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Marburg Jetzt sind die Mädels dran
Marburg Jetzt sind die Mädels dran
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22:11 28.04.2022
Stine und Madeleine experimentieren im Labor des Max-Planck-Instituts für terrestrische Mikrobiologie.
Stine und Madeleine experimentieren im Labor des Max-Planck-Instituts für terrestrische Mikrobiologie. Quelle: Dr. Virginia Geisel
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Marburg

Für die Mädchen begann der Girls’ Day am Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie mit einer Überraschung. Anstatt langwierigen Monologen zu lauschen, durften die Schülerinnen selbst ran: „Ich hatte mir vorgestellt, dass wir einen großen Vortrag über Mikrobiologie hören. Dass wir Mädchen dann tatsächlich selbst im Labor mitarbeiten durften, hat viel Spaß gemacht“, sagt die 14-jährige Sarah Haude aus Neustadt.

Dass gerade Frauen unter anderem in naturwissenschaftlichen Berufen fehlen, liegt auf der Hand: Laut statistischem Bundesamt ist der Männeranteil in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen nach wie vor hoch, so lag er 2019 in technischen Berufen bei bis zu 89 Prozent. Um dieser Männerdomäne den Kampf anzusagen, gibt es seit 2001 den sogenannten „Girls’ Day“.

An diesem Projekttag laden Betriebe, die vornehmlich „Männerberufe“ ausbilden, Schülerinnen ein, damit diese sich die Arbeitsweise einmal aus nächster Nähe anschauen können.

Mädchen durften experimentieren

Das Max-Planck-Institut (MPI) für terrestrische Mikrobiologie lud am Donnerstag (28. April) Schülerinnen aus dem Landkreis und über die Grenzen von Marburg-Biedenkopf hinweg zu ihrem Projekt am Girls’ Day ein.

Neben der Führung durch das MPI durften die Mädchen in Kleingruppen Labore betreten und sogar selbst experimentieren.

„In unserer Feinmechanik-Werkstatt konnten die Mädchen ihre eigenen 3D-Drucke erstellen“, sagt Doktor Virginia Geisel, Pressesprecherin des MPI.

In zwei anderen Laboren lernten die Mädchen zudem, wie man die DNA aus einer Tomate extrahiert und wie verschiedene Bakterien- und Pilzkulturen genau voneinander zu unterscheiden sind.

„Ich fand es total schön, auch schon als junger Mensch in den Alltag eingebunden zu werden. Wir durften echt viel selbst machen. Was mir besonders gefallen hat, ist, dass die Mitarbeiter sehr offen waren und auch persönliche Fragen beantworteten. Man merkt, dass sie das lieben, was sie tun“, berichtet die 14-jährige Viktoria Koval.

Der persönliche Austausch ist laut Pressesprecherin Geisel besonders wichtig. „Die Mädels können am Girls’ Day allerlei Fragen stellen und sich anschauen, wie andere Frauen ihren Berufsweg gemeistert haben“, erklärt sie.

Was ist der Girls’ Day?

Der Girls’ Day bietet Schülerinnen die Möglichkeit, in Berufe hineinzuschnuppern, die laut Klischee eher von Männern besetzt werden, darunter zum Beispiel etliche Handwerks-, Wissenschafts- und Technik-Berufe. Sie können aus über 11 000 Angeboten in Unternehmen und Institutionen wählen und sich direkt über das Girls’-Day-Portal anmelden. Das „1-Tages-Praktikum“ ist laut Gleichstellungsbeauftragte des Max-Planck-Instituts in Marburg, Vera Matschiske-Peters, wichtig für eine klischeefreie Berufsorientierung. „Durch Aktionen wie den Girls’ Day wecken wir frühzeitig die Begeisterung für naturwissenschaftliche Phänomene und Fragestellungen bei Mädchen und jungen Frauen. Wir wollen dadurch Mut machen, sich für einen Arbeitsplatz in der Forschung oder Wissenschaft zu interessieren“, sagt sie. Der „Boys’ Day“ gilt als Pendant zum „Girls’ Day“. Beide Projekte finden am gleichen Tag statt.

Von Larissa Pitzen