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Marburg Rutsche und Podest kommen nicht
Marburg Rutsche und Podest kommen nicht
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10:59 07.02.2020
Auf den Plänen der einstigen rot-grünen Stadtregierung zur Umgestaltung des Grüner Wehr liegt laut Bürgermeister kein Fokus mehr. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Die Kanu-Durchgängigkeit sei für ihn „nichts notwendiges“ und fuße auf einem Beschluss aus rot-grünen Regierungszeiten. „Darauf liegt kein Fokus mehr.“ Das umstrittene Betonpodest sei auch „schon längst weggeplant“, es werde ein solches nicht geben. „Das braucht kein Mensch.“

Man müsse lediglich einen „Zugang für die Wartung“ der rechtlich zwingend vorgeschriebenen Fischtreppe anlegen. „Das muss und wird aber sicher nichts sein, was einer Aussichtsplattform oder gar einem Party-Podest nahe kommt.“

Pläne lagen ein Jahr lang auf Eis

Was genau am Wehr passiere, werde nach Fertigstellung des Gutachtens im Mai klar sein. Er wolle „so wenig Geld wie möglich in der Lahn versenken“, weshalb er gut „auf Gimmicks verzichten“ könne.

In der Vergangenheit betonte Stötzel zwar mehrfach, dass er den von Amtsvorgänger Dr. Franz Kahle (Grüne) übergebenen Planungen skeptisch gegenübersteht. Die Pläne lagen angesichts der Ankündigung des laufenden Neu-Gutachtens, letztlich wegen des BI-Protests, seit mehr als einem Jahr auf Eis.

Eine deutliche Absage an die konkreten Einzelbestandteile des Vorhabens blieb aber bis jetzt aus. Klartext redet in ­Reaktion auf die jüngsten, die BI-Kritik unterstützten Äußerungen der SPD-Parteispitze auch CDU-Parteichef Dirk Bamberger: „Wenn wir uns in der Zusammenarbeit mit der Sozialdemokratie jetzt darüber einig sind, dann können wir dieses Kapitel ein für alle Mal beenden.“

BI forderte Machtwort

Aber: Baumfällungen am Trojedamm sind damit nicht vom Tisch. Denn für den Fall, dass die Gutachter entsprechend große Schäden finden, die Stabilität gefährdet sei und das Wehr repariert werden müsse, bedürfe es für die Spezialfahrzeuge einer Baustraße. Und diese könne nur über die Ecke Aquamar-Trojedamm durch die Lahn bis zum Bauwerk führen. „Dazu gibt es keine Alternative“, sagt Stötzel.

Die Bürgerinitiative „Grüner Wehr“, die zwischenzeitlich tausende Protest-Unterschriften gegen das Ursprungs-Vorhaben sammelte, hatte in dieser Woche ein Machtwort aus dem Magistrat zu Kanurutsche und Betonpodest gefordert. Daneben fordern sie im Sanierungsfall eine schonende Reparatur und die Beibehaltung der Optik wie auch der Baumaterialien des Wehrs.     

von Björn Wisker

Standpunkt

Klartext räumt 
Bauprojekt ab

Die Bürgerinitiative „Grüner Wehr“ wollte die Schadens- von der Baufrage entkoppelt wissen und eine klare Ansage der Stadtspitze gegen Kanurutsche und Betonpodest 
haben. Das haben sie jetzt, zwei Jahre nach Bekanntwerden des Vorhabens, bekommen.

Bürgermeister Wieland Stötzel hat nun Klartext gesprochen, den Kritikern versichert, dass die Umbaupläne nicht nur auf Eis liegen, sondern unabhängig von der laufenden Schadensbegutachtung so nicht kommen werden.

Die Tendenz ging selbstverständlich seit langem in diese Richtung, der Druck auf den Dezernenten war schon 2017 immens und ebbte nur vorübergehend ab.

Dass die Bauverwaltung die jahrelang und aufwendig geschmiedeten Pläne, die für Stötzel von Beginn an keine Herzensangelegenheit waren, aber tatsächlich bereits vor geraumer Zeit verworfen hat, ist für die Öffentlichkeit neu.

Das ist jetzt eine gänzlich neue Diskussionsbasis und sollte die BI-Ängste auf die Art und Weise einer etwaigen Wehr-Reparatur reduzieren können – ein weniger brisantes Feld.

von Björn Wisker