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Marburg Haareschneiden im Akkord
Marburg Haareschneiden im Akkord
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15:00 06.05.2020
Endlich wieder zum Friseur! Alexandra Franke färbt im Friseursalon Exner in der Wilhelmstraße Carola Seedorf die Haare.  Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Im Friseursalon Exner in der Wilhelmstraße schnitten Ladenchef Kai Mudersbach und seine Mitarbeiter ab 8 Uhr morgens gewissermaßen im Akkord die Haare. „Wir hatten schon 37 Kunden. Es klappt alles sehr gut“, sagte Mudersbach gegen 12 Uhr mittags. Und bei einigen von ihnen fiel deutlich mehr der Friseurschere zum Opfer als in Vor-Corona-Zeiten, in denen es keine Zwangspausen für einen Friseurbesuch gegeben hatte.

Vor allem bei den Stammkunden gab es anscheinend einen großen Nachholbedarf in Sachen Friseurbesuch. Jedenfalls bildeten sich vor dem Laden lange Schlangen, und es gab schon dort die Chance auf einen Plausch unter den Kunden, bevor sie dann Einlass bekamen. „Man muss ein bisschen Geduld mitbringen“, sagte ein Kunde der OP.

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Einer von denen, die dann auf dem Friseurstuhl Platz nahmen, war Werner Ullrich, bei dem die augenscheinlich lange Haarpracht deutlich gestutzt wurde. Rund zehn Wochen sei er jetzt nicht mehr beim Friseur gewesen, verriet er der OP. „Sie sehen, wie ich aussehe“, meinte er scherzend. Friseur Kai Mudersbach tat wie die Mitarbeiter auch sein Möglichstes, um alle Kunden bei Laune zu halten. Trotz der deutlich verschärften Hygieneregeln blieb immer noch Zeit für einen Plausch, und es herrschte eine lockere Stimmung im Laden. 

Denn auch die Friseure sind sehr froh, dass sie wieder Kundschaft haben. Dabei ist für die Friseure natürlich die Maskenpflicht essentiell, und das über einen langen Zeitraum. „Ich habe alle zwei Stunden meine Maske ausgewechselt“, sagt Kai Mudersbach, der die etwas angenehmer zu tragende Papiermaske bei der Arbeit bevorzugt.

Dass eine ganze Reihe völlig neuer Regeln vor der Öffnung des Friseursalons zu beobachten sind und bisher ungewohnte Utensilien zum Einsatz kommen, erläutert Birgit Gehrmann, Chefin des Friseurladens Gehrmann in der Frauenbergstraße. Am ersten Tag lief das Geschäft bei ihr nur auf Terminbasis, so dass sich vor dem Geschäft auch keine Schlangen bildeten.

Ein bisschen sieht es wie auf einem Maskenball auf, als Birgit Gehrmann bei ihrer Kundin Doris Husslein die Haare wäscht. Denn nicht nur die Friseurin trägt einen Mundschutz, sondern auch die Kundin. Für den Kundenkomfort hat sich Gehrmann etwas Besonderes ausgedacht, eine Maske, die an einem langen verzweigten Stab gehalten wird und nach der im Internet vorgestellten Idee eines Friseurs angefertigt wurde. 

Doris Husslein hat sich über die Öffnung des Friseurgeschäftss sehr gefreut und deswegen gleich am ersten Tag einen Termin ausgemacht. „Meine Haare waren zu lang, ich war 12 Wochen lang nicht beim Friseur“, sagt sie im Gespräch mit der OP. Neben dem Haareschneiden und Haare Färben freut sie sich aber auch über die Möglichkeit zum Gespräch.

„Es ist schön, dass wir wieder arbeiten dürfen. Es ist anstrengend, unter der Masken zu arbeiten. Aber wir kriegen das hin“, verrät derweil Friseurin Birgit Gehrmann im Telefongespräch mit einer Kundin, die einen Termin ausmachen will.

Und Gehrmann spricht wohl stellvertretend für eine ganz Branche, wie auch Kreishandwerksmeister Rolph Limbacher, selbst Inhaber der „Domino“-Friseurshops meint. „Alle sind froh, dass es wieder losgeht“, sagt Limbacher. „Wir hatten alle sechs Wochen lang keine Einnahmen. Unsere Umsätze sind ähnlich wie in der Gastronomie weggebrochen“, sagt er. Zwar habe es teilweise Lieferprobleme bei den neuen Utensilien wie Einmal-Umhängen oder Spuckschutz gegeben. Und auch der Umgang von Kunden und Mitarbeitern mit den Masken müsse sich einspielen. „Aber ich glaube, dass wir uns daran noch bis mindestens Ende des Jahres daran gewöhnen müssen“, sagt Limbacher.

von Manfred Hitzeroth

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