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Marburg Hartmut Pfeiffer ist neuer Kreishandwerksmeister
Marburg Hartmut Pfeiffer ist neuer Kreishandwerksmeister
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15:58 21.05.2021
Rolph Limbacher übergibt symbolisch den Schlüssel zur Geschäftsstelle an den neuen Kreishandwerksmeister Hartmut Pfeiffer
Rolph Limbacher übergibt symbolisch den Schlüssel zur Geschäftsstelle an den neuen Kreishandwerksmeister Hartmut Pfeiffer Quelle: Foto: Till Conrad
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Hartmut Pfeiffer heißt der neue Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Marburg. Pfeiffer, Vorsitzender der Zimmerer-Innung und bisher stellvertretender Kreishandwerksmeister, löst Rolph Limbacher ab, der das Amt acht Jahre lang innehatte. Limbacher gab das Amt vorzeitig auf, weil er bei der nächsten Wahl als stellvertretender Vorsitzender der Handwerkskammer Kassel kandidieren will. Limbacher wurde aber von den Innungsmeistern als Vorstandsmitglied gewählt. Neuer stellvertretender Vorsitzender ist Jörg Peil (Elektro-Innung), der dem Vorstand bisher als Beisitzer angehörte. Alle neuen Vorstandsmitglieder wurden einstimmig gewählt.

Die Hauptversammlung der Kreishandwerkerschaft fand als Präsenzveranstaltung unter strengen Auflagen statt.

Sowohl Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) als auch der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU) wiesen in Grußworten auf die Investitionsprogramme von Stadt und Kreis hin, die dank des Digitalpakts die heimischen Schulen schnellstmöglich mit schnellem Internet ausstatten sollen. „Das Handwerk war in besonderer Weise von der Pandemie betroffen“, sagte Spies, „für Maurer oder Elektriker gibt es nun mal kein Homeoffice.“

Zachow sagte, der Löwenanteil des 160-Millionen-Euro-Investitionsprogramms des Kreises fließe in die Schulen. „Wir wollen bis Ende 2022 alle Klassenräume mit schnellem Internet ausgestattet haben“, versprach er, „aber dafür brauchen wir Sie – bitte beteiligen Sie sich an den Ausschreibungen.“

Die Digitalisierung halte auch im Handwerk schnell Einzug, erkannte Zachow, aber sie stehe und falle damit, dass es gelinge, Digitalisierung an den Schulen voranzubringen.

Zachow beschäftigte sich in seinem Referat mit der Gründung einer Wirtschaftsförderungsgesellschaft – einem Vorhaben, das seit etlichen Jahren in der Kreispolitik eine wesentliche Rolle spielt. Die Idee: Kreis, Städte und Gemeinden gründen gemeinsam mit dem Handwerk, der Agentur für Arbeit und der IHK eine gemeinsame Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Sie solle sich um interkommunale Gewerbeflächenentwicklung ebenso kümmern wie um ein kampagnenfähiges Standortmarketing sowie die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen in der heimischen Wirtschaft – dazu gehört auch der Kampf gegen die Abwanderung leistungsfähiger Industriebetriebe. Die Gesellschaft, so Zachow, soll ein Grundkapital von mindestens 25 000 Euro haben. Zachow warb engagiert um die Beteiligung des Handwerks an dieser Gesellschaft. Für die Kreishandwerkerschaft sei das Risiko begrenzt; Betriebe sollten von Haftungsrisiko und anderen Risiken befreit werden.

Marian Zachow wünscht sich – frei nach dem Motto des deutschen Serien-Fußballmeisters Bayern München – ein wenig mehr „Mia san mia!“, also mehr Selbstbewusstsein in der Region.

Er bemühte einen kulinarischen Vergleich, um die Situation des Kreises zwischen zwei Ballungsräumen zu charakterisieren: „Das Beste ist in der Mitte – wie beim Frikadellenbrötchen.“ Da nicht alle Innungsmeister bei der Hauptversammlung anwesend sein konnten, fällt die Entscheidung im Umlaufverfahren.

Limbacher brach eine Lanze für den Beitritt der Kreishandwerkerschaft zur zu gründenden Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Es gab aber auch kritische Stimmen, die befürchteten, das Handwerk könne in einer solchen großen Gesellschaft nicht ausreichend Gehör finden.

Das Handwerk im Kreis befindet sich in der Digitalisierungsphase, befand der neue Kreishandwerksmeister Hartmut Pfeiffer. Erstmals sei die traditionsreiche „Aktionswoche Handwerk“ im September 2020, der Not gehorchend, in digitaler Form durchgeführt worden. Sie soll auch in diesem Jahr digital stattfinden, und zwar am 21. und 22. September. Der Vorstand rief die Mitgliedsinnungen dazu auf, sich an der konzeptionellen Vorbereitung zu beteiligen.

Die Mitglieder werden sich nun über Sinn und Nutzen unterschiedlicher digitaler Plattformen Gedanken machen. Reiner Kahle, Innungsmeister der Elektro-Innung, sprach aber aus, was viele dachten: Man sollte auch den Sinn der Aktionswoche beibehalten, in der Handwerksbetriebe den Besuchern, überwiegend Schülern, vorzeigen können, was sie mit ihren Händen schaffen können.

Von Till Conrad