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Marburg Grüne verdoppeln ihr Bundestagswahl-Ergebnis von 2017
Marburg Grüne verdoppeln ihr Bundestagswahl-Ergebnis von 2017
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09:57 28.09.2021
Jubelstimmung herrschte zumindest bei der Wahlparty der SPD in der Waggonhalle.
Jubelstimmung herrschte zumindest bei der Wahlparty der SPD in der Waggonhalle. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

In Marburg gibt es seit Sonntag ein neues Wort für „Wahlsieger“. Es lautet „Bündnis 90/Die Grünen“. Die Umweltpartei, die schon aus den Wahlen zum Stadtparlament vor sechs Monaten, hängte beim Bundestagswahl-Ergebnis alle Konkurrenten mühelos ab, verdoppelte nahezu ihr Ergebnis von 2017 von 15,6 auf 29,8 Prozent und strotzte nun vor Selbstbewusstsein. Angesichts der Stärke der Grünen dürfte für die bevorstehende Koalition in Marburg die Rollenverteilung klar sein: Die Grünen sind die bestimmende Kraft in dem Viererbündnis mit der SPD, der Marburger Linken und der Klimaliste.

45,1 Prozent im Wahlbezirk Stadtbücherei

Ihr stärkstes Wahlergebnis fuhren die Grünen im Wahlbezirk Altstadt II (Stadtbücherei) ein. Hier landeten sie bei 45,1 Prozent, drückten die CDU auf 4,7 und die SPD auf 10,4 Prozent. Auch überall in der Innenstadt fuhren die Grünen besonders starke Stimmenergebnisse ein. 36,6 im Wahllokal Bauamt, 39,4 Prozent im Wahllokal Altenbegegnungsstätte und 36,4 Prozent im Haus der Ketzerbachgesellschaft. In vielen der Innenstadtbezirke ergeben sich zudem solide grün-rote Mehrheiten. Nun sind Bundestagswahlen nicht mit Kommunalwahlen zu vergleichen und umgekehrt, aber die Ergebnisse geben einen eindeutigen Fingerzeig für die politischen Kräfteverhältnisse in der Stadt. Dazu gehört auch die Schwäche der CDU. Die Christdemokraten, die immerhin in einer Koalition mit der SPD waren, kommen nur noch auf 16,9 Prozent der Wählerstimmen und verlieren gegenüber 2017 jede dritte Stimme. Besonders dramatisch ist die Entwicklung in der Innenstadt. Hier kommt die CDU oft nur noch auf einstellige Ergebnisse oder liegt knapp darüber. „Die CDU muss Antworten geben auf die Fragen junger Menschen“, schlussfolgerte Jens Seipp, der Fraktionsvorsitzende der CDU im Stadtparlament. Die CDU schaffe es nicht, die jungen Leute abzuholen, fügte Seipp geknickt hinzu. Seipp fordert eine personelle und programmatische Erneuerung seiner Partei. Ihre stärksten Ergebnisse fuhr die CDU mit 39,8 Prozent in Schröck ein, gefolgt von Ronhausen mit 30,6 Prozent. Bei allen anderen Wahllokalen erreichten die Christdemokraten weniger als 30 Prozent Stimmanteile.

Hochburg für die SPD in Cappel

Die SPD hat sich in Marburg deutlich stabilisiert und gegenüber der Bundestagswahl von 2017 um vier Prozent auf 26,4 Prozent zugelegt. Aber auch sie landet in der Innenstadt meistens bei unter oder um die 20 Prozent der Stimmen. In den Ockershäuser Stimmbezirken sieht es etwas besser für sie aus. Bester Stimmbezirk: Wahllokal Feuerwehr Cappel mit 32,4 Prozent. Überhaupt fällt auf, dass die großen Spreizungen wie etwa bei den Grünen bei der SPD in Marburg so nicht stattfinden. Die Steigerungen betrafen die einzelnen Wahlbezirke gleichermaßen.

Das trifft ähnlich auf die FDP zu. Die Freidemokraten, „Königsmacher“ in der künftigen Berliner Regierungsbildung, meldeten sich aus dem „Tal der Tränen“ zurück und erzielten 9,6 Prozent, damit stabilisierten sie ihr Ergebnis von 2017 (9,1 Prozent). Traditionell schnitten sie am Grassenberg am stärksten ab; hier wohnt offenbar seit mehreren Wahlperioden klassisches liberales Wählerklientel. Besonders schwer hatte es die FDP im Waldtal und am Richtsberg. Ein „katastrophales Wahlergebnis“ fuhr die Linke ein, und davon blieb auch die Marburger Linke nicht verschont. Nach Jahren steigender Ergebnisse büßte sie mehr als fünf Prozentpunkte ein. Sie verlor in ihrer Hochburg Weidenhausen zehn Prozentpunkte und büßte sonst flächendeckend in fast allen Innenstadt-Bezirken Stimmen ein.

AfD punktet im Waldtal und am Richtsberg

Die AfD blieb in Marburg unter der Fünf-Prozent-Marke (4,6 Prozent) und damit deutlich unter dem Kreis-, Landes- und Bundesschnitt. Dennoch sind ihre Ergebnisse besonders im Waldtal (16,2 ) und am Richtsberg (24,9 am Ökumenischen Zentrum, 26,1 am Altenzentrum) bemerkenswert und ein Grund zur Besorgnis.

Von Till Conrad

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