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Marburg Kliniken setzen bei Impfung auf Aufklärung
Marburg Kliniken setzen bei Impfung auf Aufklärung
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00:22 18.11.2018
15 000 Hessen sind laut Robert-Koch-Institut im vergangenen Winter an Grippe erkrankt. Damit es erst gar nicht so weit kommt, bieten die heimischen Krankenhäuser ihren Mitarbeitern an, sich gegen Grippe impfen zu lassen. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts sind im vergangenen Winter insgesamt 15.000 Hessen an Grippe erkrankt. 43 von ihnen starben. Viele Betriebe haben darauf reagiert und bieten Grippeimpfungen für ihre Mitarbeiter in ihren Unternehmen an. Aber nicht jeder Angestellte nimmt diese Möglichkeit wahr.

Überraschend: Auch in Krankenhäusern verzichten die Mitarbeiter auf diese Vorsichtsmaßnahme – auch diejenigen unter ihnen, die Kontakt mit Patienten haben. Dies ergab eine Umfrage der HR-Sendung Defacto. Demnach seien lediglich 17,8 Prozent der Klinikangestellten in Hessen gegen Grippe geimpft, die Kontakt zu Patienten haben. Damit ist nicht einmal jeder fünfte Mitarbeiter gegen die Krankheit geschützt. An der Umfrage hatten sich 45 von 150 Kliniken in Hessen beteiligt. Problematisch bei der Untersuchung ist, dass nur etwa jede dritte Einrichtung überhaupt weiß, ob ihre Angestellten gegen Grippe geimpft sind oder nicht. Denn die Angaben der Mitarbeiter erfolgen auf freiwilliger Basis.

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Vergleichszahlen aus dem vergangenen Jahr lassen vermuten, dass der Anteil der geimpften Mitarbeiter etwas höher liegt, als bei der HR-Umfrage. Bei ­einer Online-Befragung des Robert-Koch-Instituts gaben 40,1 Prozent der Teilnehmer an, im vergangenen Winter gegen Grippe geimpft gewesen zu sein. Auffällig ist der große Unterschied zwischen der Ärzteschaft (61,4 Prozent waren demnach geimpft) und dem Pflegepersonal (32,5 Prozent).

"Medizinisches Personal hat eine Vorbildfunktion"

„Für die saisonale Grippeschutzimpfung ist jetzt die richtige Zeit“, sagt Dr. Edgar Pinkowski, der Präsident der Landesärztekammer Hessen. „Das medizinische Personal hat eine­ Vorbild- und Katalysatorfunktion. Daher ist es besonders wichtig, dass diese Berufsgruppen mit gutem Beispiel vorangehen und sich impfen lassen“, so der Ärztechef weiter.

Beim Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) wird nach Auskunft von Pressesprecher Frank Steibli nicht erfasst, wie viel Prozent der Mitarbeiter sich gegen die Grippe­ impfen lassen. „Das Angebot ist freiwillig und wird gut angenommen“, sagt Steibli. Jedes Jahr im Spätsommer werden die Mitarbeiter des UKGM „in Wellen“ (Steibli) über die Schutzimpfung informiert und aufgeklärt. Bei externen Terminen erfolgen die Impfungen über den betriebsmedizinischen Dienst. Wie Steibli ausführt, gilt das Angebot für alle Bedienstete – von Ärzten über Medizinstudenten bis zum Pflegepersonal und die Mitarbeiter in der Verwaltung. Schließlich könnten alle Mitarbeiter trotz „unterschiedlicher Nähe“ mit den Patienten in Verbindung kommen, etwa wenn man über den Flur läuft. „Wir tun sehr viel in dieser Angelegenheit“, betont Steibli.

Im Krankenaus in Biedenkopf ist die Impfquote hoch

Der DRK-Kreisverband Biedenkopf hat bereits im Oktober zwei Schutzimpfungen mit rund 100 Mitgliedern abgehalten. In Kürze soll eine dritte erfolgen, sagte Personalleiter ­Sebastian Spies. Nach Auskunft von Spies ist die Impfquote in Biedenkopf deutlich höher als in der Umfrage. Demnach sind nur 26,5 Prozent der Mitarbeiter des Biedenkopfer Krankenhauses nicht gegen Grippe geimpft. Um die Quote weiter zu reduzieren, bietet das DRK-Krankenhaus seinen Mitarbeitern kostenlose Impfungen an, die auch während der Arbeitszeit erfolgen können. Zudem gibt es eine regelmäßige Impfsprechstunde. Der DRK-Kreisverband betreibe ein „offensives Marketing“ dieser Aktionen.

Das Diakonie-Krankenhaus in Wehrda teilte auf OP-Anfrage nur mit, dass es für die Mitarbeiter eine zentrale Möglichkeit über den Betriebsarzt gebe, sich impfen zu lassen. „Alle anderen Fragen können wir aus Datenschutzgründen und ärztlicher Schweigepflicht nicht beantworten“, ließ das Sekretariat ausrichten.

von Tobias Kunz und Marcello Di Cicco