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Marburg Gute Zeiten für Schnäppchenjäger
Marburg Gute Zeiten für Schnäppchenjäger
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09:00 11.03.2021
Shopping in der Oberstadt nach dem Lockdown: Monika Schlick (rechts) von Bonita in der Wettergasse berät eine Kundin.
Shopping in der Oberstadt nach dem Lockdown: Monika Schlick (rechts) von Bonita in der Wettergasse berät eine Kundin. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Endlich wieder Shoppen gehen: Doch wie funktioniert’s? Ausprobieren! Monatelang habe ich darauf gewartet, einen Laden in der Marburger Oberstadt zu betreten, mich beraten zu lassen und am Ende mit einem guten Gefühl nach Hause zu fahren. Das Einkaufsgefühl ist aber längst nicht mehr so unbeschwert wie im Lockdown light. Einen Laden darf nur betreten, wer einen Termin hat – oder geht es vielleicht auch ohne?

Terminvergabe hemmtdas Einkaufsverhalten

Ich habe zwar keine Termine in den Geschäften vereinbart, aber eine Idee davon, dass ich meinen Kleiderschrank mit neuen Klamotten bestücken will. Das Wichtigste habe ich dabei: Lust auf’s Einkaufen. Dann geht’s los. Vermisst habe ich sie, die schmucken Fachwerkfassaden, das Kopfsteinpflaster und die steilen Treppen zur Oberstadt. Seit dem harten Lockdown zwischen den Jahren war ich nicht mehr dort. Obwohl das Shoppen über „Click & Collect“ möglich war, also die Bestellung im Internet oder telefonisch und das Abholen der Ware beim Händler. Ich wollte lieber warten und das richtige Einkaufsgefühl genießen und in den Läden nach Herzenslust nach schönen Dingen stöbern. Dieses hat in der Pandemie einen neuen Namen: „Click & Meet“. Über das Internet oder telefonisch wird mit dem Händler ein Termin vereinbart zum Privat-Shopping. Genau das ist für Nicole Jungfer-Kuhl, Inhaberin von Living and Home, aber ein Hemmschuh für die Kunden und keine Bereicherung für die Läden. Deshalb hat sie – wie andere Geschäftsleute in der Oberstadt auch – aus der Not eine Tugend gemacht. Zusätzlich zu der Terminvereinbarung bietet sie Sofort-Termine an, sofern es möglich ist. Ob das ausreicht, damit die Läden überleben, obwohl die Laufkundschaft fehlt und die Umsätze wegbrechen, weiß sie natürlich auch nicht.

Einige Läden haben unter den bestehenden Bedingungen erst gar nicht geöffnet: kleine Geschäfte ebenso wie der Outlet-Store TK Maxx. Schlechte Zeiten für Schnäppchenjäger! „Stimmt nicht“, sagt Monika Schlick (Bonita). Die Ware in ihrem Laden ist reduziert. Bis zu 70 Prozent gibt es auf Winterware und die Ware der Vorsaison. Und „das Geschäft läuft gut“, sagt sie.

Reduzierte Winterware gibt es auch in der Filiale von Only. Dort konnte ich im Laden nach Lust und Laune stöbern, ganz ohne Termin. Ich musste allerdings meine Kontaktdaten angeben und die Uhrzeit, in der ich im Laden war, wurde notiert. Nur 30 Minuten Shoppingzeit ist erlaubt beim Filialisten H&M. Dort stand bereits eine lange Schlange vor dem Eingang. Ich rief trotzdem in der Filiale an und fragte nach einem freien Termin – am besten sofort. Ich könne als „Laufkundschaft“ rein, müsse mich aber in der Schlange einreihen. Keine gute Aussicht, also weiter auf meiner Shoppingtour.

Den Läden in der Oberstadt fehlt die Laufkundschaft

Mein nächstes Ziel war das Kaufhaus Ahrens. Freien Zutritt ohne Termin haben aber nur Kunden des Buchladens. Für die Kinderkiste ein besonderes Glück: „Wir sind ein Spielwaren- und ein Buchladen“, sagt Geschäftsführerin Gaby Ahlborn. Im Laden ist eine Kundin, ich gehe als zweite hinein, acht weitere dürften noch kommen. Die Kunden freuen sich, dass sie das Erlebnis des Einkaufens endlich wieder genießen können. Zurzeit biete die Oberstadt allerdings ein trauriges Bild, möglicherweise müssten Geschäfte oder auch Gastronomiebetriebe schließen – und das, obwohl sie Hygienekonzepte umgesetzt hätten. Eine traurige Situation, findet auch Nicole Jungfer-Kuhl.

Am Ende meiner Einkaufstour bin ich zwar in vielen Läden gewesen, aber die zurzeit geltenden Beschränkungen behindern die Spontaneität und das gute Gefühl beim Shoppen. Diesmal habe ich auch nichts gekauft, aber ich gehe wieder in die Oberstadt zum Einkaufen – ganz sicher.

Gericht kippt Vorschrift

Das Oberverwaltungsgericht des Saarlandes hat eine wesentliche Vorschrift zur Beschränkung des Einzelhandels am Mittwoch vorläufig außer Vollzug gesetzt. Dabei geht es um die Pflicht zur Terminbuchung und die Beschränkung auf einen Kunden pro 40 Quadratmeter, die derzeit in zahlreichen Geschäften gilt: Sie sei eine Ungleichbehandlung gegenüber „privilegierten Geschäftslokalen“ wie Buchhandlungen und Blumenläden, in denen eine Person pro 15 Quadratmeter als „infektionsschutzrechtlich unbedenklich“ angesehen werde (Az. 2 B 58/21). Blumenläden und Buchhandlungen dürfen nämlich seit Montag einen Kunden pro 15 Quadratmeter empfangen.

Von Silke Pfeifer-Sternke

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