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Marburg Handel fordert schnellen Weg aus dem Lockdown
Marburg Handel fordert schnellen Weg aus dem Lockdown
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13:58 20.02.2021
„Stoppt den Lockdown sofort“ – mit diese Forderung hat ein Einzelhändler seine Ladentür plakatiert.
„Stoppt den Lockdown sofort“ – mit diese Forderung hat ein Einzelhändler seine Ladentür plakatiert. Quelle: Julian Stratenschulte
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Marburg

Der Einzelhandel und die Gastronomie sind am Limit – und so versuchen Verbände und Kammern vor der nächsten Runde der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, den Druck zu erhöhen. So ist beispielsweise die Forderung des Handelsverbands Hessen mit drei Worten überschrieben: „Öffnet die Läden!“

Präsident Jochen Ruths verdeutlicht, dass der aktuelle Zustand für den Non-Food-Handel in Hessen „nicht mehr länger hinnehmbar“ sei. Der Handel erbringe aktuell ein Sonderopfer – Existenzen stünden vor dem Ruin. „Wir rechnen in Hessen mit einer Insolvenzwelle im Handel und Restrukturierungen, die mehrere tausend Jobs kosten werden”, so Ruths. In immer neuen Runden mit Mitgliedern der Landesregierung lege man die aktuell katastrophale Situation dar – ohne aktive Mitwirkung ändere sich jedoch nichts.

Politik sollte Perspektiven liefern

„Neue Inzidenzziele, fehlende Perspektiven und absolut keine Entschädigungen. Viele Selbstständige finanzieren mit dem angeordneten Lockdown die Bekämpfung der Pandemie aus ihrer eigenen, privaten Tasche“, erläutert Ruths. Er ist sich sicher: „Ohne den massiven Druck auf Bundes- und Landesebene durch den Handelsverband wäre der Handel wohl sogar bei der Überbrückungshilfe III leer ausgegangen.”

Auch Jörg Palm, Handelsausschussvorsitzender der IHK Lahn-Dill, kritisiert die anhaltende Schließung. „Wir haben die Politik mehrfach aufgefordert, Perspektiven aufzuzeigen und schrittweise Lockerungen zu ermöglichen. Doch unsere Forderungen sind nicht erhört worden. Die Politiker haben keine Lösungsansätze für uns“, so Palm. Stattdessen sei der Inzidenz-Grenzwert von 50 auf 35 gesenkt worden – das sei „nicht mehr hinnehmbar“. Die Politik solle sich vielmehr endlich mit den Lösungsvorschlägen und dem Stufenmodell von Handel und Gastgewerbe auseinandersetzen.

Palm fordert schrittweise Öffnung

Palm, selbst Inhaber eines Juweliergeschäfts, erläutert: „Wir wollen unsere Geschäfte ab einem Inzidenzwert von unter 100 schrittweise wieder öffnen dürfen.“ Möglich sei dies etwa durch Terminvereinbarungen in Kombination mit Zugangsbeschränkungen als „personal Shopping“ – mit einer bestimmten Personenzahl in Proportion zu den vorhandenen Quadratmetern. Kundenansammlungen könnten so vermieden werden, zusätzlich müssten Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten sowie Kontaktdaten erfasst werden.

In der Gastronomie sollte eine Wiedereröffnung wie nach dem ersten Lockdown umgesetzt werden. Damit habe man gute Erfahrungen gemacht, so der Hessische Industrie- und Handelskammertag und der Hessische Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA. Demnach hätten alle mess- und rückverfolgbaren Infektionsraten im Gastgewerbe weit unter zwei Prozent Anteil am Gesamtinfektionsgeschehen gehabt.

Nur Friseurläden zu öffnen reiche nicht

Das habe nicht zuletzt daran gelegen, dass sich Unternehmen in der Branche mit umfangreichen Schutzkonzepten und Investitionen in Belüftungssysteme und Luftfilter professionell aufgestellt hätten. Auch Fitnessstudios hätten sich nach dem ersten Lockdown mit umfassenden Hygienekonzepten angepasst. Durch ein digitales Termin- und Einlassmanagement ließen sich Kundenströme zusätzlich steuern, Kontakte minimieren und nachverfolgen. Ebenso gebe es sehr gute Hygienekonzepte in der Veranstaltungsbranche, mit denen ein schrittweises Öffnen in Betracht gezogen werden könnte.

Den Forderungen schließt sich auch Wolf Matthias Mang, Präsident der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände, an: „Nur die Friseurläden am 1. März zu öffnen, das reicht nicht. Auch die Nicht-Lebensmittelgeschäfte sind hinreichend sicher und sollten rasch öffnen dürfen“ – vor allem vor dem Hintergrund von Terminvereinbarungen. Die Politik solle sich noch im Februar auf eine einheitliche Öffnung aller Geschäfte im März verständigen.

„Alles andere wäre eine unverhältnismäßige Einschränkung der Berufs- und Gewerbefreiheit, die mit den Erfordernissen des Infektionsschutzes derzeit nicht begründet werden kann. Außerdem würde eine Fortsetzung des Lockdowns im Einzelhandel unnötige direkte Kosten in Milliardenhöhe und weitere Schäden durch die drohende Insolvenzwelle verursachen“, so Mang.

Von Andreas Schmidt

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