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Marburg Grünes Licht für Impfstoffproduktion in Marburg
Marburg Grünes Licht für Impfstoffproduktion in Marburg
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13:14 16.01.2021
Das Biontech-Gebäude in der Marbach. Hier darf nun offiziell der Corona-Impfstoff produziert werden.
Das Biontech-Gebäude in der Marbach. Hier darf nun offiziell der Corona-Impfstoff produziert werden. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

 Schon einmal blickte die Welt nach Marburg in der Hoffnung auf ein heilbringendes Serum. Vor etwas mehr als 100 Jahren war es Emil von Behring, der mit seinen bahnbrechenden Entwicklungen die Universitätsstadt zum Hoffnungsträger im Kampf gegen Infektionskrankheiten machte. Mit seinen sogenannten Heilseren gegen Diphtherie und Tetanus wurde der erste Nobelpreisträger der Medizin zum Heilsbringer, der die  Universitätsstadt weltberühmt gemacht hat.   
Gewisse Parallelen zur aktuellen Situation sind also nicht von der Hand zu weisen.  Angesichts der noch knappen Impfstoffmengen und der riesigen Nachfrage ruhen auf dem kleinen Marburg große Hoffnungen, damit die Welt bald herauskommt aus der Corona-Pandemie. Seit gestern dürfte der Weg hoffentlich ein bisschen kürzer geworden sein. Denn das zuständige Regierungspräsidium (RP) Gießen hat die Produktion des SARS-CoV-2-Impfstoffs in der Produktionsanlage von Biontech in Marburg genehmigt.  

„Der Fortschritt beim Produktionsprozess in Marburg macht uns Mut und lässt uns zuversichtlich in die Zukunft blicken“, erklärte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) gestern in einer Mitteilung aus der Staatskanzlei.
Auch Umweltministerin Priska Hinz (Grüne), deren Ministerium das Genehmigungsverfahren verantwortet, freute sich über die „Rekordgeschwindigkeit“, mit der grünes Licht für die Marburger Produktionsstätte gegeben worden sei. „Mit Blick auf die aktuellen Infektionszahlen eine wichtige und hoffnungsvolle Nachricht“, betonte Hinz.
Das Mainzer Unternehmen Biontech hatte im September das Werk des Pharmariesen Novartis in der Marbach übernommen. Doch um dort einen Corona-Impfstoff herstellen zu dürfen, war für die Umbaumaßnahmen der bestehenden Anlage eine Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz erforderlich.

Anfang Dezember hatte das Unternehmen die Anträge für den Umbau und den Betrieb der Anlage gestellt. Das RP habe unter Hochdruck die Genehmigungsfähigkeit des Vorhabens geprüft, heißt es seitens der Staatskanzlei. Der entsprechende positive Bescheid sei dem Unternehmen gestern per Kurier zugestellt worden.
„Marburg ist ein idealer Pharma-Standort, zentral gelegen und mit langer Tradition“, sagte Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich und zeigte sich stolz, dass das „mit Hinblick auf die hohen Anforderungen der Arzneimittelherstellung sehr anspruchsvolle Genehmigungsverfahren“ so schnell erteilt werden konnte.

„Das ist wirklich eine frohe Botschaft“, freute sich auch Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD), der von der OP von der erteilten Genehmigung erfuhr. Spies zeigte sich erleichtert, dass nun die „Impfgeschwindigkeit zunehmen werde.“ Dass sich Biontech am Pharmastandort Marburg angesiedelt habe, sei zudem mit Hinblick auf die innovativen Methoden Biontechs eine „außerordentliche Chance“ auch über die Zeiten der Corona-Pandemie hinaus.  
Zwar sind mit der Genehmigung nun die Weichen für mehr Impfchargen gestellt, dennoch wird es mit dem Produktionsstart noch ein paar Wochen dauern. Denn die Produktionsanlage muss diversen Kontrollen unterzogen werden – auch Überwachungen nach dem Arzneimittelrecht stehen noch aus. Dafür ist hessenweit das RP Darmstadt zuständig.
Produktion soll wie geplant Ende Februar starten

Auf Nachfrage der OP bestätigte eine Biontech-Sprecherin, dass man wie geplant mit einem Produktionsbeginn Ende Februar rechne. „Die Umbaumaßnahmen liegen im Zeitplan“, so die Sprecherin.
Dem Unternehmen zufolge vergehen zwischen Herstellung und Freigabe des kontrollierten Vakzins dann üblicherweise etwa vier Wochen. Im ersten Halbjahr 2021 sollen in Marburg 250 Millionen Impfdosen hergestellt werden. „Wenn die Produktion voll hochgefahren ist, sollen monatlich 60 Millionen Impfdosen produziert werden“, so die Unternehmenssprecherin. Als Gesamtmenge einer Jahresproduktion strebt Biontech 750 Millionen Dosen an.
Rund 300 Mitarbeiter arbeiten am Standort, alle waren vorher bei Novartis beschäftigt. Man sei aktuell aber auch dabei weiteres Personal einzustellen, um auf lange Sicht die enorme Produktionsmenge sicherstellen zu können. Das Unternehmen sei auf der Suche nach Arbeitskräften aus den Bereichen Herstellungspersonal und Qualitätskontrolle, aber auch Logistiker und Laboranten würden noch benötigt. Wie viele Arbeitsplätze am Standort Marburg noch entstehen werden, ließ die Sprecherin offen

von Nadine Weigel