Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Eine Frau steht ihren Mann
Marburg Eine Frau steht ihren Mann
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:00 09.03.2022
Eva Therre eröffnete in der Pandemie einen Lifestyle-Laden samt Online-Shop in der Oberstadt. 
Eva Therre eröffnete in der Pandemie einen Lifestyle-Laden samt Online-Shop in der Oberstadt.  Quelle: Larissa Pitzen
Anzeige
Marburg

Eva und Eric stehen für das „e2“ in dem Namen e2 Lifestyle und Genuss in der Wettergasse in Marburg. Eva Therre und Eric Metzger haben eine besondere Geschichte, die unmittelbar mit der Eröffnung des Ladens verwoben ist. Die Corona-Pandemie hat der sechsköpfigen Familie extrem zugesetzt. Eva Therre verlor ihren Job in der Jugendherberge in Weidenhausen, Erik Metzgers Reisebüro brachte im Lockdown keinen Cent mehr ein. Das Paar ließ sich von den Rückschlägen nicht entmutigen. Eva Therre machte einen großen Schritt nach vorn und eröffnete am 10. Oktober 2020 – mitten in der Krise – einen Lifestyle-Laden samt Online-Shop.

Geld in Neuanfang statt in Hochzeit investiert

Das Konzept dazu hatte sie bereits parat. In Blöcken hat sie ihre Ideen gesammelt und letztlich die eine umgesetzt, die ihr richtig schien. Die Gretchenfrage „Was wird gebraucht?“ hat sie sich in der Planungsphase auch gestellt. Früher ist Therre viel gereist, war in vielen Läden – und ihr Partner schien eher gelangweilt. So entstand die Idee, einen „Männerladen“ zu machen. Dass sie etwas Neues anpackt, das hat sich lange angekündigt. Dennoch war die Umsetzung der Idee ein Sprung ins kalte Wasser.

Statt Geld in eine Hochzeit zu investieren, haben Therre und Metzger Geld in einen Neuanfang gesteckt. „Man muss Abstriche machen“, sagt Therre nüchtern. Abstriche müssen auch die vier Kinder machen. Denn wenn Eva Therre arbeiten geht, müssen die Kinder schon mal Aufgaben im Alltag selbst bewältigen. Natürlich ist auch ihr Mann Eric eine wichtige Stütze. Dass er zurzeit weniger im Reisebüro zu tun hat, ist eigentlich ein Glücksfall für die Tagesplanung der Familie.

Als der Lockdown zwei Monate nach der Eröffnung das öffentliche Leben und das der Geschäftswelt zum großen Teil komplett lahmgelegt hatte, blieb Therres Laden geöffnet. Ihr Konzept hatte sie kurzerhand an die Bedingungen angepasst. Das Sortiment setzte sich zu mehr als 50 Prozent aus Delikatessen, Alkohol und Tabakwaren zusammen. „Alles hatte zu, wir aber nicht. Vielleicht hat uns das in die Taschen gespielt“, sagt sie. Auch hat sie fest daran geglaubt, dass die Geschäftseröffnung der Ausweg aus der Misere ist, in der sich die Familie befand.

Auch wenn ihr Laden geöffnete war, die „Oberstadt war tot, eine Geisterstadt“. Als keine Leute kamen, bot Therre für die Kenner unter den Kunden ein „Schnapstaxi“ an. Bestellungen wurden in einem Umkreis von 30 Kilometern ausgefahren. Rentiert hat sich diese Idee „nicht wirklich“, sagt Therre. Was ihr blieb, war sich in schlechten Momenten an dem Zuspruch von Kunden zu erfreuen. Viele kamen in den Laden, um ihr Mut machten: „Halten Sie durch“, lautete die Parole. Ein wenig Schützenhilfe erhielt die Geschäftsfrau auch, und zwar von dem Trend, dass sich die Menschen in der Zeit der Beschränkungen von dem Gefühl leiten ließen, sich in den eigenen vier Wänden etwas Schönes gönnen zu wollen.

Die angekündigten Lockerungen kann sie kaum erwarten. Wieder befreiende Momente erleben und davon viele, wünscht sich Therre. „Ich freue mich auf die Touristen, auf Sonnentage und auf die Straßenmusiker“, sagt sie.

Von Silke Pfeifer-Sternke

Hier geht's zum Video: Eine Frau führt einen Männerladen