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Marburg Umweltschützer sind alarmiert
Marburg Umweltschützer sind alarmiert
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12:36 10.05.2021
Ein Teil des neuen Wohngebiets "Hasenkopf" am Stadtwald in Marburg.
Ein Teil des neuen Wohngebiets "Hasenkopf" am Stadtwald in Marburg. Quelle: Björn Wisker
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Marburg

Versiegelung statt Klimaschutz, das sogar in größerem Umfang als angekündigt – und die Rückkehr der Westtangente in Verkehrsplanungen? Der Marburger BUND fürchtet angesichts der bald bevorstehenden Entscheidung zum städtebaulichen Wettbewerb für die Hasenkopf-Bebauung am Stadtwald negative Auswirkungen auf Natur, Umwelt und letztlich Anwohner rund um Ockershausen. Die Stadtverwaltung weist die Kritik zurück. Klar ist: In der ersten Jahreshälfte soll über die genaue Realisierung entschieden, das Bauleitplanverfahren eingeleitet werden.

Der Ausschreibungstext für den Wettbewerb hat den BUND nach eigenen Angaben schon vor Wochen aufgeschreckt. Das Entwurfsgebiet hat sich plötzlich – jedenfalls scheinbar – massiv vergrößert. Bei dem vorgesehenen Gebiet und dessen Einbindung in die Umgebung sei stets von einer Fläche von 9,4 Hektar die Rede gewesen, nun sei von weiteren sechs Hektar die Rede. „Der Umfang dieser Ausweitung erscheint uns unverhältnismäßig“, heißt es von den Umweltschützern. Zumal laut Ausschreibungstext „experimentelle Behausungen“ auch in diese umgebende Fläche hineinragen dürfen. Der BUND weist darauf hin, dass ab einer überbauten Fläche von mehr als 10 Hektar zusätzlich eine Umweltverträglichkeitsprüfung Pflicht wird – sämtliche Zufahrtswege, Stellflächen, Nebenanlagen und jede sonstige überbaute Fläche zähle hinzu.

Ohnehin müsse darauf Rücksicht genommen werden, dass der Marburger Rücken – damit auch die als Wohngebiete vorgesehene Fläche am Stadtwald – zu einem Biotopverbund Mittelhessen zähle, Teil eines Vorbehaltsgebiets für Natur und Landschaft sei und grundsätzlich eine besondere Klimafunktion habe.

Warnung vor Westtangenten-Bau

Wie die Stadt unter diesen Bedingungen beabsichtige, eine „großflächige Bebauung“ am Hasenkopf und auch Oberen Rotenberg in Einklang mit dem Klimanotstand zu bringen, „bleibt nebulös“. Es deute aktuell alles auf eine „Praxis des Wegabwiegens“ von Umwelt- und Artenschutzbelangen hin, womit die politisch vorgegebene Marschroute von Klimaneutralität bis 2030 „keine Glaubwürdigkeit mehr hat“.

Der BUND warnt im Zuge dessen vor dem perspektivischen Bau einer Westtangente, etwa über die Alte Weinstraße. Denn: Das Verkehrsaufkommen auf dem der Innenstadt fernen Berg, sei „leicht zu antizipieren“, die Frage der Anbindung des Stadtteils ist bis heute – abgesehen vom Versprechen einer neuen Bushaltestelle und einem „Autoarmuts-Ansatz“ für das Viertel – ungeklärt. Der Ortsbeirat Ockershausen befürchtet nach Errichtung des Wohngebiets, das ab circa 2025 bis zu 900 Menschen Platz bieten soll, sowohl entlang der Graf-von-Staufenberg- als auch der Hermann- und Stiftstraße ein massiv steigendes Verkehrsaufkommen samt Problemen für die Anwohner.

Stadt: Klimaschutz wird beachtet

Die Stadtverwaltung äußert sich auf OP-Anfrage: Die Hasenkopf-Bebauungsfläche weise unverändert 9,4 Hektar auf. Allerdings sei tatsächlich eine „Ausdehnung in die Randbereiche“ vorgesehen – aber nur von „alternativen Wohnformen mit stärkerem Landschaftsbezug“. Konkret heiße das, dass im künftigen Wohngebiet ein Randbereich definiert werden soll, in den Wohnformen mit stärkerem Landschaftsbezug hineinreichen dürften – „Tiny Houses“ oder ein Wagenplatz seien Beispiele, die von Bürgern bei den einstigen Beteiligungs-Workshops genannt worden seien. Ziel: Besseres Einfügen des Wohngebiets in die Landschaft, mehr Grün erhalten statt zu bebauen. Der Hasenkopf sei kein Landschafts-Vorbehaltgebiet, sondern Siedlungs-Vorranggebiet, auf Klimaschutzbelange werde man aber gemäß den Anforderungen achten.

Die städtische SEG ist unterdessen nach eigenen Angaben Eigentümerin von mehr als 11 000 Quadratmetern im geplanten Bebauungsbereich Hasenkopf. Für eine weitere Fläche von etwa 5 000 Quadratmetern gebe es bereits Verkaufszusagen durch die Nocheigentümer.

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) schloss in der Vergangenheit eine Westtangente als Anbindungsmöglichkeit kategorisch aus. Straßenneubau in Marburg soll es zudem laut SPD, die sich trotz der jüngsten Wahlschlappe Hoffnungen auf einen Fortbestand als Regierungspartei etwa in einer Öko-Regierung mit Grünen und Klimaliste macht, grundsätzlich nicht mehr geben.

Wohngebiet Beltershäuser Straße: Beteiligungsprozess beginnt

Gemeinsam mit der Universitätsstadt Marburg und der Stadtentwicklungsgesellschaft beteiligt sich der Landkreis bei der Beltershäuser Straße im Süden Marburgs an der Entstehung eines neuen Stadtgebiets. Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, ihre Ideen und Anregungen in die Planungen mit einzubringen.

Den Auftakt zur Bürgerbeteiligung macht am Dienstag um 19.30 Uhr eine erste digitale Informationsveranstaltung mit Landrätin Kirsten Fründt und Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (beide SPD).

Im Zuge der Erweiterung des Kreishauses, Im Lichtenholz 60, entwickelte sich die Idee, auch Wohnungen entstehen zu lassen. Hierzu stellt der Kreis ein eigenes Grundstück zwischen Kreis-Job-Center und Kfz-Zulassungsstelle, direkt vor der Polizeidienststelle, zur Verfügung.

Wer möchte, kann sich unter www.marburgmachtmit.de/abindensueden online dazuschalten. Fragen und Beiträge können über Chat oder die Nummer 01 76 / 18 20 14 84 eingebracht werden. Weitere Informationen finden sich im Internet unter www.marburg.de/abindensueden

Von Björn Wisker

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