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Marburg Bezahlen soll bequemer und sicherer werden
Marburg Bezahlen soll bequemer und sicherer werden
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08:00 13.09.2019
Beim Online-Banking können Kunden die Transaktionsnummern künftig per Handy erhalten. Quelle: Jens Kalaene
Marburg

Beim Online-Banking können Bankkunden Überweisungen künftig nicht mehr durch Eingabe einer Ziffernfolge freigeben, die sie von einer gedruckten Liste abtippen. Denn die Papierlisten mit Transaktionsnummern (TAN) werden abgeschafft. Grund ist die europäische Zahlungsdiensterichtlinie („Payment Service Directive“/ „PSD2“).

„Die neue Richtlinie bringt vor allem Veränderungen und Verbesserungen im elektronischen Zahlungsverkehr und im Online-Banking mit sich“, sagte Gerhold Wege, Projektleiter PSD2 der Sparkasse Marburg-Biedenkopf, laut einer Mitteilung. „Das Bezahlen wird bequemer und sicherer.“

Dynamische TAN

Die Richtlinie schreibt unter anderem vor, dass die Transaktionsnummern künftig dynamisch generiert werden müssen, was mit einer Zahlenfolge auf Papier nicht möglich ist. Denn Kriminelle versuchen immer wieder, Bankkunden dazu zu bringen, PIN und TAN zu verraten – zum Beispiel durch gefälschte Internetseiten. Wenn die per Post verschickten gedruckten iTAN-Listen in falsche Hände gerieten, konnten Kriminelle das Konto plündern.

Beim Online-Banking und beim Einkaufen im Internet gilt deshalb künftig die Pflicht zur „starken Kunden­authentifizierung“. Jeder Kunde muss seine Identität mit zwei der drei folgenden Möglichkeiten nachweisen: „Wissen“ (etwa Geheimnummer/PIN), „Besitz“ (zum Beispiel Smartphone, Original-Zahlungskarte), „Sein“ (biometrische Merkmale wie ein Fingerabdruck).

Um eine Überweisung online freizugeben, braucht man dann zum Beispiel die PIN und kann sich eine TAN aufs Handy schicken lassen. So auch bei der Sparkasse Marburg-Biedenkopf und der Volksbank Mittelhessen. „Wir empfehlen unseren Kunden das TAN-Verfahren VR-SecureGo. Mit dieser App empfangen Online-Banking-Kunden ihre TAN bequem auf ihrem Smartphone oder Tablet“, erläuterte Dennis Vollmer von der Volksbank Mittelhessen auf OP-Anfrage.

„Die Übertragung erfolgt gesichert und verschlüsselt und der Zugriff auf die App ist passwortgeschützt.“ Kunden der Sparkasse können ihre Transaktionsnummern ebenfalls von einer Smartphone-App generieren lassen. Zudem können Sparkassen- und Volksbank-Kunden Transaktionsnummern auch per SMS erhalten oder mit einem TAN-Generator erzeugen, in den sie ihre Giro­karte stecken. Letzteres geht allerdings nur am Computer, nicht mit dem Smartphone.

"Liste der vertrauenswürdigen Empfänger"

Manche Geldinstitute bieten auch ein „PhotoTAN“-Verfahren an: Dabei erscheint im Online-Banking des Kunden ein Barcode, der mit dem Handy abfotografiert wird. Daraufhin wird eine TAN generiert. Kunden haben aber auch verschiedene Möglichkeiten, Überweisungen ohne TAN zu tätigen. Das gilt nach Angaben von Sparkasse und Volksbank für Überweisungen kleiner Beträge bis 30 Euro und Umbuchungen auf eigene Konten.

Ferner können Sparkassen-Kunden Personen oder Unternehmen, an die sie häufig Geld überweisen, in eine „Liste der vertrauenswürdigen Empfänger“ eintragen. „Wenn Sie hier einen Empfänger mit IBAN hinterlegt haben, brauchen Sie keine TAN mehr eingeben, um spätere Überweisungen freizugeben“, erläuterte Wege.

Wer Online-Banking macht, braucht allerdings laut Volksbank Mittelhessen künftig eine TAN nicht nur für Überweisungen, sondern auch, um sich einzuloggen – spätestens alle 90 Tage. Die Volksbank bietet Kunden aber die Möglichkeit, ein Gerät zu registrieren. Dann entfällt beim Online-Banking mit diesem Gerät die regelmäßige TAN-Eingabe. Nutzer der VR-Banking-App, die die Dienste Kwitt oder MobileCash aktiviert haben, haben bereits eine solche Gerätebindung.

Einkaufen mit Kreditkarte

Auch bei Kreditkartenzahlungen im Internet müssen sich Verbraucher künftig mit zwei Faktoren identifizieren. Denn Nummer und Prüfziffer dieser Karten können relativ leicht ausgespäht werden – zum Beispiel beim Einsatz im Restaurant. Verbraucher brauchen für Kreditkartenzahlungen beim Online-Shopping nach den neuen Regeln zwei weitere Sicherheitsfaktoren: etwa ein Passwort und eine TAN. Sparkasse und Volksbank bieten das über ihre Smartphone-Apps an.

„Mit unserer App ‚S-ID Check‘ können Sie eine Zahlung ganz bequem auch per Fingerabdruck freigeben“, erläuterte Sparkassen-Mitarbeiter Wege. Betrüger sollen auf diese Weise keine Chance mehr haben, wenn sie Kartendaten ergaunert habe, erklärte Wege: „Denn dafür müssten sie zusätzlich noch das Handy des Besitzers klauen und den Fingerabdruck vortäuschen – fast unmöglich.“

Statt des Fingerabdrucks sei auch ein Kennwort möglich. Wer kein Smartphone, aber ein einfaches Handy hat, könne sich zum Bezahlen einen Code per SMS zuschicken lassen und eine Sicherheitsfrage beantworten. Die Volksbank Mittelhessen rät Kreditkartenbesitzern, sich auf der Homepage der Volksbank für die Verfahren Mastercard Identity Check beziehungsweise Verified by Visa zu registrieren.

Dabei könnten sie auswählen, ob sie die TANs für die Authentifizierung von Zahlungen per SMS erhalten möchten oder per Push-Nachricht in der VR-SecureCARD App. Weil es im Handel bei der Umstellung hakt, lässt die Finanzaufsicht Bafin vorübergehend noch die bisherigen Sicherheitsbestimmungen gelten. Bei Kreditkartenzahlungen im Laden ändert sich ohnehin nichts.

von Jörn Bender und Stefan Dietrich

Weitere Informationen gibt es in den Geschäftsstellen und auf den Internetseiten der Banken und Sparkassen, unter anderem auf www.skmb.de (Sparkasse Marburg-Biedenkopf) und www.vb-mittelhessen.de/psd2 (Volksbank Mittelhessen).