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Marburg Stadt bereitet sich auf Ganztagsbetreuung vor
Marburg Stadt bereitet sich auf Ganztagsbetreuung vor
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12:00 11.10.2021
Ab dem Schuljahr 2025/26 müssen Kinder auch zumindest in einem Teil der Sommerferien betreut werden.
Ab dem Schuljahr 2025/26 müssen Kinder auch zumindest in einem Teil der Sommerferien betreut werden. Quelle: dpa
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Marburg

Ab 2025/26 gibt es für jedes Kind im Grundschulalter einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsschulplatz. Schuldezernentin Kirsten Dinnebier (SPD) bewertet die Ausgangslage dafür als „durchaus solide“. In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken-Abgeordneten Renate Bastian sagte Dinnebier, aktuell seien etwa 1 400 Kinder an den 13 städtischen Grundschulen in Marburg für eine Betreuung bis 15 oder 17 Uhr oder ein Ganztagsangebot angemeldet. „Damit nutzen schon heute durchschnittlich knapp 72 Prozent aller Grundschülerinnen und Grundschüler ein Angebot, das über den Schulvormittag hinausgeht“, sagte Dinnebier. Jedoch würden damit nicht immer acht Stunden am Tag abgedeckt, wie es der Rechtsanspruch vorsieht. Das Betreuungsangebot richte sich heute im Umfang nach dem Bedarf der Familien, und für etwa die Hälfte der Familien ist eine Betreuung bis 15 Uhr – also sieben Stunden am Tag – ausreichend.

Eine Ausweitung der Betreuungs- und Ganztagsangebote an den Marburger Grundschulen erfolgte in den letzten Jahren wie auch zukünftig „bedarfsorientiert und unter Einbezug der prognostizierten Schülerzahlentwicklung“. Eine Neuerung, die wohl wichtiger ist: Das Gesetz sieht lediglich eine Schließzeit von vier Wochen pro Jahr vor. Konsequenz: Damit muss auch an Brückentagen und in den Schulferien eine Betreuung von täglich acht Stunden bereitgestellt werden. Bislang gibt es laut Dinnebier lediglich an einem Grundschulstandort ein Angebot, das diesen Anforderungen entspricht.

Drei Grundschulen im „Pakt für den Nachmittag“

Zusätzlich sind zum Schuljahr 2021/22 drei Grundschulen in den „Pakt für den Nachmittag“ eingestiegen, der auch ein bedarfsgerechtes Ferienbetreuungsangebot umfasst. Zum Schuljahr 2022/23 folgen voraussichtlich noch einmal drei weitere Grundschulen, sodass die Stadt Marburg voraussichtlich zum Schuljahr 2022/23 an sieben von 13 Grundschulen Ferienbetreuung anbieten wird. „Neben den Ferienangeboten der Jugendförderung wird damit auch das Ferienbetreuungsangebot an Schulen sukzessive ausgebaut“, sagte Dinnebier.

Damit einher gehe auch, dass für die Grundschulbetreuung zur Erfüllung des Rechtsanspruchs in den kommenden Jahren mit deutlich mehr Personal gerechnet werden muss. „Der bereits jetzt bestehende Fachkräftemangel wird dies zu einer besonderen Herausforderung machen“, befürchtet Dinnebier. Das Thema Personalgewinnung und -bindung wird dadurch noch wichtiger werden.

Hinsichtlich der räumlichen Ausstattung finden Betreuungs- und Ganztagsangebote aktuell bereits Berücksichtigung bei der Planung und Umsetzung von Schulbaumaßnahmen, unter anderem im Rahmen des Bildungsbauprogramms BiBap, teilte die Dezernentin mit. „Das umfasst sowohl die Vorhaltung entsprechender Nutzflächen als auch die inhaltliche Berücksichtigung von Betreuung zum Beispiel in schulischen Raumnutzungskonzepten.“ Grundsätzlich unterstütze die Stadt Marburg die gemeinsame, ganztägige Nutzung von Räumen sowohl für Unterricht als auch zur Differenzierung, für Ganztagsangebote und zur Betreuung.

Von Till Conrad