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Marburg Konjunkturflaute kommt auch im Handwerk an
Marburg Konjunkturflaute kommt auch im Handwerk an
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07:56 11.11.2019
Ein Kfz-Mechatroniker misst die Dicke einer Bremsscheibe: Vor allem das Kfz-Handwerk bewertet laut Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Kassel seine derzeitige und zukünftige geschäftliche Situation eher negativ. Quelle: Felix Kästle
Kassel

Demnach waren 91,2 Prozent der 860 befragten Betriebe mit ihrer wirtschaftlichen Entwicklung zufrieden – nur 8,8 Prozent gaben eine schlechte Ausgangslage an. Die Handwerksbetriebe blicken jedoch deutlich weniger zuversichtlich in die Zukunft als im Vorjahreszeitraum: 16,6 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus – im Vorjahr waren es noch 11,3 Prozent.

„Während sich die Stimmung in den letzten Monaten etwas eingetrübt hat, bleibt die Auftragslage in den nord-, ost- und mittelhessischen Handwerksbetrieben auf hohem Niveau. Auch die Umsätze sind in den letzten drei Monaten weiter gewachsen, wenn auch mit weniger Dynamik als in den Vergleichsquartalen der Vorjahre“, so Heinrich Gringel, Präsident der Handwerkskammer Kassel.

Als Gründe macht Gringel die globale Konjunkturschwäche, die Handelskonflikte und die endlose Brexit-Debatte aus, die „nun langsam auch im Handwerk anzukommen“ scheinen. „Dennoch sind wir zufrieden, auch wenn sich das etwas schwächere Konsumklima insbesondere im Kfz-Gewerbe langsam bemerkbar macht. Nach einer fast zehnjährigen Phase mit stetigem Wachstum, scheint sich die Auftragslage im Gesamthandwerk nun wieder zu beruhigen“, sagt Gringel.

Private Aufträge bleiben Konjunkturstütze

Immerhin: Für die kommenden drei Monate erwarten 9,3 Prozent eine weitere Verbesserung der Lage – das waren im Vorjahr jedoch noch 15,7 Prozent. Der Geschäftsklimaindex liegt bei 113,8 Punkten – und somit 8,3 Zähler niedriger als im langfristigen Vergleich. „Die Zahlen machen deutlich, dass sich die Konjunktur aktuell an einem Wendepunkt befindet und wir uns langsam wieder auf normale Zeiten einstellen müssen, der private Verbrauch wird aber auch weiterhin die wichtigste Konjunkturstütze bleiben“, so Gringel.

Am Bau brummt die Konjunktur noch – wenn auch weniger stark, als in den Vorjahren: Das Bauhaupt- und das Ausbaugewerbe vermeldet eine sehr robuste Auftragslage, die Betriebe erwarten auch ein gutes Schlussquartal. Dennoch gibt es einen Einbruch: Der Klimaindex sank von 132,3 auf 119,9 Punkte im Bauhaupt- und von 133,5 auf 119,3 Zähler im Ausbaugewerbe. Die Auftragsreserven liegen laut Befragung auf hohem Niveau: Die Auftragsreichweite beträgt 11,9 respektive 10 Wochen.

Ordereingänge schwächer als in den Vorjahren

Die Ordereingänge, Frühindikator der konjunkturellen Entwicklung, sind laut Handwerkskammer gesunken, was typisch für die Jahreszeit sei. Der Rückgang falle stärker als für die Jahreszeit üblich aus – ein Zeichen für eine Trendwende der konjunkturellen Entwicklung.

Stark präsentiert sich das Lebensmittelhandwerk: Der Klimaindex zeigt sich mit 121,1 Punkten im Vergleich zu 125,3 Zählern im Vorjahr immer noch auf einem hohen Niveau. Noch besser sieht es bei den Gesundheitshandwerken aus: Dort stieg der Klimaindex binnen Jahresfrist von 124,8 auf 131,9 Punkte an. Beide Gruppen profitierten laut Handwerkskammer von deutlichen Umsatzsteigerungen und damit einer sehr guten Einschätzung der gegenwärtigen Geschäftslage.

Friseure, Kosmetiker und Maßschneider – also das personenbezogene Dienstleistungsgewerbe bleibt mit 97,3 Punkten deutlich unter dem Branchenschnitt und schneidet auch im Vorjahresvergleich mit einem Minus von 7,5 Punkten schlechter ab. Der Anteil der Positivmeldungen ist deutlich zurückgegangen, die Erwartungen sind verhaltender als vor einem Jahr.

Das „Sorgenkind“ ist laut der Umfrage das Kfz-Handwerk. Der Positivtrend der vergangenen beiden Quartale sei wieder gestoppt, die Kfz-Neuzulassungen sind gesunken und die Zurückhaltung der gewerblichen und privaten Kundschaft mache sich negativ bemerkbar. Knapp jeder vierte Betrieb klagt über schlechte Geschäfte – entsprechend sank der Klimaindex von 94,5 auf 93,8 Punkte. Aktuell beträgt die durchschnittliche Auftragsreichweite in den Betrieben 8,7 Wochen, das ist gegenüber dem Vorjahr sogar noch ein leichtes Plus von 0,2 Wochen.

Die Umsätze sind im Berichtsquartal weiter gewachsen, wenn auch die Dynamik nachgelassen hat: 24 Prozent der Handwerksbetriebe konnten ihren Umsatz weiter steigern, während 14 Prozent sinkende Erlöse beklagen. „Für das gesamte Jahr 2019 erwarten wir ein Umsatzwachstum von drei Prozent. Diese zum Jahresanfang gemachte Prognose bleibt weiterhin bestehen und das sollten wir auch erreichen“, sagt Handwerkspräsident Gringel zur aktuellen Entwicklung. Die durchschnittliche Betriebsauslastung bleibe mit 81 Prozent auf einem Spitzenniveau, der Rekordwert des Vorjahres mit 82,3 Prozent wurde hingegen verfehlt.

von Andreas Schmidt

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