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Marburg Glaubensgemeinschaften stehen zusammen gegen Rassismus
Marburg Glaubensgemeinschaften stehen zusammen gegen Rassismus
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18:00 17.03.2022
Eine Muslima mit Kopftuch und ein jüdischer Mann mit Kippa unterhalten sich.
Eine Muslima mit Kopftuch und ein jüdischer Mann mit Kippa unterhalten sich. Quelle: Monika Skolimowska/dpa
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Marburg

Vom vermeintlich nett gemeinten Kompliment bis hin zur Benachteiligung wegen eines Kopftuches – Rassismus kennt viele Gesichter und ist längst kein Überbleibsel aus einer vergangenen Zeit, sondern auch weiterhin präsent in der heutigen Gesellschaft – wenn auch zum Teil seltener offensichtlich.

Anlässlich der Internationalen Wochen gegen Rassismus bis zum 27. März unter dem Motto „Haltung zeigen“, rückt unter anderem die Universitätsstadt Marburg mit verschiedenen Veranstaltungen das Thema Fremdenfeindlichkeit in den Blickpunkt (die OP berichtete). Und auch bei den Glaubensgemeinschaften in Marburg wird Rassismus regelmäßig thematisiert.

Mahnwachen, Religionsunterricht in Schulen und Aufklärung im Senioren- und Frauenkreis sowie im Konfirmandenunterricht – bei Joachim Simon, evangelischer Pfarrer der Universitätskirche Marburg, steht das Thema Rassismus regelmäßig auf der Tagesordnung, mitunter auch beim „Runden Tisch Integration“, bei dem er zusammen mit unter anderem Glaubensvertretern des Buddhismus, Islams und Judentums in Marburg zu den Themen Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit diskutiert.

Pfarrer: Rassismus fängt mit Denken und Worten an

Er hätte wahrgenommen, dass rassistische Äußerungen in Bezug auf den jüdischen oder auch islamischen Glauben zugenommen haben. „Rassismus fängt mit Denken, Verschwörungstheorien und Worten an“, sagt er. Ihm sei wichtig, dass Rassismus klar betitelt wird. Zudem müsse klar sein, dass Rassismus nicht mit einem christlichen Weltbild vereinbar sei, nachdem hier vor Gott schließlich alle Menschen gleich seien.

„Rassismus ist die Bewertung des anderen und Kategorisierung aufgrund von Zugehörigkeit und Aussehen unter Benachteiligung der Person, ohne dass das gerechtfertigt wäre“, sagt der Vorsitzende der islamischen Gemeinde Marburg sowie Facharzt der Orthopädie und Unfallchirurgie, Professor Bilal Farouk El-Zayat. Auch er hat schon Rassismus erlebt, beispielsweise wenn ihn Patientinnen oder Patienten darauf hingewiesen haben, wie gut sein Deutsch sei. „Es ist wichtig, dass wir uns bewusst machen, dass es Rassismus gibt und wir anfangen, diese Vorurteile abzubauen“, sagt der Vorsitzende.

So weist Professor El-Zayat darauf hin, dass nicht vergessen werden dürfe, dass es beim Sprechen immer zwei Seiten gibt: die der Intentionalität der Person, die spricht, und die Wirkung auf die Person, die zuhört. „Die Wirkung kann eine andere sein als die Intension dahinter“, erklärt Professor El-Zayat. So kann das vermeintliche Kompliment an die Person – „Sie sprechen sehr gut Deutsch“ – schnell als eine Abwertung und Diskriminierung verstanden werden, die womöglich gar nicht beabsichtigt war.

Miteinander in der Moschee in Kontakt kommen

Grundsätzlich sei deshalb wichtig, dass die Menschen miteinander in Kontakt kommen – und das auf Augenhöhe. Zu diesem Zweck bietet die islamische Gemeinde am Sonntag, 20. März, in der Marburger Moschee eine Ausstellung unter dem Titel „Living Library“ an, bei der Vorurteile abgebaut und Verbindungen geschaffen werden sollen. „Wir wollen damit motivieren, auf das Fremde zuzugehen“, sagt er.

Nicht mehr fremd sein, das möchte auch die jüdische Gemeinde in Marburg. Neben Gottesdiensten und Lesungen sowie Konzerten werden hier ebenso Synagogen-Führungen für Interessierte angeboten. „Dadurch, dass die jüdische Gemeinschaft in der Gesellschaft aktiv ist, schafft das Vertrauen“, erklärt der von der jüdischen Gemeinde für E-Mail-Korrespondenz beauftragte Dr. Klaus Dorn, ehemaliger katholisch-theologischer Hochschuldozent der Universität Marburg.

„Es ist wichtig, dass man über den Tellerrand hinausschaut und die ganze Welt kennenlernt“, ergänzt der katholische Pfarrer Klaus Nentwich der Pfarrei St. Peter und Paul in Marburg. Denn auch wenn es erschreckend sei, dass rassistische Tendenzen zunehmen, stelle er bei Jugendlichen weiterhin eine große Offenheit fest.

Von Felix Hamann

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