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Marburg Gute Vorsätze für 2022
Marburg Gute Vorsätze für 2022
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08:00 31.12.2021
Timo Gercke aus Hannover stand mit seiner „mobilen“ Hantelbank auf dem Parkplatz am Georg-Gaßmann-Stadion und trainierte. Mehr Sport machen ist oft einer der guten Vorsätze.
Timo Gercke aus Hannover stand mit seiner „mobilen“ Hantelbank auf dem Parkplatz am Georg-Gaßmann-Stadion und trainierte. Mehr Sport machen ist oft einer der guten Vorsätze. Quelle: Thorsten Richter
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Hamburg/Marburg

Mehr Zeit für Familie und Freunde und weniger Stress – das sind laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit die beliebtesten Vorsätze für das neue Jahr. Die Umsetzung der guten Vorsätze gelingt allerdings häufig nicht. „Seine Vorlieben und Verhaltensweisen zu ändern ist meistens schwerer als gedacht“, resümierte der Wissenschaftliche Leiter der BAT-Stiftung, Professor Ulrich Reinhardt. Sein Rat lautet: „Am erfolgreichsten sind in der Regel diejenigen, die Ziele gemeinsam mit anderen angehen, sich vorher Alternativen zum eingefahrenen Verhaltensmuster überlegen und sich nicht zu viel vornehmen.“

Gina (Schlagersängerin aus Österreich und inoffizielle Ehrenbürgerin von Wohratal: „Ich komme nicht als Künstlerin oder als Gast aus Österreich zum fünften Festival gegen Krebs nach Marburg, sondern als Wohratalerin und Botschafterin. Wir Menschen müssen wieder mehr zusammenhalten und zeigen, dass wir eine Gemeinschaft sind.“

Privatdozent  Dr. Johannes M. Becker (Politikwissenschaftler, Friedens- und Konfliktforscher, Mitglied der Bürgerinitiative Verkehrswende): „Ruhe walten lassen und – wie Brecht sagt – ‚freundlich sein’. Und damit mich dem Unrecht auf der Erde weiterhin entgegenzustellen versuchen.“

Der ehemalige Marburger Oberbürgermeister Egon Vaupel sagt: „Ich setze mir keine Neujahrsziele mehr. In der Zeit, wo ich mir Ziele gesetzt habe, ob es abnehmen war oder aufhören zu rauchen, hat das nie auf Dauer funktioniert. Seit ich mir keine Neujahrsvorsätze mehr mache, sondern die Ziele beibehalte, für die ich stehe, klappt das ganz gut.“

Helmar „Willi“ Weitzel, Fernsehstar, der aus Stadtallendorf stammt: „Ich habe gemerkt, dass mich die Probleme und Sorgen unserer Gesellschaft und unseres Planeten in den letzten Zeiten viel zu ernst gemacht haben. Und jetzt werde ich 2022 auch noch 50. Gerade deswegen ist das neue Jahr der beste Anlass, mein wildes inneres Kind viel öfter von der Leine zu lassen und wieder alberner, lustiger und fröhlicher zu werden und daraus Kraft und Kreativität zu schöpfen.“

Rachel Arthur, Basketballspielerin des BC Pharmaserv Marburg: „Mein Neujahrsvorsatz ist, dass ich mehr Deutsch spreche und die Sprache lerne. Ich spiele schon viel zu lange in Deutschland, um es nicht fließend zu sprechen.“ (lacht)

Einen Neujahrsvorsatz hat Frank Steibli, Sprecher des UKGM, nicht direkt – aber Neujahrswünsche vor allem im Blick auf die pandemische Lage: „Generationen vor uns haben erfolgreich bewiesen, dass Menschen sich durch Impfungen vor gefährlichen Viren und Krankheiten schützen können. Diese Verantwortung, Solidarität und Gelassenheit unserer Eltern und Großeltern wünsche ich mir für 2022.“

Pfarrer Marcus Vogler aus Amöneburg bindet gute Vorsätze nicht an den Jahreswechsel. „Aber ich versuche, jeden Tag einen guten Tag werden zu lassen, das ist mein ständiger Vorsatz“, sagt Vogler. Er ist ab dem 1. Januar der leitende Pfarrer der neuen Pfarrei St. Bonifatius Amöneburger Land. Sein guter Vorsatz sei für ihn inzwischen zum Lebensmotto geworden.

Unternehmer Peter Lather, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Marburg, sagt: „Der Mensch plant – und das Schicksal kippt vor Lachen vom Stuhl.“ Das Credo laute, vor allem im Unternehmerischen, zu schauen, was kommt, „um dann genau hinzuschauen, zuzuhören und über eine gute Kommunikation gemeinsame Entscheidungen voranzutreiben“. Dazu gehöre es, „auch die Position des Gegenübers einzunehmen und die Situation aus seinen Augen heraus zu betrachten – dann bekommt man mehr Verständnis für die Dinge und ist bereit, gemeinsam an neuen Zielen zu arbeiten“, sagt Lather. Das gelte für die gesamte Gesellschaft.

Es ist nicht direkt ein Vorsatz, aber ein persönliches Ziel, das Fußballer Kevin Vidakovics aus Breidenbach formuliert: „Ich will gesund bleiben, ich will wieder in die Nähe meiner alten Leistungsfähigkeit kommen.“ Der 31-Jährige hatte in der Vergangenheit mehrfach mit schweren Verletzungen zu kämpfen, die Saison 2020/2021 verpasste er aufgrund eines Kreuzbandrisses beinahe komplett.

Volker Breustedt, Leiter der Marburger Agentur für Arbeit, stellt die eigenen Wünsche für das neue Jahr zurück – „ich habe mir vorgenommen, auch im kommenden Jahr für die größtmögliche Sicherheit meiner Kolleginnen und Kollegen zu sorgen“. Um dieses Ziel zu erreichen, sei es wichtig, einen möglichst vollständigen Impfschutz zu erreichen – „und wir müssen weiter auf die größtmögliche Homeoffice-Lösung setzen“.

Kreishandwerksmeister Hartmut Pfeiffer aus Emsdorf hat für sich selbst nicht das Ziel, „großartig etwas zu ändern“. Doch wünscht er sich für die Zukunft – nicht nur für die Handwerksbetriebe – eine „Perestroika der Bürokratie, um Menschen, die sich für einen Beruf abseits des Schreibtischs entschieden haben, nicht mit Dokumentationspflichten zu erdrücken, die vom Wesentlichen – etwa dem Produktionsprozess – abhalten“. Sein zweiter Wunsch wäre der „nach mehr Respekt und Wertschätzung für unsere Facharbeiter“.

Michael Pfeffer, Ortsvorsteher des Weimarer Ortsteils Roth, hofft, dass „wir im nächsten Jahr die Pandemie hinter uns lassen können und alle, die uns lieb und teuer sind, gesund bleiben“. Darüber hinaus freut er sich als Ortsvorsteher, dass der Bau des neuen Kindergartens begonnen hat.

„Es ist wichtig, dass wir das Gebäude bald seiner Bestimmung übergeben können“, so Pfeffer. Des Weiteren wünscht er sich, dass es in Sachen Hochwasserschutz für den Ort weitergeht. „Es wird Zeit, dass die nächsten Schritte angegangen werden, um auch hier in eine Umsetzung zu kommen.“

Jens Seipp, CDU-Fraktionsvorsitzender in Marburg und Bürgermeisterkandidat für Amöneburg: „Ich habe mir vorgenommen, in vielerlei Hinsicht manche Dinge gelassener zu sehen. Ich lasse viele Sachen zu nah an mich rankommen, die es nicht wert sind. Das tut mir nicht gut.“

Von unseren Redakteuren

Pro

Silke Pfeifer-Sternke: Sich jedes Jahr aufs Neue gute Vorsätze zu überlegen, ist essenziell. Denn: Nur wer sich Ziele steckt, kann diese auch erreichen. Der innere Schweinehund, der uns immer wieder im Weg steht, ist schwer zu überlisten. Deshalb ist es umso wichtiger, sich kleine Ziele zu setzen. Es geht schließlich darum, sich von alten Gewohnheiten zu verabschieden – Gewohnheiten, die einem nicht unbedingt gut tun, und doch hält man an ihnen fest.

Wenn wir uns aber Ziele stecken und diese dann auch erreichen, gibt uns das einen entscheidenden Motivationsschub, der helfen kann, wichtige Hürden – auch in anderen Lebensbereichen – zu überwinden. Nicht jeder gute Vorsatz kann in die Tat umgesetzt werden, aber: Allein die Tatsache, dass uns bewusst ist, dass wir an unserem Verhalten etwas ändern wollen, ist ein wichtiger Eckpfeiler, um den richtigen Weg einzuschlagen. Wenn man schon auf dem Weg ist, alte Gewohnheiten abzulegen, kann man sich Verbündete suchen, dann geht es gleich leichter. 

Contra

Tobias Kunz: Alle Jahre wieder dasselbe Spiel: Kurz vor dem Jahresende wird uns bewusst, was alles gut oder schlecht in unserem Leben läuft. Zwischen den Jahren haben wir die Zeit, zu überlegen, was besser sein könnte und wie wir sein wollen. Schnell werden deshalb Entschlüsse geschafft: Nächstes Jahr wird alles anders! Egal ob der Wunsch nach einer gesünderen Ernährung, mehr Sport oder mehr Zeit für sich selbst: Besonders nachhaltig sind diese kurzfristigen Vorsätze selten.

Und meistens überleben sie nicht mal den Januar. Dabei kann man zu jeder Zeit sein Leben reflektieren und sein Verhalten ändern. Dafür braucht es nicht den Jahreswechsel. Und eine wohlüberlegte, ausgereifte Entscheidung führt eher zum Erfolg. Wenn Sie der Meinung sind, etwas ändern zu müssen, dann machen Sie es! Aber unabhängig davon, ob ein neues Jahr ansteht oder nicht. Andernfalls belügen Sie sich nur selbst.