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Marburg Ausnahmezustand im Tierheim
Marburg Ausnahmezustand im Tierheim
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18:06 20.10.2021
Juno, Jumbo, Jumanji, Jux und Juniper erholen sich nach der Pilzerkrankung in einem Quarantäne-Zimmer.
Juno, Jumbo, Jumanji, Jux und Juniper erholen sich nach der Pilzerkrankung in einem Quarantäne-Zimmer. Quelle: Foto: Lucas Heinisch
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Cappel

Man hört Hunde bellen, Katzen hangeln sich an einem Kratzbaum hinauf. Im Tierheim in Cappel scheint alles normal zu sein. Doch seit mehreren Woche herrscht auf der Katzenstation Ausnahmezustand. „Wir haben seit Anfang September das Katzenhaus geschlossen. Auch die Vermittlung und Aufnahme ist geschlossen“, erzählt Maresi Wagner, Geschäftsführerin und Tierheimleiterin.

Der Grund dafür ist ein Hautpilz, der sich über die Sporen verbreitet und fälschlicherweise „häufig als ,Katzenpilz’ bezeichnet wird. Der Hautpilz ist eigentlich ein Säugetierpilz und ist ein Problem für Katzen, andere Tiere und Menschen“, erklärt Wagner.

Im Tierheim Cappel hat es lediglich die Katzen getroffen. Um jegliche Ausbreitung des Pilzes zu unterbinden, „gab es eine Generalquarantäne“ für den gesamten Katzenbestand, also 80 Katzen, wie Wagner erklärt. „Insgesamt zeigten zehn Katzen Symptome“, sagt sie. Eine Erkrankung mit dem Hautpilz lässt sich unter anderem am Fell erkennen. „Der Pilz äußert sich mit runden, kahlen Stellen. Zudem schwächt er das Immunsystem“, erläutert Wagner.

Schock-Erfahrung von 2016 war wegweisend

Die Quarantäne für die Tierheim-Katzen ist nur ein Schritt in Richtung Normalität. Alle Katzen mussten zwei Mal geimpft werden. Auch eine Tinktur für das Fell wurde verwendet, da sich die Pilzsporen in den Haaren festsetzten. Zusätzlich kommt ein Chlorreiniger und ein Luftdesinfektionsgerät für die Zimmer zum Einsatz. Aber nicht nur für die Katzen gab es Veränderungen. „Wir haben sehr schnell reagiert und sehr strenge Hygienemaßnahmen in die Wege geleitet. Die Mitarbeiter haben fast zwei Monate lang Schutzanzüge und Handschuhe getragen. Das war nicht schön, aber nötig“, sagt Wagner angesichts der Lage. Dabei spricht sie aus Erfahrung.

„2016 hatten wir vier Monate geschlossen. Hunde, Katzen und Mitarbeiter waren betroffen“, erinnert sie sich. Unter diesem Gesichtspunkt sei klar gewesen, dass man jetzt schnell handeln müsse.

Dieser Hautpilz „ist für jeden Tierbestand ein Katastrophe. Zwar ist er nicht tödlich, aber lästig und kostenintensiv“, wie man an den zusätzlichen Rechnungen sieht. „Hautpilzimpfungen kosten insgesamt 100 Euro pro Katze“, sagt Wagner. Zudem komme noch mehr Geld für die Schutzmaterialien und Ausrüstung hinzu. „Pi mal Daumen sind es 10 000 Euro an Extraaufwendungen“, meint Wagner. Um diese Kosten decken zu können, „sind wir auf Spenden angewiesen“. Es seien schon über 1 000 Euro zusammengekommen. „Es ist toll, dass es immer Leute gibt, die uns unterstützen und helfen. Das ist eine Erleichterung“, erzählt Wagner dankbar. Mittlerweile verspürt man auch etwas Entspannung im Tierheim. „Wir kommen langsam auf den grünen Zweig“, sagt Wagner erleichtert. Trotzdem „ist es schlimm, dass wir der Tieraufnahme nicht nachkommen konnten.“

Auch wenn sich die Lage rund um die Hautpilzerkrankung beruhigt, steht das Tierheim bereits vor neuen Herausforderungen. Derzeit „sind wir am Anfang des Rücklaufs an Haustieren“, die sich Menschen während der Pandemie zu sich geholt haben, so Wagner. „Im Februar und März 2021 kamen sehr viele Anfragen für Jungtiere bei uns an.“ Doch manche Menschen seien zum Beispiel mit den Tieren überfordert gewesen und so seien viele Tiere im Tierheim Cappel dazugekommen. In den letzten Wochen nahm das Tierheim auch mehrere ausgesetzte Hunde bei sich auf, die bisher nicht abgeholt wurden, berichtet Wagner. Aber die Lage scheint nicht nur in Marburg und Umgebung schwierig zu sein. „Wir haben Anrufe aus Kaiserslautern bekommen, ob wir einen Hund aufnehmen können. Die Situation ist nicht nur bei uns so“, sagt Wagner bedrückt.

Weitere Informationen zum Tierheim: www.tierheim-marburg.de

Von Lucas Heinisch