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Marburg Besetzung wegen "erzwungener" Schließung
Marburg Besetzung wegen "erzwungener" Schließung
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17:17 08.04.2019
Schriftzüge und Schilder lassen vermuten, dass die jüngst geschlossene Kneipe Havanna8 besetzt ist. Foto: Thorsten Richter Quelle: Foto: Thorsten Richter
Marburg

Fenster und Türen wurden abgedichtet, der Eingang ist mit Holzlatten blockiert, Schriftzüge und Schilder weisen auf eine vermeintliche Besetzung hin. “Zerstörte (T)RÄUME zurückholen – H8 verteidigen”, steht auf einem Transparent.

Ob sich tatsächlich Hausbesetzer im Gebäude befinden, konnte nicht geklärt werden. Die Polizei kontrollierte das Gebäude. Nach einer ersten Überprüfung fanden sich keine Hinweise darauf, dass sich Personen in den Räumen der Kneipe befanden oder diese sich widerrechtlich Zutritt verschafften, teilte die Pressestelle der Polizei mit. Die Ordnungshüter haben Ermittlungen wegen Sachbeschädigung eingeleitet und suchen Zeugen.

Die Aktion bietet indes Hinweise auf die seit Monaten laufende Kampagne “Das Havanna8 bleibt” gegen die Schließung der Kneipe, die seit mehr als 30 Jahren alternativer Anlaufpunkt der linken Polit-Szene von Marburg ist. Der wurde bis vor wenigen Tagen von einem solidarischen Kneipenkollektiv betrieben, das die Kneipe als „geschützten, politischen Raum mit einem emanzipatorischen und linksradikal-feministischen Anspruch“ versteht. 

Seit dem 1. April ist das Havanna8 geschlossen. Der Grund: Das Gebäude wurde im vergangenen Jahr verkauft und der Mietvertrag des Kollektivs lief aus (die OP berichtete). Die Betreibergemeinschaft selber habe mit der angeblichen Besetzung indes nichts zu tun und sei selbst von der Aktion überrascht worden, teilte eine Sprecherin mit.

Seit Tagen laufen verschiedene Protest-Aktionen rund um die Schließung. Unterstützer und Gäste der Kneipe versammeln sich regelmäßig vor dem Gebäude. Das konnten sie bisher zwar nicht mehr betreten, brachten ihren Protest aber auf der Straße zum Ausdruck.

Nun sind die Aktivisten des linksalternativen Bündnisses, das für den Erhalt der Kneipe kämpft, anscheinend einen Schritt weiter gegangen. Zumindest in einer Pressemitteilung, die der OP vorliegt, sprechen die Verantworlichen von einer Besetzung der Räume der ehemaligen Kollektivkneipe.

Als Grund wird “der vorhergegangene, erzwungene Auszug des Kneipenkollektivs aus ihren Räumlichkeiten” genannt. Laut Mitteilung kämpfe man für den Erhalt eines “Rückzugsraums zur Erholung von den Erniedrigungen und Zumutungen, die wir alle im kapitalistischen Alltag erfahren”. Die vermeintlichen Besetzer betonen: “Wir werden diesen Raum nicht aufgeben! Mit der Wiederaneignung unserer Kneipe holen wir diesen Freiraum für alle zurück.”

  • Lesen Sie am Dienstag einen ausführlichen Bericht in der Print-Ausgabe der Oberhessischen Presse.