Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Umgeben von Tüll, Satin und Seide
Marburg Umgeben von Tüll, Satin und Seide
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 19.02.2022
Silke Wagner eröffnete mitten in der Pandemie ihren Brautmodenladen „Herzschlag“. Den Schritt in die Selbstständigkeit hat sie trotz der schwierigen Zeit nicht bereut.
Silke Wagner eröffnete mitten in der Pandemie ihren Brautmodenladen „Herzschlag“. Den Schritt in die Selbstständigkeit hat sie trotz der schwierigen Zeit nicht bereut. Quelle: Silke Pfeifer-Sternke
Anzeige
Marburg

„Jetzt oder nie!“, war die Devise von Silke Wagner im Dezember 2019. Mit 50 Jahren war die Zeit reif, um ihren Traum zu leben: Umgeben von Tüll, Satin und Seide hilft die ehemalige Finanzdienstleisterin jetzt Bräuten zum passenden Traumkleid. Alles schien perfekt zu laufen: Die Planungen waren abgeschlossen und zufällig fand sie im Südviertel den passenden Laden.Im August 2020 eröffnete Silke Wagner den Brautmodeladen „Herzschlag“. Allerdings brachte die Corona-Pandemie ihr gut durchkalkuliertes Konzept gewaltig ins Wanken: Kaum eröffnet, kam der Lockdown. Wagner musste ihr Ladengeschäft im Dezember 2020 schließen.

Statt den Kopf in den Sand zu stecken, hat sie kurzerhand nach Perspektiven gesucht und eine gefunden. Das Umdenken hat der Gründerin im Nachhinein das „Überleben“ gesichert. Sie fing an, die Bräute per Video-Chat zu beraten – live aus dem Showroom in der Marburger Haspelstraße – und richtete einen Brautmoden-Bringdienst ein. Mit dieser Notlösung ist Wagner gut durch die verschiedenen Phasen der Pandemie gekommen – allerdings nicht ganz ohne schlaflose Nächte. Doch rückblickend würde sie trotz der anfänglichen Schwierigkeiten den Schritt wieder tun. Rückhalt erhielt sie von ihrer Familie und auch der Vermieter des Ladengeschäfts kam der Gründerin entgegen.

Seit Herbst 2021 läuft es auch endlich so, wie es sich die 52-Jährige ausgerechnet hat. Für die Finanzdienstleisterin war klar: Um erfolgreich zu sein, benötigt sie einen gewissen Umsatz. Die Planzahlen hatte sie im Kopf, allerdings mit dem Schließen der Läden kam auch kein Geld mehr in die Kasse.

„Die Pandemie hat mich ausgebremst – und ich konnte gar nichts machen“, sagt Wagner. Sie hatte alles bis ins Detail geplant und nichts falsch gemacht. Jammern brachte sie aber auch nicht weiter. Was ihr aus der schwierigen Anfangsphase geblieben ist, ist ein tragfähiges Konzept, das in der Schublade liegt und bei Bedarf jederzeit herausgeholt werden kann. Dass es sich bewährt hat, steht zweifelsfrei fest.

Mit den Lockerungen kamen auch die Bräute wieder in den Laden – Wagner hat Kunden aus Frankfurt, Köln und München. Für diese Bräute wäre es sicher viel einfacher, sich von der Gründerin per Videochat beraten und sich die Brautkleider zur Anprobe liefern zu lassen. Dann fehlt aber der Eventcharakter, wie man ihn zum Beispiel aus der Vox-Sendung „Zwischen Tüll und Tränen“ kennt. Auch zu Wagner kommen die Bräute mit zwei bis drei Lieblingsmenschen und die 52-Jährige unterstützt dabei, das Kleid unter den zahlreichen Varianten auszuwählen, das am besten zur Braut passt.

„Die meisten Bräute hätten eine konkrete Vorstellung von ihrem Traumkleid“, sagt Wagner. Sie weiß aus Erfahrung, dass diese Vorstellung zuweilen nach der Anprobe korrigiert wird. Meist hat die Brautmodenexpertin ein Ass im Ärmel – ein Kleid, das die Braut womöglich übersehen hat.

Das Erlebnis, einer Braut bei der Suche nach ihrem Traumkleid geholfen zu haben, möchte Wagner nicht mehr missen. Der Auslöser für den beruflichen Neuanfang war die Hochzeit ihres Sohnes. Zusammen mit ihrer Schwiegertochter war Wagner unterwegs, um auch ihr bei der Auswahl des Traumkleides zu helfen. In diesen Momenten erwachte ihr Kindheitstraum wieder.

Heute ist sie froh, ihren Traum leben zu können. „Ich habe das trotz Corona durchgezogen. Sonst hätte ich es nie gemacht.“

Von Silke Pfeifer-Sternke

18.02.2022
18.02.2022