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Marburg Grüner Wehr: Gutachter fordern Neubau
Marburg Grüner Wehr: Gutachter fordern Neubau
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18:01 18.04.2018
Ein Experten-Gutachten kommt zu dem Schluss, dass das Grüner Wehr neu gebaut werden muss. Foto: Thorsten Richter
Ein Experten-Gutachten kommt zu dem Schluss, dass das Grüner Wehr neu gebaut werden muss. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Die „Prof. Dr.-Ing. W. Hartung + Partner Ingenieur­gesellschaft für Wasserbau mbH“ ist ein Ingenieurbüro, das sich vor allem mit Hydro­logie, Hoch­wasserschutz, Flussbau, Re­naturierung, Verkehrswasserbau und Wasserkraft beschäftigt. Das im Auftrag des Magistrats erstellte Gutachten über die Sanierung des „Grüner Wehr“ ist Grundlage der Planungen, die nach OP-Informationen im Sommer 2017 im Magistrat diskutiert worden sind.

Das Ingenieurbüro stellt zunächst fest, und das ist in der Diskussion unstrittig, dass die Aufstauung des Lahnwassers durch das „Grüner Wehr“ notwendig ist: Ein Absinken des Wasserspiegels würde dazu führen, dass auch der Grundwasserspiegel um bis zu zwei Meter sinken würde – mit der Folge, dass die Standsicherheit der Häuser „Am Grün“ wie möglicherweise auch der Weidenhäuser Brücke nicht mehr gewährleistet ist. „Sinkt der Grundwasserspiegel unter die Pfahlköpfe ab, so ist ein schneller Verfall des Holzes vorprogrammiert“, heißt es in dem Gutachten.

Fischtreppe vorgeschrieben

Mit der Sanierung ­stünde auch fest, dass das Wehr eine Fischtreppe bekommen wird: Denn das ist geltendes Recht.
In der EU-Wasserrahmenrichtlinie sind Aufstiegs­hilfen für Fische zwingend vorgeschrieben, wenn etwa ein Wehr grundhaft saniert wird.
Stark umstritten sind dagegen Plattform und Kanurutsche; nach den Äußerungen von Politikern vieler Parteien sind beide ursprünglich angedachten Zugaben bei einer Wehrerneuerung inzwischen so gut wie vom Tisch. Offizielle Sprachregelung bei Politikern der Magistratsparteien: Wenn das Wehr saniert werden muss, soll es wenigstens annähernd so aussehen wie vorher.

Das Gutachten von „Professor Hartung + Partner“ spricht von erheblichen Defiziten in der Standsicherheit des Wehrs. Die Experten diagnostizieren

  • tief ausgespülte Fugen zwischen den Deckwerksteinen im oberen Teil des Wehres und den Steinen in der Kronenausrundung. Dadurch komme es zu Vertiefungen, in das Wasser eindringt und zur Erosion des Wehrkörpers beiträgt
  • Die 73 Meter breite Wehrkrone hat aufgrund von Setzungen einen ungleichmäßigen Höhenverlauf an der Oberkante.
  • Unterhalb des Wehrkörpers befindet sich ein wasserdurchlässiges Kiesbett; die undurchlässige Felsschicht beginnt erst in etwa 10 Metern Tiefe. Dies führe zu einer deutlichen Unterströmung.
  • Erhebliche Zweifel ­melden die Ingenieure auch an der Funktionsfähigkeit der Stützwände an beiden Ufern an – beide hätten, so die Gutachter, wichtige Funktionen. Die Ufermauer auf der Seite der Ölmühle (am Grün) dient der Wasserführung; ein Versagen führe zur Überflutung der hinter dem Gebäude der Ölmühle liegenden Grundstücke. Die Stützmauer auf der anderen Lahnseite diene der Abfangung des Trojedamms.

„Aufgrund der komplexen Situation der vorhandenen Defizite kann nur ein Neubau in ­Betracht kommen“, gutachtet das Ingenieurbüro – was den von vielen befürchteten Abriss der heutigen Wehranlage wohl voraussetzt. Pläne, die nach OP-Informationen 2017 im Magistrat diskutiert wurden, sehen demnach einen „Rückbau“ des Wehrs und eine Erhöhung der Überlaufschwelle um gut einen Meter vor. Sie soll einen Stahlbetonkern erhalten. Die Schwelle soll durch Spundwände ­gegen Ober- und Unterwasser geschützt werden.

Am Donnerstag, 19. April (19.30 Uhr, Altenheim Auf der Weide), befasst sich der Ortsbeirat Weidenhausen mit einer Resolution gegen die Umbaupläne.

von Till Conrad