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Marburg Handwerk erwartet deutliches Wachstum
Marburg Handwerk erwartet deutliches Wachstum
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07:59 03.01.2020
Handwerker wie diese Dachdecker haben aufgrund des Klimapakets und der vorgesehenen energetischen Sanierung gute Chancen für das Jahr 2020. Quelle: www.amh-online.de
Marburg

„Familiengeführte Betriebe wirtschaften nachhaltig, nehmen Verantwortung für ihre Region wahr, schaffen Arbeitsplätze und qualifizieren junge Menschen auf hohem Niveau“, informiert die Kreishandwerkerschaft. Für 2020 erwarte das Handwerk insgesamt ein überdurchschnittliches Umsatzwachstum von gut drei Prozent und zeige damit wieder einmal seine wichtige Funktion als konjunktureller Stabilitätsanker. Aber auch internationale Unsicherheiten machten sich bemerkbar, etwa im industrienahen Handwerk oder im Kfz-Handwerk.

In einer Pressemitteilung schreibt die Kreishandwerkerschaft, weite Bereiche unserer Gesellschaft befänden sich in einem tiefgreifenden und sich beschleunigenden Wandel. Das Handwerk leiste in diesem komplexen Umfeld einen wichtigen Beitrag. 

Auswirkungen des Klimapakets

Es sei richtig von der Bundesregierung gewesen, das Klimapaket anzugehen. Enttäuschend sei, dass kein schlüssiges Gesamtkonzept vorgelegt wurde. Allerdings bieten sich Chancen. Ob bei E-Mobilität, Smart Home oder energetischer Sanierung – das Handwerk sei bei diesen Themen dabei. Positiv für das heimische Handwerk: Mit den steuerrechtlichen Maßnahmen werde endlich ein wichtiges Förderinstrument im Gebäudesektor wirksam und dürfte zu signifikanter Nachfrage bei energetischen Sanierungsmaßnahmen führen. Für die Handwerksbetriebe bedeutet die CO2-Bepreisung steigende Betriebskosten. Die Entlastung bei der EEG-Umlage werde das nicht kompensieren. „Die Hintertürchen, die sich der Gesetzgeber offengelassen hat, verhindern die verlässliche Planung von Investitionen in den Klimaschutz“, so die Kreishandwerkerschaft.

Im Gesamthandwerk dauert es im Schnitt gut neun Wochen, bis ein Auftrag erfüllt werden kann. Die Betriebe arbeiten an ihren Kapazitätsgrenzen und müssen immer öfter Aufträge absagen, weil Auszubildende, Gesellen und Meister fehlen.
Für das Handwerk ist die Nachwuchsgewinnung der Schlüssel zur Zukunft. Der jahrelange Werbefeldzug von Politik und OECD für Abitur und Studium treibe inzwischen fast 60 Prozent der Schulabgänger eines Jahrgangs in die akademische Ausbildung. Dabei lägen die Einkommen von Handwerksmeistern im Verlauf eines Berufslebens gleichauf mit denen von Bachelor-Absolventen. Und dass man mit einem Meisterbrief in der Tasche arbeitslos wird, sei weniger wahrscheinlich als mit einem akademischen Abschluss.

Wiedereinführung der Meisterpflicht

Die berufliche Ausbildung braucht wieder gesellschaftliche Anerkennung und die Tätigkeit als qualifizierte handwerkliche Fachkraft mehr Wertschätzung. Dazu müssen in den Schulen neben den kognitiven Fähigkeiten die praktisch-handwerklichen in den Schulalltag integriert werden, etwa durch die Einführung von Werkunterricht oder eines Fachs Polytechnik als einem Querschnittsfach zum Erwerb von grundlegenden handwerklichen und technischen Fertigkeiten. Zudem müsse die ganzheitliche Berufsberatung weiter intensiviert werden, auch und gerade an Gymnasien.

Einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung wird die Wiedereinführung der Meisterpflicht in zwölf Gewerken leisten. „Wir sind überzeugt, dass sich die Kunden in diesen Gewerken wieder verstärkt auf Qualitätshandwerk, hochwertige Produkte und Dienstleistungen verlassen können“, so die heimischen Handwerker. Der für das Handwerk so typische Wissenstransfer von einer Generation an die nächste wird dort wieder in Gang gebracht. „Mit mehr Betrieben und mehr Meistern erwarten wir hier wieder mehr Ausbildung und damit eine Verbesserung der Fachkräftesituation.“