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Marburg Unternehmen leben die Integration
Marburg Unternehmen leben die Integration
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18:00 16.09.2020
Nadine Sisamci, Inhaberin des Friseursalons „haaribo“, erhielt den Preis in der Kategorie „kleine Organisationen“ aus den Händen von Marian Zachow (rechts) und Dr. Thomas Spies. Quelle: Freya Altmüller / Stadt Marburg
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Marburg

Zahlreiche Unternehmen haben sich um das neue Gütesiegel „Interkulturelle Vielfalt leben“ beworben – nun haben der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow und Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies das Siegel an 13 Organisationen verliehen, die sich in der Region für interkulturelle Vielfalt einsetzen.

Das neue Siegel verdeutliche, wie kulturelle Vielfalt in ausgezeichneter Weise zum Erfolg von Betrieben und Organisationen führe. „Ob Integration gelingt, entscheidet sich nicht in Berlin, sondern hier vor Ort“, sagte OB Spies mit Blick auf politische Rahmenbedingungen zur Zuwanderung. Das Gütesiegel solle durch eine Vernetzung der Organisationen auch dazu beitragen, Synergien zu schaffen. „Wir möchten gemeinsam eine wirkungsvolle strategische Allianz in Stadt und Landkreis entstehen lassen, die in die gesamte Region strahlt.“

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Für Marian Zachow steht in Bezug auf die Unternehmen fest: „Sie haben einen Vorteil gegenüber Ihren Mitbewerbern: Sie sind besser aufgestellt im Ringen um Fachkräfte“. Es gehe auch darum, erneut auf eine Herausforderung aufmerksam zu machen und darüber eine Diskussion in Gang zu bringen.

Unternehmen sind „strahlende Sterne“

Marburgs Integrationsbeauftragte Xiaotian Tang sagte zu den Preisträgern: „Sie werden mit Sternen ausgezeichnet, aber Sie sind die strahlenden Sterne, die Orientierung geben.“

Das Siegel erhielten die Agentur für Arbeit Marburg, die C+P Bildung GmbH, die CSL Behring GmbH, die DRK Schwesternschaft Marburg, ERDAR Consulting – IT Center Biedenkopf, der Friseursalon „haaribo“ Marburg, die Hausengel Holding AG, die GSK Vaccines GmbH, der Magistrat der Universitätsstadt Marburg, die Sparkasse Marburg-Biedenkopf, die Stadtwerke Marburg GmbH, das Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH und die Zahnarztpraxis Al Hamoud.

Unterschiedliche Konzepte führen zum Ziel

Bewertet wurden sechs Module. Dabei ging es darum, wie Arbeitgeber das Ankommen in der Organisation unterstützen, wie sie Fähigkeiten der Mitarbeiter stärken und entwickeln sowie die faire und solidarische Zusammenarbeit gestalten. Bewertet wurde auch, wie das Unternehmen Vielfalt als Chance sieht und nutzt, wie freiwilliges Engagement regional vernetzt wird und wie das Unternehmen für eine regional vernetzte Inklusionskultur in Führung geht.

Dabei gab es ganz unterschiedliche Konzepte: etwa Kampagnen für Vielfalt, Rücksichtnahme auf religiöse Feiertage und Essgewohnheiten, eine Einarbeitung in der Muttersprache, Broschüren für Mitarbeiter in anderen Sprachen oder Mentoring-Programme.

Für die besten Ergebnisse gab es Preise: Den Preis in der Kategorie „große und mittlere Organisationen“ erhielt CSL Behring für zahlreiche interkulturelle Schulungsmöglichkeiten und das Programm zur Integration geflüchteter Menschen. Geschäftsführer und Standortleiter Michael Schröder sagte: „Das Gütesiegel macht auf Herausforderungen aufmerksam, zeigt aber auch Lösungen: Wege, wie wir es schaffen, Geflüchtete in die Unternehmenskultur zu integrieren.“

Nicht nur die Großen können gewinnen

In der Kategorie „kleine Organisationen“ gewann der Friseursalon „haaribo“, der besonders durch das vielseitig vernetzte gesellschaftliche Engagement der Inhaberin Nadine Sisamci überzeugte. Auch setzt der Salon bewusst die interkulturellen Kompetenzen und Fähigkeiten der Mitarbeiter ein. Sisamci erläuterte: „Bei uns steht der Mensch im Vordergrund, nicht Herkunft oder Nationalität.“ Ein besonderes Anliegen sei es ihr, junge Frauen bei der Verwirklichung ihrer Träume zu unterstützen.

Vergeben wird das Gütesiegel zusammen mit Sternen. Sechs Organisationen erreichten im ersten Anlauf bereits drei Sterne. Alle Betriebe haben die Möglichkeit, in den nächsten Jahren weitere Sterne zu erhalten. Für einen intensiven Austausch über Lösungen mit Vorbildcharakter und zur Vernetzung gibt es in den nächsten sechs Jahren jährlich einen Workshop. Der diesjährige Workshop wird am 3. Dezember mit dem Schwerpunkt „Übergang und Ankommen unterstützen“ stattfinden.

Das Siegel ist für zwei Jahre gültig. Bewerben können sich Betriebe allerdings bereits wieder zwischen Februar und April 2021, da die Auszeichnung jährlich verliehen wird.