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Marburg Stadt besitzt erst 40 Prozent der Fläche
Marburg Stadt besitzt erst 40 Prozent der Fläche
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08:00 15.03.2022
Das Modell des Siegerentwurfs für das geplante Stadtviertel am Hasenkopf.
Das Modell des Siegerentwurfs für das geplante Stadtviertel am Hasenkopf. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Die Stadtverordnetenversammlung hat Ende Februar einen Grundsatzbeschluss gefasst, dass das neue Wohnquartier am Hasenkopf auf Grundlage des Siegerentwurfes des Büros lohrer.hochrein aus München weiter geplant wird. „Durch die im städtebaulichen Entwurf vorgesehene kompakte Bebauung kann die ursprünglich veranschlagte Größe des künftigen Baugebietes von rund 9,4 Hektar auf etwa 5,4 Hektar reduziert werden“, bestätigte Jürgen Rausch, Geschäftsführer der Gewobau und der Stadtentwicklungsgesellschaft SEG. Die SEG betreut das Verfahren der Planung – einschließlich des möglichen Umlageverfahrens.

Denn die SEG verfügt im künftigen Baugebiet bisher lediglich über eine Fläche von etwa 1,8 Hektar. Darüber hinaus gehören der Stadt Marburg bereits Grundstücke in einem Umfang von 0,5 Hektar. Die Ankaufsverhandlungen mit den Grundstückseigentümern im betreffenden Gebiet werden fortgesetzt, aber bis jetzt sind erst weniger als die Hälfte der benötigten Fläche in öffentlicher Hand.

20 Grundstücke fehlen noch

Insgesamt handelt es sich um etwa 20 Grundstücke, die die SEG noch erwerben oder gegen andere Grundstücke tauschen muss. Der Wert der Grundstücke beträgt laut Bodenwertgutachten 41 Euro pro Quadratmeter, teilte Rausch der OP auf Anfrage mit. Anders formuliert: Es geht um insgesamt eine Summe von 400.000 Euro. Ob die SEG zu diesem Richtwert kaufen kann, ist aber offen. Einem Umlegungsbeschluss können sich Grundstückseigentümer laut Baurecht nicht entziehen, sagte Rausch. Es bleibt ihnen der Weg des Widerspruch und der Gang vors Gericht.

Ockershausens Ortsvorsteher Ludwig Schneider sagte am Montag (14. März) der OP, er habe offiziell noch keine Nachricht von einem geplanten Umlegungsverfahren erhalten. Insofern könne er keine Auskunft dazu geben, wo es zu größeren Interessenskonflikten kommen kann. Der Ortsbeirat habe aber der Bebauung des Hasenkopfs grundsätzlich zugestimmt, allerdings Bedingungen genannt. Eine wesentliche davon ist noch nicht erfüllt: Die vom Ortsbeirat geforderte Verkehrsberuhigung im Ortskern.

Silke Puhl will nicht an SEG verkaufen

Längst nicht alle Grundstückseigentümer sind bereit, ihre Grundstücke an die SEG zu verkaufen. Zu denen, die sich dagegen sperren, gehört Silke Puhl. Ihr gehört ein Grundstück am Rande des Bebauungsgebiets, das sie von ihrer Mutter geerbt hat. Sie sei erstens gegen die Hasenkopf-Bebauung, und sie wolle das Grundstück prinzipiell behalten. Zudem hat sie noch keine Anfrage von der Stadt oder von der SEG erhalten. „Warten wir einmal ab, wie es weitergeht“, sagte sie gegenüber der OP.

„Allerdings besteht für die Entwicklung des Wohnquartiers nicht die Notwendigkeit, alle Grundstücke im Planungsbereich zu erwerben“, ergänzt Rausch.

Es gebe auch die Möglichkeit für Grundstückseigentümer, ihre Grundstücke zu behalten und etwa im Erbbaurecht zu verpachten. „Damit bleibt das Grundstück im Eigentum der Familie“, sagt Rausch, „und dennoch kann die Stadt es beplanen.“

Die Stadt wird aber nicht darauf warten, bis alle Grundstücke in ihrer Hand sind. Das Bauleitplanungsverfahren könne jetzt, nach dem Grundsatzbeschluss im Februar, beginnen. Mit der Erschließung eines ersten Bauabschnitts kann laut Rausch aber frühestens in drei bis vier Jahren gerechnet werden.

Von Till Conrad