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Marburg Hasenkopf: Ein Modell auch für andere Städte
Marburg Hasenkopf: Ein Modell auch für andere Städte
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07:58 08.09.2021
Die Lage des geplanten Wohnquartiers am Hasenkopf im Überblick.
Die Lage des geplanten Wohnquartiers am Hasenkopf im Überblick. Quelle: Gianfranco Fain
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Marburg

Mit der Wahl der Jury erreicht ein schon ins vierte Jahr gehender Prozess einen weiteren Meilenstein im Entstehen des Wohnquartieres auf dem Hasenkopf in unmittelbarer Nähe zum Stadtteil Stadtwald.

Über den Gewinner-Entwurf des städtebaulichen Wettbewerbs der Landschaftsarchitekten und Stadtplaner des Büros lohrer.hochrein aus München spricht Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies bei der Vorabinformation für die Presse in höchsten Tönen, schwärmt gar von einem „Modell für zukünftige Stadtentwicklung und dies keineswegs nur in Marburg“. Der Entwurf des Müncheners Büros überzeuge, weil es alle durch eine groß angelegte Bürgerbeteiligung formulierten Anforderungen erfülle und dabei auch noch mit der kleinsten Fläche aller eingereichten Ideen auskomme.

Gebäude werden in Landschaft eingebunden

Den Planern sei es gelungen, die Gebäude in die Landschaft einzubinden und so anzuordnen, dass der soziale Zusammenhalt in diesem für rund 900 Bewohner konzipierten Stadtteil gelinge sowie ein sparsamer Flächenverbrauch – die Hälfte des zur Verfügung stehenden Areals – benötigt werde. Spies betont, dass nicht geplant ist, die andere Hälfte auch zu bebauen.

Zwar habe die bauliche Form „einen Moment zurückzucken lassen“, aber der neue Stadtteil werde von der „besonderen Struktur der Gebäude“ leben. Positiv seien die klare Anbindung an den Stadtwald, von dem aus die Busse eine „Schleife“ durch den Hasenkopf fahren, die vorgesehene minimale Parkfläche von 0,5 je Wohneinheit, die durch ein automatisiertes Parkhaus am Rande des Wohngebietes aufgefangen werde. Dort entsteht auch ein Gästehaus.

Ein Blick auf die Landschaft

Die drei- bis viergeschossigen Häuser sind so angeordnet, dass sie in der Höhe die Kuppe des Hügels nicht übertreffen und aus jeder Wohnung einen Blick in die Landschaft gewähren. Freiflächen zwischen den Gebäuden sorgen dafür, dass die Verbindung vom Heiligen Grund zur Kleinen Lummersbach nicht unterbrochen wird. Die Freiflächen dienen ebenso wie Gemeinschaftsgärten als Treffpunkte.

Die Bauart mit viel Holz passe zum Ziel der Klimaneutralität der Stadt und sorge auch dafür, dass nicht zu unterscheiden sei, ob es sich bei der Eigentumsform um ein privates oder gefördertes Bauobjekt handelt. Vorgesehen ist, rund 30 Prozent der rund 330 Wohneinheiten als sozialen Wohnungsbau entstehen zu lassen, was auch das „Durchmischen des Stadtteils“ fördere.

„Kleine Überarbeitungen notwendig“

Als nächste Schritte sind der Beschluss zum Aufstellen eines Bebauungsplans vorgesehen. Zugleich sind „kleine Überarbeitungen“ des Entwurfs nötig, um das Bebauungsrecht zu erlangen. Wie Spies erklärt, wird das Bauleitverfahren „aufwendig“. Fachbereichsleiter Walter Ruth rechnet mit ein bis anderthalb Jahren, man sei aber mit dem Jahr 2024 noch „in der ursprünglichen Zielsetzung“.

Das Quartier für Menschen, die ihre Mobilität durch Busse, Fahrräder oder zu Fuß bestreiten wollen, soll auch eine eigene Infrastruktur erhalten, aber auch die des Stadtteils Stadtwald nutzen. Dadurch könne diese aufrecht erhalten werden, was für die Perspektive des rund 1 300 Bewohner zählenden Stadtteils hilfreich sei.

Von Gianfranco Fain

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