe es in 179 Betrieben Kurzarbeit gegeben. Betroffen waren 1 107 Personen. Im Monat zuvor lag die Zahl der Kurzarbeitenden noch bei 964 in 162 Unternehmen. Tendenz also leicht steigend. „Ohne diesen Faktor wären Arbeitslosigkeit und Arbeitslosenquote höher“, verdeutlicht Beber.

Im Bezirk Marburg lag die Arbeitslosenquote bei 3,8 Prozent, im Agenturbezirk Stadtallendorf bei 3,4 Prozent – und im Hinterland gar bei 3,1 Prozent, was nominell als Vollbeschäftigung gesehen wird. „Der Markt ist stabil, es gibt auch keine Ausreißer, keine negativen Entwicklungen und Erwartungen wie sich androhende Insolvenzen“, verdeutlicht Beber. Die derzeitigen Krisen „schlagen bisher auf dem Arbeitsmarkt nicht durch“.

Qualifikation als Schlüssel zur Beschäftigung

Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung liege auf einem „sehr guten Niveau“ mit gut 96 000 Stellen – im Vorjahr waren es noch knapp 94 500. Im Mai wurden der Agentur 644 neue Stellen gemeldet – 148 oder rund 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Gesucht seien vor allem Fachkräfte zum Beispiel im Gesundheitswesen, am Pharma-Standort oder auch in der Produktion. „Qualifikation und Weiterbildung spielen also weiterhin eine entscheidende Rolle“, so Beber – die Agentur unterstütze dies auch.

Jedoch sei der Arbeitsmarkt derzeit so aufnahmefähig, dass selbst Ungelernte – die machen gut die Hälfte der Arbeitslosen aus – Jobs fänden. „Dabei ist das zu kurz gedacht“, so Beber – sie sollten sich lieber qualifizieren, um langfristig bessere Perspektiven zu haben. Jede Menge Bewegung gibt es derzeit auf dem Ausbildungsmarkt. Und dort haben sich die Verhältnisse deutlich verschoben: Gab es früher weniger Ausbildungsstellen als Bewerber, so sieht das mittlerweile anders aus. So suchen derzeit 1 082 junge Menschen eine Ausbildungsstelle – 89 oder 7,6 Prozent weniger als vor einem Jahr. Parallel wurden bisher 1 382 Berufsausbildungsstellen gemeldet – 55 oder rund 4 Prozent mehr als noch im Mai vergangenen Jahres.

Ausbildungsmarkt ist zum Bewerbermarkt geworden

„Der Ausbildungsmarkt ist zum Bewerbermarkt geworden“, sagt Heike Beber. Die Firmen müssten sich derzeit quasi bei den jungen Leuten bewerben, um ihre Stellen zu besetzen.

Umgekehrt hätten die Jugendlichen die Wahl. Entsprechend gebe es derzeit 460 noch nicht versorgte Bewerber, „was um diese Zeit recht normal ist, denn Ausbildungsstart ist erst im Spätsommer“. Ihnen stehen momentan 728 unbesetzte Ausbildungsstellen zur Verfügung. „Dort ist noch viel Bewegung“, so die Pressesprecherin.

Die Zahl der Arbeitslosen in Betreuung des Kreisjobcenters (KJC) ist im Mai gegenüber dem Vorjahr ebenfalls gesunken: 2 823 erwerbsfähige Leistungsberechtigte gibt es beim KJC – 192 Personen oder 6,4 Prozent weniger als vor einem Jahr. Im Vergleich zum April stieg die Zahl jedoch um acht Personen oder 0,3 Prozent minimal an. Der Kreis weist darauf hin, dass Vergleiche zum Vorjahr unter Berücksichtigung der Pandemie zu betrachten seien.

„Insgesamt zeigt sich der Arbeitsmarkt im Mai robust. Trotz Preissteigerungen und Lieferengpässen, die sich in Folge des Ukraine-Krieges in den vergangenen Monaten verstärkt haben“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU). Da jedoch die Geflüchteten aus der Ukraine künftig in die Betreuung des KJC wechseln, rechnet Zachow mit zunächst steigenden Arbeitslosenzahlen. „Die Integration in den Arbeitsmarkt und das Schaffen von Perspektiven für die geflüchteten Menschen werden in den kommenden Monaten zu den größten Herausforderungen für das KJC und den gesamten Landkreis zählen“, so Zachow.

Aktuell liegt die Zahl der Bedarfsgemeinschaften bei 5 637. Damit sinkt sie im Vergleich zum Vormonat um 52 beziehungsweise 0,9 Prozent. Verglichen mit dem Vorjahresmonat ist dies ein Rückgang um 138 Bedarfsgemeinschaften oder 2,4 Prozent. Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten sinkt im Vergleich zum April auf 7 479 Personen und damit um 82 Personen oder 1,1 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr ist dies ein Rückgang um 170 Personen oder 2,2 Prozent.

Von Andreas Schmidt