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Marburg Ortsbeirat fordert weitere Untersuchung
Marburg Ortsbeirat fordert weitere Untersuchung
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20:00 12.01.2022
Grüner Wehr in Marburg – seit langem ein Zankapfel in der Marburger Kommunalpolitik.
Grüner Wehr in Marburg – seit langem ein Zankapfel in der Marburger Kommunalpolitik. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Für den Ortsbeirat Weidenhausen besteht das Ziel, dass das Grüner Wehr – soweit möglich – denkmalgerecht instandgesetzt wird, da es ein historisch bedeutsames Bauwerk für den Ortsteil Weidenhausen und die Stadt Marburg ist. Das beschloss der Ortsbeirat in einer Stellungnahme am Montagabend (10. Januar), die zunächst an den Bau- und Planungsausschuss und dann an die Stadtverordnetenversammlung weitergeleitet wird.

Für die Entscheidung, ob das Grüner Wehr denkmalgerecht instandgesetzt oder erneuert werden soll, fehlen dem Gremium jedoch noch wichtige Informationen. Der Ortsbeirat spricht sich daher für eine zusätzliche Untersuchung aus, um diese Informationen zu erhalten und es möglich zu machen, eine „faktenbasierte“ Entscheidung zu treffen.

Die in der Dezembersitzung des Ortsbeirats breit diskutierte Vorlage der Bauverwaltung einschließlich ihres 92-seitigen Anhangs wurde am Montag scharf kritisiert. Die Vorwürfe reichten von „tendenziös“ über „unvollständig“ bis „unbrauchbar“.

Im Fokus der Kritik des Ortsbeirats stehen drei Punkte:

Die Kostenschätzung für beide Varianten: Das Bauamt habe nicht deutlich machen können, warum die Erneuerung deutlich billiger sein solle. Unterlagen seien nicht beigefügt. Zudem berichtete Ortsvorsteherin Gabriele Baumgart, die im Bauamt noch einmal Einsicht in weitere Akten genommen hatte, dass bei der Aufstellung für die Erneuerung „brutto“ und „netto“ verwechselt worden seien. Gemeinsam mit der Kostensteigerung seit dem Erstellen dieser Schätzung im Jahr 2014 sei davon auszugehen, dass die Erneuerung nicht unter 4,4 Millionen Euro zu haben sei und damit mindestens ebenso teuer werde wie die denkmalgerechte Sanierung, sagte Ortsbeiratsmitglied Tomas Schneider.

Ohnehin sei unklar, ob das Kriterium „Kosten“ für den Magistrat wichtiger sei als ein 800 Jahre altes Denkmal, das geschützt werden solle, sagte die stellvertretende Ortsvorsteherin Anja Volz. Sie bat die Stadtverordnetenversammlung darum, dieses „tendenziöse Papier“ zu ignorieren.

Die Plus-/Minus-Aufstellung für Erneuerung versus denkmalgerechte Sanierung: Hier hatte die Bauverwaltung in nahezu allen Punkten Vorteile bei der Erneuerung gesehen. Der Ortsbeirat vermisst in dieser Plus-/Minus-Aufstellung aber die Argumente. Statt Schätzungen sei hier mit groben Annahmen gearbeitet worden.

Die Untersuchung des Wehrkörpers: Baumgart berichtete, dass die für die Stabilität entscheidende Holzkonstruktion im Inneren des Wehres durch die vorgesehenen Bohrungen beschädigt werden könnte. Dem Mitarbeiter des Bauamts sei dies nicht klar gewesen. „Ist die Holzkonstruktion erst einmal beschädigt, ist das nicht reparabel“, so Baumgart. „Bei dieser Untersuchung ist zu gewährleisten, dass die innere Holzkonstruktion nicht beschädigt wird“, heißt es deswegen im Beschluss des Ortsbeirats.

Gar nichts tun als weitere Option

Jens Seipp, der zugleich Vorsitzender der CDU-Fraktion im Stadtparlament ist, ergänzte daraufhin, dass es neben „Erneuerung“ oder „Instandsetzung“ noch ein drittes Szenario für das Grüner Wehr gebe: Gar nichts zu tun, weil das Wehr noch halte. Auch das spreche für eine weitere Untersuchung.

Seipp kritisierte scharf die Bauverwaltung, die den Ortsbeirat Weidenhausen nicht im Vorfeld der Entscheidung beteiligen wolle. Erst der Bauausschuss der Stadt habe beschlossen, dass der Ortsbeirat gehört werde.

„In den weiteren Prozess ist neben dem Ortsbeirat Weidenhausen auch der Denkmalbeirat und die BI Grüner Wehr mit einzubeziehen“, fordert darum der Ortsbeirat.

Der Denkmalschutzbeirat hatte in seiner Sitzung im vergangenen Dezember eine weitere Untersuchung gefordert, berichtete Patricia Grähling von der städtischen Pressestelle. Die innere Untersuchung des Wehrkörpers sei so schonend wie möglich und maximal an fünf Bohrstellen vorzunehmen.

Von Till Conrad

12.01.2022
12.01.2022