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Marburg „Haben Bock, die Welt zu verändern“
Marburg „Haben Bock, die Welt zu verändern“
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10:58 23.01.2021
Lange hat Fotograf Henrik Isenberg am Cover des Debüt-Albums der Marburger Band „Einsneunzig“ getüftelt. Moritz Weygand (vorne von links), Jannick Hach, Tim Czerny, Dimitri Frenkel und Eric Vater von „Einsneunzig“ hocken im Capitol – immer wieder in neuen Posen vervielfältigt und zu einem Foto komponiert.
Lange hat Fotograf Henrik Isenberg am Cover des Debüt-Albums der Marburger Band „Einsneunzig“ getüftelt. Moritz Weygand (vorne von links), Jannick Hach, Tim Czerny, Dimitri Frenkel und Eric Vater von „Einsneunzig“ hocken im Capitol – immer wieder in neuen Posen vervielfältigt und zu einem Foto komponiert. Quelle: Foto: Henrik Isenberg
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Marburg

„Was genau das für die Zukunft bringt, wissen wir noch nicht. Aber wir haben Bock, die Welt zu verändern, oder es zumindest zu versuchen.“ Wir – das sind vier junge Musiker aus Marburg. Ihre Band heißt „Einsneunzig“ – und man sollte sie sich merken. Mitten in der Corona-Pandemie haben Sänger und Gitarrist Tim Czerny (25), Leadgitarrist Jannick Hach (26), Bassist Moritz Weygand (27) und Schlagzeuger Dimitro Frenkel (22) ihr Debüt-Album „ausgeschrieben“ eingespielt – allen Einschränkungen zum Trotz. Der fünfte im Bunde – Eric Vater (27) – ist inzwischen ausgestiegen. Das Lehramtsstaatsexamen lässt ihm keine Zeit mehr. Das Album erscheint morgen – am 22. Januar.

Zehn Songs haben sie aufgenommen – deutsche Texte, Indie-Rock mit Reggae-Elementen, ein bisschen Pop und Funk und sogar eine Prise Swing. Crossover nennt man das heute. Die Musik hört und fühlt sich frisch an – kompromisslos, wie es nur eine Band sein kann, die nicht von Plattenfirmen und Managern in eine Richtung gepresst wird.

„In unserem Proberaum, damals in einem miefigen Keller eines charmanten Restaurants in der Marburger Oberstadt, haben wir die Songs geschrieben. Direkt danach sind wir ins Studio gehüpft und haben jene zehn Songs ins Mischpult gehauen, die uns am Herzen liegen, die wir mega finden oder einfach beides“, erklärt das Quartett. „Eins war uns vor allem wichtig: Die Songs sollten so klingen, wie wir sie auch live spielen; sie sollten ehrlich sein und Spaß machen, sowohl uns als auch den Menschen, die sie hören. Sie sollten die Energie übertragen, die wir im miefigen Keller gespürt haben, als diese Songs entstanden sind.“

Das tun sie. Der Album-Einstieg mit „Bidde Bidde“ ist großartig. Der sehr tanzbare Song hat Ohrwurmqualitäten und macht einfach Spaß. Nicht alle Songs können dieses Niveau halten, aber welche Band schafft das schon. Dennoch – nach den zehn Songs mit Titeln wie „Allein hier“, „Schon wieder zu spät“ oder „Die einen sterben hinter Mauern, kriegen nichts als Bedauern und Geldstrafen (Hilfe Hilfe)“ möchte man „Einsneunzig“ zurufen: „Gar nicht mal so schlecht“ – so heißt übrigens einer ihrer Songs.

Die Musiker sind alle in Marburg verortet. Leadgitarrist Jannick Hach studiert Musik und Förderschullehramt in Gießen und spielt auch bei der VFL Big Band Marburg. Bassist Moritz Weygand studiert Kunst, Musik und Medien in Marburg. Schlagzeuger Dimitri Frenkel studiert Jazz-Drums am Dr. Hoch’s Konservatorium in Frankfurt und spielt ebenfalls bei der Bigband des VFL Marburg. Einzig den Sänger und Gitarristen Tim Czerny, dessen rauchige Stimme in tieferen Lagen manchmal ein wenig an die von Henning May von „AnnenMayKantereit“ erinnert, hat es inzwischen nach Berlin verschlagen, wo er in den Zen Studios als Assistent arbeitet.

Im Studio war die Band im Sommer 2019. Ihre Songs nahmen sie in der „Tonbox“ in Marburg, bei „Marburg Records“ und im „Creaton Studio“ in Lollar auf.

Das Abmischen und die Postproduktion nahm dann viel Zeit in Anspruch, wie Jannick Hach erklärt. Sogenannte Add Ons wie Background-Stimmen, Synthesizer und Akustikgitarren nahmen die Musiker meist zu Hause auf, dann ging es Anfang 2020 wieder ins Studio. Und dann kam Corona. Keine CD-Release-Party. „Wir hoffen, mit der CD eine größere Fangemeinde zu erreichen und wenn es wieder Live-Konzerte gibt, richtig loszulegen.“ Und dann können sie vielleicht durchstarten auf der „Überholspur im Einsneunzig-Futurecar“.

Einen Gig haben sie schon: Ende Mai sind sie bei einem Festival in Tirol gebucht. Ob es stattfindet, hängt von Corona ab. Sicher ist: Grenzen setzen wollen sie sich nicht, schon gar nicht nach der monatelangen Arbeit an ihrem Debüt-Album.

Die CD „ausgeschrieben“ gibt es bei Spotify, Amazon Prime Music und itunes. Wer eine physische CD kaufen will, kann sie per E-Mail an einsneunzig.band@gmail.com bestellen.

Von Uwe Badouin

22.01.2021
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