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Marburg Kreis-Grüne betonen Regierungsanspruch
Marburg Kreis-Grüne betonen Regierungsanspruch
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18:00 30.11.2020
Die beiden oberen Spitzenplätze der Grünen für den Kreistag teilen sich die Fraktionsvorsitzenden Sandra Laaz aus Marburg und Michael Meinel aus Lahntal.
Die beiden oberen Spitzenplätze der Grünen für den Kreistag teilen sich die Fraktionsvorsitzenden Sandra Laaz aus Marburg und Michael Meinel aus Lahntal. Quelle: Ina Tannert
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Marburg

Weitestgehend große Einigkeit herrschte bei der Kreismitgliederversammlung der Grünen Marburg-Biedenkopf am Samstag (28. November) beim Aufstellen der Kandidatenliste für den Kreistag zur Kommunalwahl 2021. An die Spitze wurden erneut die beiden Fraktionsvorsitzenden Sandra Laaz und Michael Meinel gewählt. Das indes ohne viel Zettelwirtschaft digital per Stimmgerät, das jeder der knapp 50 Delegierten für den Wahlgang nutzte. Wie bei den Grünen üblich, waren die ungeraden Plätze für Kandidatinnen reserviert, die geraden für alle Geschlechter offen.

Weg vom Status der Opposition

Fast durchgehend stellten die Bewerber in ihren Reden einen grünen Kampfeswillen und klaren Regierungsanspruch auf kommunaler Ebene in den Fokus. Es wurde deutlich, sie wollen mit der Landespartei gleichziehen, weg vom Status der Opposition, hin zu einer Koalition, als Teil der Entscheider mit entsprechenden Mehrheiten im Kreistag, wofür die Grünen nun auf Partnersuche gehen dürften. Sandra Laaz – am Ende bei vier Enthaltungen und mit 91 Prozent an die Spitze gewählt – machte auf die Lage der Grünen in Hessen wie auf Kreis-Ebene aufmerksam: Für grüne Politik generell sehe es derzeit „nicht gut“ aus, mit ein Grund ist der A-49-Weiterbau. Der Kreistag werde dabei nicht müde zu wiederholen, wie wichtig die Autobahn sei, während seit Jahren „kein einziger Radweg gebaut wurde – das Land Hessen stellt doch Geld zur Verfügung, es muss nur abgerufen werden“, kritisierte Laaz die Kreispolitik von SPD und CDU. Die 50-Jährige monierte einen Investitionsstau, fehlende Entwicklungen, im Kreis gebe es „nichts Neues, was nicht auf gesetzlichen Vorgaben beruht“.

Meinel – bei zwei Neinstimmen und einer Enthaltung mit 93 Prozent auf Platz zwei gewählt – schlug in dieselbe Kerbe: „Im Kreis warten Abermillionen auf Abruf.“ Mit Ausnahme von Sanierungen an Schulen „passiert eigentlich nichts“, es werde „verwaltet statt gestaltet“. Daher brauche es „starke, regierende Grüne“, stellte der Agraringenieur fest und forderte konkrete Schritte zur Agrarwende, ebenso wie eine „kompromisslose Verkehrswende“.

Die kommunale Ebene solle da Vorreiter sein, „Veränderung beginnt vor Ort“, ergänzte danach Stephanie Theiss, die auf Platz 3 der Grünen Liste steht. Neben dem Bau neuer Radwege forderte sie den Ausbau des Schienennetzes, ebenso neue Wege hin zu mehr E-Mobilität, von neuen Energieformen bis zu modernen Arbeitszeitmodellen – da müsse der Kreis „mit gutem Beispiel vorangehen“.

Neue Gesichter auf der Liste

Doch es waren nicht nur „alte Hasen“, die auf der grünen Top-Ten-Liste rangieren, auch weitestgehend neue Gesichter warfen ihren Hut für die Kreisebene in den Ring. Darunter wie schon in 2016 Dagmar Kemmerling aus der Gemeinde Weimar. Sie stellte sich politisch zwar als „unbeschriebenes Blatt“ vor, bringt aber Erfahrungen als ehemaliges Mitglied des Gemeindevorstands Weimar mit. Nun will die 60-Jährige in den Kreistag, setzt Sozial- und Gesundheitspolitik auf ihre Agenda. In beiden Bereichen habe sie als Kinderärztin schon im beruflichen Alltag viel Erfahrung gemacht, wolle „alle Kompetenz und Begeisterungsfähigkeit“ mit einbringen, betonte sie. Das brachte ihr Applaus und 24 Jastimmen ein. Sie wurde auf Platz 9 gewählt.

Zwei Ränge darunter landete Nadine Bernshausen, vor der letzten Kommunalwahl in 2016 erhielt die Richterin noch Platz 3, nahm die jetzige Platzierung mit Humor hin. Das fiel ihr wohl nicht allzu schwer, die Grünen-Kandidatin für die Marburger Oberbürgermeisterwahl wurde wenig später beim darauffolgenden Listenparteitag der Marburger Grünen auf Platz eins für die Stadtverordnetenversammlung gesetzt.

Einzelne Kandidaten der oberen Ränge brauchten wiederum ein paar Anläufe, um auf den ungefähren Wunschplatz zu kommen, oder ein paar Ränge darunter. Am Ende landeten 66 Namen auf der langen Liste.

Somit ziehen die Grünen mit Selbstvertrauen in den Wahlkampf, und damit laut Laaz zugleich gegen den politischen „Stillstand“, man wolle die Wende bringen, „kein weiter so“, betonte die Fraktionsvorsitzende.

Liste Bündnis 90/Die Grünen für den Kreistag

Auf die ersten zehn von insgesamt 66 Listenplätzen wählten die Grünen:

1. Sandra Laaz aus Marburg

2. Michael Meinel aus Lahntal

3. Stephanie Theiss aus Marburg

4. Tomas Schneider aus Marburg

5. Mara Koll aus Marburg

6. Andreas May aus Marburg

7. Sabine Matzen aus Wetter

8. Patrick Voyé aus Lohra

9. Dagmar Kemmerling aus Weimar

10. Dr. Michael Korte aus Marburg

Von Ina Tannert

30.11.2020
30.11.2020
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