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Marburg Haftbefehl wegen versuchten Mordes in zwei Fällen
Marburg Haftbefehl wegen versuchten Mordes in zwei Fällen
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20:58 18.03.2021
Sanitäter bringen den durch eine Axt-Attacke schwer verletzten 61-jährigen Mann in die Notaufnahme des Uniklinikums. Das Foto vom Tattag stellte uns ein Nachbar zur Verfügung.
Sanitäter bringen den durch eine Axt-Attacke schwer verletzten 61-jährigen Mann in die Notaufnahme des Uniklinikums. Das Foto vom Tattag stellte uns ein Nachbar zur Verfügung. Quelle: Privatfoto
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Marburg

Mit einer Pressemitteilung informierten am heutigen Donnerstag (18. März) die Marburger Polizei und Staatsanwaltschaft über die Axt-Attacke im Damaschkeweg, bei der am Montag (15. März) gegen 11 Uhr ein Mann lebensgefährlich verletzt wurde und eine junge, muslimische Familie nach einem Kampf nur knapp dem Tod entronnen ist.

Laut Staatsanwaltschaft ist der mutmaßliche Angreifer ein 42-jähriger, polizeibekannter Deutscher. Gegen ihn wurde Haftbefehl wegen „des dringenden Tatverdachts des versuchten Mordes in zwei Fällen“ erlassen. Er sitzt in Untersuchungshaft.

61-Jährigen ist lebensgefährlich verletzt

Wie die OP berichtete, ist der Angreifer am Montagmorgen (15. März) mit einer Axt bewaffnet in ein Mehrfamilienhaus im Damaschkeweg eingedrungen und hat im Flur des Hauses einen 61-Jährigen mit der Axt lebensgefährlich verletzt. Der deutsche Staatsangehörige befinde sich im Universitätsklinikum Marburg auf einer Intensivstation.

Anschließend hat der Angreifer die Tür zur Nachbarwohnung im Erdgeschoss mit der Axt eingeschlagen und die dort lebende Familie angegriffen. Bei der Familie handelt es sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft um einen 29-jährigen gebürtigen Palästinenser und seine 25-jährige Frau, die jordanische Staatsangehörige ist und in Marburg studiert. Der 29-Jährige wurde leicht verletzt.

Angst herrscht nun im Damaschkeweg

Im Damaschkeweg haben nun viele Menschen Angst. Sie vermuten bei dem Angriff einen fremdenfeindlichen Hintergrund. „Nachdem ich den Hubschrauber bemerkt hatte, sah ich dieses Ereignis“, schrieb ein Nachbar der OP.

Er sei Migrant. „Es gab viel Polizei und Krankenwagen.“ Seine älteste Tochter habe große Angst gehabt. Nach den Berichten mache er sich ebenfalls Sorgen. „Normalerweise wusste ich, dass Marburg eine sehr sichere Stadt ist. Dieses Ereignis war eine Enttäuschung für mich. Ich hoffe, es geht nicht um Rassismus.“

Ide: Ermittlungen zur Tatmotivation dauern an

Das fragen sich nicht wenige Anwohner in dem von vielen Menschen mit Migrationshintergrund bewohnten Viertel. Timo Ide, Pressesprecher der Marburger Staatsanwaltschaft, betont: „Die Ermittlungen, insbesondere zur Tatmotivation, dauern noch an. Es bestehen jedoch keinerlei Hinweise auf ein fremdenfeindliches Motiv beziehungsweise eine rechtsradikale Gesinnung bei dem Beschuldigten.

Ebenso gibt es keine Hinweise auf weitere Tatbeteiligte beziehungsweise Mittäter.“ Es gebe auch keine Hinweise auf psychische Probleme, so Ide auf Anfrage der OP. Es bleiben auch nach der Mitteilung viele Fragen offen. Warum dringt ein Mann mit einer Axt bewaffnet in ein Mehrfamilienhaus ein und greift wahllos ihm fremde Menschen an? Denn der Festgenommene und die Angegriffenen haben sich nicht gekannt.

Beschuldigter ist seit Jahren polizeibekannt

Der Beschuldigte sei der Polizei seit vielen Jahren bekannt, sagte Ide der OP. Um welche Taten es ging, wollte der Staatsanwalt zu diesem Zeitpunkt nicht sagen. Zudem habe sich der Festgenommene bei den Vernehmungen bislang nicht zu seinen Motiven geäußert. Laut Pressemitteilung kommt der Beschuldigte aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf. Nach nicht offiziell bestätigten OP-Informationen soll er in einem Marburger Stadtteil leben.

Im Rahmen der am Montag nach der Tat sofort eingeleiteten Fahndung wurde laut Staatsanwaltschaft zunächst ein 39 Jahre alter Mann durch die Polizei kontrolliert. „Im Zuge der Kontrolle soll es zu Widerstandshandlungen des Mannes gekommen sein. Sowohl der Mann als auch mehrere Polizeibeamte erlitten hierbei Verletzungen“, heißt es in der Pressemitteilung.

Haftbefehl ist erlassen

Der 39-Jährige stehe jedoch in keinem Zusammenhang mit der Tat im Damaschkeweg. Kurze Zeit später habe die Polizei den 42-jährigen Beschuldigten widerstandslos festgenommen. Am Dienstag (16. März) erließ die zuständige Haftrichterin des Amtsgerichts Marburg den von der Staatsanwaltschaft Marburg beantragten Haftbefehl.

Von Uwe Badouin