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Marburg Gutenbergstraße wird Großbaustelle
Marburg Gutenbergstraße wird Großbaustelle
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19:51 21.02.2020
Bald dicht – sowohl die Fahrspur ins Südviertel als auch die maroden unter dem Asphalt liegenden Rohre: die Gutenbergstraße. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Die Gutenbergstraße wird während der Bauarbeiten zwischen „Marburg Mall“ und Schulstraße für den Auto- und Radverkehr gesperrt, nur Fußgänger kommen noch durch. Autos, die in den oberen Teil des Südviertels, etwa ins Ahrens-Parkhaus wollen, müssen über Bismarckstraße und Wilhelmstraße fahren. Dafür wird die Wilhelmstraße bis Höhe Staatsarchiv ein halbes Jahr lang zweispurig sein, eine Spur für den Ein-, eine Spur für den Ausfahr-Verkehr. Um den Platz zu schaffen, fallen auf einer Seite alle Parkplätze weg, für Anwohner-Autos werde es nahe der Nachbarstraßen Ausweichraum geben. Das teilte die Stadtverwaltung auf OP-Anfrage mit.

Kurz hinter dem Ahrens-Parkhaus ist demnach keine Weiterfahrt möglich, eine Einfahrt in die Schulstraße und zur „Marburg Mall“ sei nur über „Am Grün“ möglich. Zumindest in der ersten Bauphase bis wohl nach den Sommerferien (August). Danach wird die Kreuzung von Wilhelm- zu Schulstraße freigemacht und auch die untere Gutenbergstraße entgegen der jetzigen Fahrtrichtung befahrbar sein. Für Fußgänger ändere sich in der ganzen Zeit – der  allerspäteste Öffnungstermin für die Gutenbergstraße liegt laut Magistrat vor Beginn von „Marburg b(u)y Night“ Ende November – nichts, Radfahrer müssten rund um die Baugrube absteigen. Die Universitätsstraße wird im Mall-Bereich verengt, um Platz für Baufahrzeuge zu haben.

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„Latente Gefahr“ von Rohrbrüchen in der Straße

Die Straßenverkehrsbehörde fürchtet wegen der Umleitung und dem grundsätzlichen Verkehrsaufkommen – die Universitätsstraße zählt täglich rund 14.500 Fahrzeuge – vorübergehende Staus auf der Universitäts- und der Bismarckstraße. „Da kann es phasenweise kitzelig werden“, sagt Harald Schröder, Behördenleiter. Man habe mehrere Varianten geprüft, aber die für den Verkehr beste und auch für Südviertel-Bewohner noch schonenste sei die gewählte Umleitung. „Eng und einschränkend bleibt es so oder so.“ 

Der Grund für die Großbaustelle: Die unterirdischen Versorgungsleitungen sind nach Stadtwerke-Angaben jahrzehntealt, der Kanal hat bei Starkregen Probleme die Wassermassen aufzunehmen. Repariere man das nicht oder nur Teile, warte man noch länger, riskiere man mitten in der Stadt noch mehr Rohrbrüche – denn diese habe es im unteren Teil der Gutenbergstraße – dem Bereich zwischen Optiker und dem Uni-Fachbereich Psychologie – bereits mehrfach gegeben, heißt es von den Stadtwerken.

Noch ist unklar, ob der Zeitplan gehalten werden kann

Da im oberen Bereich eine mindestens genauso große „latente Gefahr“ herrsche, sollen so dann die fast 50 Jahre alten Gasleitungen, die undicht zu werden drohen, ebenso ausgetauscht werden wie die bis zu 70 Jahre alten Abwasser- und Wasserleitungen in zehn Metern Tiefe. „Je länger wir warten – und wir warten jetzt schon recht lange – desto höher das Risiko ungeplanter Schäden“, sagt Thomas Engelbach vom Bauamt.

Und wenn man die Innenstadtstraße schon aufbaggere, werde danach die Straße samt Gehweg komplett erneuert – und der Fußweg optisch dann so aussehen wie der auf Mall-Seite, sagt Engelmach und erteilt dem anderswo in der Stadt verlegten indischen Sandstein eine Absage. 

Noch ist unklar, ob der Zeitplan gehalten werden kann. Grund: Die Suche nach einer Baufirma läuft noch. Sollte der Mai als Arbeitsbeginn nicht gehalten werden können, so Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU), werde man das Projekt ins nächste Jahr schieben, um das Weihnachtsgeschäft der Einzelhändler nicht zu gefährden. Das hätte wiederum zur Folge, dass sich der untere Teil der Gutenbergstraße – der eigentlich in 2021 entsprechend saniert werden soll – verzögert. In das 800. Stadtjubiläums-Jahr 2022 hinein? In dem Jahr soll es laut Planungen eigentlich keine Innenstadt-Baustelle geben.

von Björn Wisker

Hintergrund

Die ursprünglichen Pläne der Stadt sahen vor, die Gutenbergstraße zeitgleich zum Bau der „Marburg Mall“ zu sanieren. Das Vorhaben verwarf man seitens der Verwaltung und der Stadtwerke aber, weil der Platz für alle Bau-Fahrzeuge und das Material zu gering gewesen sei. Als „logistisch kaum zu bewerkstelligen“ bezeichnete es Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU).

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