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Marburg Glühwein-Genuss ganz ohne Gedränge
Marburg Glühwein-Genuss ganz ohne Gedränge
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15:33 15.12.2021
So gut besucht wie vor der Corona-Pandemie ist der Weihnachtsmarkt an der Marburger Elisabethkirche derzeit nicht. Dort, wo sonst kein Durchkommen mehr ist, herrscht in diesem Jahr keine Enge.
So gut besucht wie vor der Corona-Pandemie ist der Weihnachtsmarkt an der Marburger Elisabethkirche derzeit nicht. Dort, wo sonst kein Durchkommen mehr ist, herrscht in diesem Jahr keine Enge. Quelle: Foto: Gianfranco Fain
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Marburg

Zu behaupten, die Besucher des Weihnachtsmarktes an der Elisabethkirche wären an einer Hand abzuzählen, wäre stark übertrieben. Dennoch wirken die Gassen und Buden rund ums Marburger Wahrzeichen gestern gegen 16 Uhr leer.

Wo es in den Vorjahren kein Durchkommen mehr gab, sich die Besucher durch die Menschenmengen quetschen mussten, ist genügend Platz, um auf den Steinwegen ungehindert zu flanieren und an den Buden Halt zu machen, mit den Händlern ein Gespräch zu führen und etwas zu erwerben. Doch da kaum Bewegung ist, steht auch kaum jemand an einem Stand. Das einzige, was läuft, ist das Kinderkarussell – allerdings auch das spärlich besetzt.

Dass noch weniger Besucher als an vergleichbaren Tagen unterwegs sind, müsse am Wetter liegen, vermutet Darian Bogulawski. Bei sieben Grad Celsius ohne Niederschlag versucht er die Menschen an den Spirituosenstand zu locken, wenn jemand nah genug daran vorbeigeht. Doch offenbar ist es für Hochprozentiges noch zu früh, Glühwein wird dagegen vereinzelt schon getrunken, am Crêpes-Stand ist der Betrieb am größten – zwei junge Frauen stehen an.

Über den Steinweg führt der Weg hinauf in die Oberstadt zum zweiten Weihnachtsmarkt der Stadt. Auf dem Marktplatz vor dem Rathaus bietet sich dasselbe Bild. So gut wie keine Menschen an den Buden, die Betreiber drapieren ihre Waren oder sind, soweit sie Essbares verkaufen, ihre besten Kunden. Selbst eine Wurst, die ja angeblich immer geht, liegt aufgestapelt in der Auslage statt auf dem Rost. „Als normales Bild“ des Marburger Weihnachtsmarktes an Wochentagen beschreibt Sascha Wagner den Zustand, um sich dann doch zu korrigieren. Es sei heute so wie unter normalen Umständen an einem regnerischen Tag. Die nicht normalen Gegebenheiten beruhen auf den Auswirkungen der Corona-Pandemie, aber „wir sind froh, wenigsten etwas verkaufen zu können“, sagt der Grillmeister.

Keine Hektik und kein „Schreien müssen“

Vielleicht schaut Wagner manchmal neidisch zum benachbarten Crêpes-Stand. Dort ist eine überschaubare Nachfrage vorhanden, für eine Bratwurst ist es bei einsetzender Dunkelheit offenbar noch zu früh. Eingeläutet ist dagegen die Glühwein-Zeit. Zu zweit, zu dritt, selten in größeren Gruppen stehen die Menschen an Tischen oder dem abgedeckten Brunnen beisammen und gönnen sich ab und an einen Schluck des heißen alkoholischen Getränks. Unterbricht man sie bei ihren Gesprächen um Alltagsthemen, so berichten sie, was sie an der Situation mögen: kein Gedränge, keine Hektik, einfach in Ruhe einen Glühwein trinken und dabei schwätzen können, ohne schreien zu müssen.

Von entspannten Weihnachtsmarktbesuchern auf dem Marktplatz spricht auch der Security-Mann. Alles verlaufe in geordneten Bahnen und die Menschen halten sich außer bei Speisen- und Getränkeeinnahme an die Maskenpflicht. Nur manchmal muss er Passanten an das Aufsetzen eines Mund-Nasen-Schutzes erinnern, so wie einen Mann mit hoher Stirn, der ihn deswegen in eine Diskussion verwickelt. Dennoch meint er: „Die Menschen sind sehr angenehm und rücksichtsvoll.“

Recht gelassen wirken auch die Betreiber des Glühweinstands, obwohl sie mit 55 bis 60 Prozent weniger Umsatz rechnen als in normalen Jahren. Es fehlten auch die drei Stunden an Öffnungszeit an den Freitagen und Samstagen sowie die eine abendliche Stunde an den Werktagen, die Zeiten, wo sonst das Geschäft „brummt“. Wie die OP berichtete, kürzte das Ordnungsamt der Stadtverwaltung die Öffnungszeiten, nachdem der große Andrang am ersten Öffnungstag der Weihnachtsmärkte das Einhalten der Corona-Auflagen unmöglich gemacht hatte.

Auch Regenschirme helfen Abstand halten

„Aber wir sind froh, im Gegensatz zu anderen Städten, wenigstens etwas machen zu dürfen“, sagt Silvio Gattus. Man habe auch Glück mit dem Wetter, das relativ trocken und ohne Minusgrade die Menschen nicht zusätzlich vom Weihnachtsmarktbesuch abhalte. Und wenn es doch mal regnet, helfen Ideen. „Wir haben 50 Schirme parat, die wir bei Regen an die Gäste ausleihen“, berichtet Cornelia Panzer und weist auf einen positiven Nebeneffekt hin: Zwei, die jeweils einen Schirm in der Hand halten, halten automatisch auch genügend Abstand zueinander.

Genügend Abstand ist gegen 18.30 Uhr auch rund um die Elisabethkirche noch möglich. Es sind zwar mehr Menschen unterwegs als zuvor, aber es ist noch mehr als ausreichend „Luft“ zwischen ihnen. Das Karussell dreht weiter mit Passagieren seine Runden, für die Kleinen gibt es danach eine Zuckerwatte oder andere Leckereien, während die Großen etwas anderes essen oder auch einen Glühwein trinken. Auch bei Darian Bogulawski am Stand läuft es mittlerweile besser. „Es hat deutlich zugenommen“, sagt er und berichtet von Besuchern aus Kanada und den USA, die ein Mitbringsel suchten. Hoffentlich fanden sie als Souvenir kein Ticket wegen Falschparkens eines E-Autos im Schatten der E-Kirche vor.

Von Gianfranco Fain

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