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Marburg Vergabe von Meisterbriefen im Kino
Marburg Vergabe von Meisterbriefen im Kino
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18:31 08.11.2021
Endlich Meister: Nach der feierlichen Übergabe der Meisterbriefe der Kreishandwerkerschaft stellen sich die Ausgezeichneten mit ihren Meisterschals zum Gruppenbild auf.
Endlich Meister: Nach der feierlichen Übergabe der Meisterbriefe der Kreishandwerkerschaft stellen sich die Ausgezeichneten mit ihren Meisterschals zum Gruppenbild auf. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Die frischgebackenen Jungmeisterinnen und -meister hätten sich jeweils gleich vierfach als Spezialisten qualifiziert, betonte Kreishandwerksmeister Hartmut Pfeiffer in seiner Begrüßung während der Veranstaltung am Sonntag (7. November) gleich zu Beginn: Sie hätten sowohl praktisches und theoretisches Fachwissen, als auch Wissen aus der Betriebswirtschaftslehre sowie der Berufs- und Arbeitspädagogik erworben.

Die später durch die Überreichung der Meisterbriefe auch offiziell beglaubigte Meisterschaft habe aber nicht nur als erfolgreiche berufliche Qualifikation ihren Wert, sondern sie sei auch ein Sinnbild für Kompetenz, Erfolg und Zuverlässigkeit, sagte Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD).

Gleichzeitig stehe das Handwerk in diesen Zeiten auch für Nachhaltigkeit und Solidität. Dieses sei besonders wichtig im Zeichen der Klimakrise, die zu Umstellungen führen werde. Bei der Bewältigung der Herausforderungen der Zukunft sei die Mithilfe des Handwerks besonders gefragt, meinte der Oberbürgermeister.

„Wir wollen die Klimawende begleiten“, versprach der neue Kasseler Handwerkskammer-Präsident Frank Dittmar, der auf die Forderung von Spies einging. Allerdings müsse bei der Umsetzung von Vorhaben Vernunft und Sachlichkeit gewahrt werden. So erteilte Dittmar der Idee von autofreien Innenstädten eine Absage. Bei aller Dringlichkeit des Klimaschutzes dürfe dieses Thema nicht alles andere überstrahlen, sagte Dittmar an die Adresse der Bundespolitik gewandt.

Hohe Regelungsdichte „ist problematisch“

Als problematisch für das Handwerk nannte der Kammerpräsident vor allem eine zu hohe Regelungsdichte, die viele Handwerker davon abhalte, sich selbstständig zu machen. Gleichzeitig forderte Dittmar einen Bürokratie-Abbau. Um erfolgreicher zu arbeiten, benötige das Handwerk in Zukunft auch flexiblere Arbeitszeitregelungen sowie mehr digitale Prozesse auf allen Ebenen.

Zum Abschluss warf Dittmar einen Blick in die mittelfristige Zukunft. Weil die Vertreter der Babyboomer-Generation allmählich in das Rentenalter kommen, stehen in den kommenden Jahren rund 2 000 Betriebe im Bezirk der Handwerkskammer Kassel zur Übergabe. Um diese Positionen zu besetzen, würden verstärkt Jungmeister „händeringend gesucht“. Der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU) appellierte in diesem Sinne an die Jungmeisterinnen und -meister, in der Region Marburg-Biedenkopf selbstständig zu bleiben. Zumindest zähle die Region einer aktuellen Erhebung zufolge zu den „Top Ten“-Regionen in Deutschland in Sachen Existenzgründung. Und daran hätten auch viele Start-ups im Bereich Handwerk ihren Anteil.

„Praxistaugliche Lösungen finden“

In seiner Ansprache ging der Gießener Regierungspräsident Christoph Ullrich auch auf die Kritik an zu viel bürokratischen Vorgaben ein. Er warb zunächst dafür um Verständnis, dass beispielsweise Mitarbeiter seiner Behörde auf den Baustellen in regelmäßigen Abständen die Helmpflicht für die Bauarbeiter überwachen würden. Dieses sei auch im Sinne einer „Schutz-Idee“. Allerdings gestand auch Ullrich ein, dass immer mehr neue Regeln erfunden würden. Das führe insgesamt zu einem nicht mehr überschaubaren „Regeldickicht“. „Damit diese Regeln nicht zum Selbstzweck werden, müssen wir praxistaugliche Lösungen finden“, meinte der Regierungspräsident.

Umrahmt wurde die feierliche Veranstaltung mit Musik von Svetlana Urintsova (Geige) und Gunther Friedrich (Keyboard). Mit der feierlichen Übergabe der Meisterbriefe an die frischgebackenen Meister fand der Vormittag im Kinosaal seinen Abschluss.

Von Manfred Hitzeroth