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Marburg Ein „bunter Hund“ feiert rund
Marburg Ein „bunter Hund“ feiert rund
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08:00 01.09.2021
Hans-Christian Sommer auf der Schlossparkbühne in Marburg – er wird heute 90.
Hans-Christian Sommer auf der Schlossparkbühne in Marburg – er wird heute 90. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Mit federnden Schritten und festem Gang betritt er die Schlossparkbühne von der Seite und beginnt seine Ansage. „Meine Damen und Herren, willkommen auf der Marburger Freilichtbühne bei der 141. Auflage der Sommerkonzerte“, sagt er und blickt in das weite Rund der Bühne unweit des Marburger Schlosses. Sind wir in einer Zeitmaschine zurück in die Zeit gereist, oder was ist hier los?

Nein, wir haben immer noch Ende August 2021, auf der Schlossparkbühne herrscht Super-Sommerwetter. Und ja: Auch der Sommer ist da! Also, der Hans-Christian Sommer – in Marburg landläufig seit Jahrzehnten nur als „HCS“ bekannt. Nur Zuschauer sind gerade nicht auf den Sitzplätzen der Freilichtbühne zugegen, erst am Abend geht es beim Kino-Sommer wieder weiter.

Also, zum Mitschreiben für die Jüngeren und die Nachgeborenen: Der aus Andernach am Rhein stammende Hans-Christian Sommer war ab Anfang der 70er-Jahre Verkehrsdirektor und eine Institution in Marburg, als es den offiziellen Begriff Tourismus-Manager noch nicht gab.

Und er moderierte von 1972 bis 1993 immer wieder sonntags in der Sommersaison die von ihm mit erfundenen „Sommer-Konzerte“. Entweder als Open Air auf der Schlossparkbühne oder bei schlechtem Wetter an anderen Orten in Marburg wie im Audimax und in der Stadthalle, aber auch einmal im Georg-Gaßmann-Stadion.

Insgesamt gab es 163 Sommerkonzerte, die jeweils mit einem bunten Musik-Cocktail garniert waren – dargeboten von Kapellen, Stars und Sternchen. Und es gab ein treues Stammpublikum für das Event, wie man heute wohl zu sagen pflegen würde. Erst im Jahr 1993 war dann Schluss mit den Sommerkonzerten. Dass die von Sommer jahrelang geforderte Überdachung für die Freilichtbühne nicht realisiert worden war, nennt er dafür im Nachhinein als Begründung.

Kaum zu glauben, aber wahr: An diesem Mittwoch (1. September) wird Hans-Christian Sommer 90 Jahre alt. Dabei turnt er jetzt für den OP-Fotografen Thorsten Richter so engagiert auf der Bühne herum wie zu seinen besten Zeiten und röhrt mit Inbrunst und nur aus Spaß in die mitlaufende Handycam den alten Evergreen „I scream, you scream, everybody wants icecream“.

Gartenarbeit und Fitnessstudio halten ihn fit

„Es geht mir gut, ich bin gesund“, sagt er, als das Fotoshooting aus Anlass seines Geburtstags vorbei ist. Aber wie hat er das geschafft, dass er wenige Tage vor seinem 90. Geburtstag noch so fit ist? „Viel Gartenarbeit, regelmäßige Besuche im Fitnessstudio und wenig Alkohol trinken“, verrät HCS der OP seine Geheimrezepte. Höchstens einmal ein Gläschen Wein pro Woche genehmigt sich der Marburger. Das habe er sich schon während seiner „aktiven Zeit“ als Entertainer, Verkehrsdirektor und Moderator angewöhnt und dann eisern durchgehalten, berichtet er. „Dabei hätte ich die Möglichkeit gehabt, mich bei bunten Abenden jeden Abend volllaufen zu lassen“, erzählt Sommer.

Ins Fitnessstudio geht Sommer gerne zusammen mit seiner Frau Anneliese. Und die habe ihn in den 70er-Jahren auch auf die Idee gebracht, in Marburg so ein ähnliches Konzert zu organisieren wie in Andernach. Für die Idee ist er ihr heute noch dankbar. Stolz ist HCS auch darauf, dass er einmal am Ende der Laufbahn des hessischen „Ebbelwoi“-Königs Heinz Schenk eine Tournee mit dem „Blauen Bock“ organisiert hat – einer Veranstaltung, die unter Freunden der volkstümlichen Musik wahren Kultcharakter hatte. Jahrelang hat er auch bayrische Oktoberfeste in der kanadischen Großstadt Calgary organisiert. Würde man auch die weiteren von ihm ausgedachten, beworbenen und auf die Beine gestellten Veranstaltungen erwähnen, dann wäre dieser Artikel gleich doppelt so lang. Zusammengefasst war er echt eine Art „Hans-Christian in allen Gassen“.

1997 kandidierte er bei der Oberbürgermeisterwahl

Mindestens in Marburg, wenn nicht auch in Hessen, war HCS jedenfalls in den 70er- und 80er-Jahren bekannt wie ein „bunter Hund“ und sorgte mit flotten Sprüchen und jeder Menge Ideen wie dem Slogan „Studier mal Marburg“, dass die Universitätsstadt „in Funk und Fernsehen“ immer bekannter wurde. Und auch wenn er es nach seinem offiziellen Abschied als Marburger Verkehrsdirektor ein wenig ruhiger angehen ließ, so war er bis zur Corona-Pandemie immer noch präsent und ist weiterhin stadtbekannt.

Da schadete es seinem Image auch kaum, dass manche Dinge, die er anpackte, nicht ganz klappten. So wurde er beispielsweise 1997 trotz einer OB-Kandidatur auf dem Ticket der Marburger FDP doch nicht Stadtoberhaupt. Wie wohl ein Oberbürgermeister Hans-Christian Sommer die Stadt verändert hätte? Das werden die Marburger nie erfahren.

Am heutigen Mittwoch steht jedenfalls der 90. Geburtstag von HCS an. Und ein wenig merkt man schon, dass er auch ruhiger geworden ist. Seine Geburtstagsfeier findet jedenfalls in ganz kleinem familiären Rahmen statt.

Zum 90. alles Gute, HCS!

Von Manfred Hitzeroth