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Marburg Häuser und Wohnungen: Je näher an Marburg, desto wertvoller
Marburg Häuser und Wohnungen: Je näher an Marburg, desto wertvoller
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10:58 13.06.2021
Marburg hat Magnetwirkung: Die Immobilienpreise innerhalb, aber auch außerhalb der Stadt steigen immer weiter an.
Marburg hat Magnetwirkung: Die Immobilienpreise innerhalb, aber auch außerhalb der Stadt steigen immer weiter an. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Er zielt mit dem Stift auf die Leinwand, auf der die Landkarte Marburg-Biedenkopfs abgebildet ist. Der rote Punkt seines Laserpointers zappelt während der Vorstellung der Immobilienpreis-Entwicklung in der Region zwischen den Gemeinden hin und her, bleibt dann auf Weimar stehen – und Lother Dude-Georg spricht aus, was die Farbe, das satte Rot rund um Marburg bedeutet: „So nah an Marburg gelegen, gelten ganz ähnliche Preise wie in städtischen Lagen“, sagt der Vorsitzende des Gutachterausschusses für Immobilienwerte in Mittelhessen.

So knackte die Gemeinde Weimar im Neubaubereich im vergangenen Jahr die Marke von 4.000 Euro pro Quadratmeter. Der Durchschnittspreis – also Bestands-Apartments eingerechnet – ist dort im vergangenen Jahr auf 2.160 Euro gestiegen. Zum Vergleich: In der Stadt selbst liegt er bei 2.500 Euro. Ähnliche Entwicklungen wie in Weimar gibt es laut der aktuellen Daten des Gutachterausschusses auch in den anderen, direkt an Marburg angrenzenden Gemeinden: In Cölbe liegt der Preis demnach bei knapp über, in Lahntal knapp unter 2.000 Euro.

„Boomtown“ Weimar

Und das sind nur die Werte im Bereich der Eigentumswohnungen. Dabei sind in Nachbarschaft zur Universitätsstadt vor allem das dort kaum mehr verfügbare Bauland und die ebenso selten auf dem Markt auftauchenden Häuser begehrt.

Die Grundstückspreise sind demnach nirgendwo so teuer wie in Weimar (136 Euro pro Quadratmeter), speziell Niederweimar leuchtet im Immobilienmarktbericht 2020 tiefrot.

Auch in Weimar muss man tief in die Tasche greifen

Wie stark die Kommune boomt, zeigt der Vergleich zu den anderen Marburg-nahen Orten: In Lahntal und Cölbe liegt der Baulandpreis bei 92 beziehungsweise 72 Euro pro Quadratmeter, in Ebsdorfergrund – wo vor allem das nördliche Gebiet rund um Beltershausen begehrt zu sein scheint – sind es wie in Kirchhain, wo der Bereich rund um Großseelheim heraussticht, 107 Euro.

Auch für Häuser legen Käufer in Weimar deutlich mehr Geld auf den Tisch als anderswo außerhalb Marburgs: im Schnitt 290.000 Euro, in Lahntal sind es 270.000, Kirchhain ist mit 240.000 und Cölbe sowie Ebsdorfergrund mit je 210.000 Euro ausgewiesen.

Verkehrsanbindung A und O

In Hessen gebe es entlang der Achse Gießen-Marburg-Stadtallendorf eine „spürbare Wertsteigerung“, sagt Dude-Georg. Gewinner in der Region sind also insbesondere jene, die in oder nahe an Marburg sowie östlich, vor allem in Kirchhain und eben Stadtallendorf – wo ein Haus mit 220.000 Euro im Schnitt 40.000, ein Eigentumsapartment pro Quadratmeter 400 Euro mehr kostet als in Gladenbach –, gekauft oder gebaut haben.

Ob im Kreis oder der Universitätsstadt selbst: „Die Verkehrsanbindung ist ein ganz entscheidendes Kriterium: Wer zu Fuß in wenigen Minuten das Zentrum erreicht, oder wo die Bushaltestelle nicht fern ist, Straßen oder Gleise schnelle Mobilität ermöglichen, lebt in einer attraktiven wie begehrten Lage“, erklärt Marius Thielemann von der Marburger Stadtverwaltung.

Häuser werden immer begehrter

„Und genau diese interessanten Lagen stehen nicht mehr zur Verfügung“, sagt Dude-Georg. Bedeute: Neubauprojekte seien in diesen Gebieten kaum mehr möglich, dafür werde der Bestand – eben weil die Nachfrage speziell nahe Marburg nicht abreiße – immer begehrter. Ebenso sichtbar: Wer ein eigenes Haus errichten möchte, weicht in ganz Mittelhessen auf Bauland in möglichst den Oberzentren Marburg und Gießen nahe gelegenen Gemeinden aus.

Dude-Georg spricht angesichts dieser Entwicklung rund um die mittelhessischen Oberzentren von der „Herausbildung von Speckgürteln“. Gesunken sind sowohl Häuser- als auch Baulandpreise daher in wenigen, vor allem den Oberzentren eher fernen Gemeinden wie Angelburg, Steffenberg und Wohratal.

25 Prozent mehr

Die insgesamt 453 Käufer eines Ein- oder Zweifamilienhauses im Landkreis Marburg-Biedenkopf zahlten im vergangenen Jahr im Mittel 200.000 Euro – etwa 25 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren. „Und der Trend zeigt weiter nach oben“, sagt Dude-Georg.

In Marburg selbst werden vor allem Eigentumswohnungen gesucht, für diese wie auch für Häuser Rekordsummen bezahlt – mittlerweile sogar in vielen Außenstadtteilen, in Dorfkernen ländlicher Bereiche, wo Grundstückspreise um bis zu 16 Prozent höher geworden sind (die OP berichtete).

Von Björn Wisker