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Marburg Grünen Kraftstoff tanken
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09:58 22.09.2021
Richard Lagotka, geschäftsführender Gesellschafter von Knies+Lagotka (rechts), Markus Brunner, Regionalleiter Süd bei Uniti (Mitte), sowie Uniti-Manager Dirk Arne Kuhrt, der einen multimedialen Vortrag zum Thema „E-Fuels for Future“ hielt.  
Richard Lagotka, geschäftsführender Gesellschafter von Knies+Lagotka (rechts), Markus Brunner, Regionalleiter Süd bei Uniti (Mitte), sowie Uniti-Manager Dirk Arne Kuhrt, der einen multimedialen Vortrag zum Thema „E-Fuels for Future“ hielt.   Quelle: Silke Pfeifer-Sternke
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Marburg

Das Unternehmen Knies+Lagotka ist eines der bundesweit 30 Unternehmen aus dem Tankstellen- und Wärmemarkt, die sich an der Kampagne „E-Fuels for Future“ beteiligen. „Weil ich davon überzeugt bin“, sagt Richard Lagotka, geschäftsführender Gesellschafter des Marburger Unternehmens. Er möchte den Klimaschutz aktiv mitgestalten mit dem Ziel, 2050 klimaneutrale Kraft-, Brenn- und Schmierstoffe zu produzieren. Die Tankstellen der Zukunft sind nach Lagotkas Vision Energieparks auf Grünflächen, bestückt mit Photovoltaik-Anlagen, kleinen Windrädern und einer Anlage zur Produktion von Wasserstoff. An den Tanksäulen werde dann klimaneutraler Sprit getankt.

Über den klimaneutralen Kraftstoff der Zukunft als Alternative zu E-Mobilität will Lagotka aufklären und leistet Überzeugungsarbeit. Er unterstützt damit „Uniti“, den Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen. Auf dem Firmengelände in der Alten Kasseler Straße machte Lagotka den Aufschlag, um vor allem Vertreter aus der Politik auf lokaler und überregionaler Ebene von der Machbarkeit der Produktion von klimaneutralen Kraftstoffen zu überzeugen. Die synthetischen Kraftstoffe werden mit Hilfe von Ökostrom aus Wasserstoff und Kohlenstoffdioxid hergestellt. Die Klimaneutralität entsteht dadurch, dass beim Fahren mit E-Fuels nur die Menge Kohlendioxid ausgestoßen wird, die zuvor bei der Herstellung der Atmosphäre entnommen wurde. „Es ist nicht der Verbrennungsmotor, der darüber entscheidet, ob ein Auto, Bus oder Lkw klimaneutral fährt oder nicht, sondern der verwendete Kraftstoff“, sagt Dirk Arne Kuhrt, Uniti-Geschäftsführer. Er zeigte auf, dass es weltweit 1,3 Milliarden Fahrzeuge gibt. In Deutschland werde zurzeit 98 Prozent der Straßenmobilität über flüssige Brennstoffe sichergestellt. Nur zwei Prozent der Energie im Verkehr werde mit Strom gedeckt.

E-Fuels als Lösung für den klimaneutralen Verkehr

Als Alternative zur E-Mobilität könnten die synthetischen Kraftstoffe einen Lösungsansatz für Klimaschutz im Verkehr darstellen. Dann: „E-Fuels sind sofort herstellbar“, sagt Kuhrt. Betankt werden könnten alle Fahrzeuge, die heute auf der Straße fahren – also nicht nur Neufahrzeuge. Die Herstellungskosten für den synthetischen Sprit bezifferte er auf einen Euro pro Liter. Anfangs würden E-Fuels den Kraftstoffen beigemischt. Bis 2050 könnten die synthetischen Kraftstoffe dann die bestehenden Brennstoffe ablösen – soweit die Vorstellung. Doch zunächst müsse die Politik die Rahmenbedingungen für den Hochlauf der E-Fuels schaffen, sagt Lagotka. Denkbar sei auch, dass die Energiesteuer entsprechend angepasst wird, fordert der Bundesverband Uniti.

Den Kraftstoff könne man heute schon mit der vorhandenen Infrastruktur einsetzen, sagt Lagotka. Eine Anlage, die den synthetischen Kraftstoff produziert, befindet sich laut Bundesverband im Frankfurter Raum in Bau. Die erste Tankstelle, die das neue Gemisch im Landkreis vertreibt, steht entweder im Ebsdorfer Grund oder im Lahntal. Das bleibt noch abzuwarten. Der Kraftstoffpreis mit einer Beimengung von 20 Prozent sei nicht viel höher als der derzeitige Preis für Sprit. „Je größer die Abnahmemenge, umso günstiger wird der Preis“, sagt Kuhrt.

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E-Fuels

Als E-Fuels (Abkürzung von Englisch electrofuels, Elektro-Kraftstoffe) werden synthetische Kraftstoffe bezeichnet, die mittels Strom aus Wasser und Kohlenstoffdioxid hergestellt werden. Dieser Prozess wird als Power-to-Fuel bezeichnet und kann abhängig davon, ob gasförmige oder flüssige Brennstoffe synthetisiert werden, via Power-to-Gas- oder Power-to-Liquid-Technik realisiert werden. Je nach erzeugtem Kraftstoff spricht man von E-Diesel, Synthesegas oder E-Methanol. Soweit der Strom vollständig aus erneuerbaren Quellen stammt und das Kohlendioxid der Atmosphäre entnommen wird beziehungsweise aus Biomasse oder Industrieabgasen stammt, können mittels E-Fuels Verbrennungsmotoren klimaneutral betrieben werden. Grundsätzlich können E-Fuels klimafreundliche Alternativen zu fossilen Brennstoffen darstellen, es hängt davon ab, wie kohlenstoffdioxidintensiv der Strommix ist. 

Knies+Lagotka

Das Marburger Unternehmen Knies+Lagotka besteht seit 1992 am Standort in der Alten Kasseler Straße, beschäftigt 82 Mitarbeiter, 5 Auszubildende und betreibt 10 Tankstellen im Landkreis, zwei davon in Marburg. Es verfügt zudem über eine Handwerksabteilung für Sanitär und Heizungsbau und bietet Komplettlösungen aus einer Hand an, sowie moderne Heizungsanlagen und den Bau von Photovoltaikanlagen.

Von Silke Pfeifer-Sternke

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