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Marburg Gibt es Ideen fürs Geldausgeben?
Marburg Gibt es Ideen fürs Geldausgeben?
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19:59 10.05.2022
Thomas Riedel (von links, FDP), Marian Zachow (CDU), OP-Redakteurin Ina Tannert, Carola Carius (Bündnis 90 / Die Grünen), Anna Hofmann (Die Linke), der stellvertretende Chefredakteur der OP Carsten Beckmann, Jens Womelsdorf (SPD) und Dr. Frank Michler (Bürgerliste Weiterdenken) diskutierten in der OP-Druckerei.
Thomas Riedel (von links, FDP), Marian Zachow (CDU), OP-Redakteurin Ina Tannert, Carola Carius (Bündnis 90 / Die Grünen), Anna Hofmann (Die Linke), der stellvertretende Chefredakteur der OP Carsten Beckmann, Jens Womelsdorf (SPD) und Dr. Frank Michler (Bürgerliste Weiterdenken) diskutierten in der OP-Druckerei. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Im zweiten Themenblock des OP-Wahltalks hatten die zwei Frauen und vier Männer, die Landrat beziehungsweise Landrätin werden wollen, die Aufgabe, in 35 Sekunden zu erklären, für was der Landkreis unter ihrer Leitung mehr Geld ausgeben sollte, wo dieses herkäme und wo sie Einsparpotenziale sehen.

Dr. Frank Michler von der Bürgerliste Weiterdenken würde mehr Geld ausgeben für das Erfassen von Impfnebenwirkungen, zum Beispiel durch das Einrichten einer Anlaufstelle, und um Ärzte beim Melden von Impfnebenwirkungen zu unterstützen, weil dies häufig unterbleibe und dadurch die Statistiken nicht stimmten. Außerdem müsse die Kommunikation der gesundheitspolitischen Zahlen umgestellt werden.

Jens Womelsdorf stellte im Wahlkampf fest, dass die Energiefrage die Leute am meisten beschäftige. Deshalb sollten zum Beispiel mehr Bioenergiedörfer geschaffen und die Kreisenergiegenossenschaft weiterentwickelt werden. Das Geld könnte durch ein kluges Fördermanagement in den Landkreis kommen.

„Eine sozialökologische Wende ist mit Sparen nicht hinzubekommen“, meint Anna Hofmann. Die Linke-Politikerin würde die Infrastruktur stärken, medizinische Versorgungszentren aufbauen, Dorfläden unterstützen und ein Solardach auf jedem Schuldach errichten. Das könne man nicht, indem man nur 1,8 Prozent der freiwilligen Leistungen des Haushalts dafür ausgebe. Sparen würde sie an nichts, denn: „Wir sparen uns schon kaputt, das sieht man an unserer Infrastruktur.“

Marian Zachow sprach sich dafür aus, mehr in Sicherheit zu investieren. „Bei Pandemie, Ukrainekrieg und Hochwasser halfen uns die ehrenamtlichen Hilfsorganisationen unter nicht optimalen Arbeitsbedingungen“, erklärte der Christdemokrat und sagte: „Für die müssen wir mehr Geld ausgeben.“ Sparen würde der Erste Kreisbeigeordnete durch Effizienzsteigerungen bei Energie und Verwaltungsabläufen.

Carola Carius würde nicht bei Schulen, Kindern und Jugend sparen, „denn da ist die Not groß, die Folgen der Krisen zu meistern“. Mehr investiert werden müsste nach Ansicht der Grünen-Kandidatin in die Energiewende, das Geld dazu solle von den Bürgern kommen, zum Beispiel durch Bürgerbeteiligungsmodelle.

Thomas Riedel würde in die Digitalisierung investieren. Das Verbessern von Abläufen dadurch führt zu Einsparungen in der Verwaltung, das Geld kann anderswo, zum Beispiel in den Katastrophenschutz, investiert werden, findet der Liberalen-Vertreter.

Der ländliche Raum und seine Attraktivität

„Wie wollen die Amtsanwärter das Leben im ländlichen Raum attraktiver machen?“, war ein weiteres Thema, zu dem die sechs Kandidaten und Kandidatinnen im OP-Wahltalk Stellung beziehen sollten.

Carola Carius hält dies für ein vielschichtiges Problem aufgrund der vielschichtigen Probleme der Orte. Die Grünen-Kandidatin findet es wichtig, dort eine lebhafte Infrastruktur zu haben, die Lücken im Mobilfunk zu schließen und neben den Dorfläden auch Co-Working-Spaces für eine Arbeitsinfrastruktur zu ermöglichen. Ihr Ziel Nummer eins ist, die Ortskerne zu beleben, dort arbeiten zu können. Dazu müssten auch Hindernisse wie der Denkmalschutz nachgeschärft werden, damit mehr Freiheiten entstehen, um Wohnraum entstehen zu lassen.

Dr. Frank Michler hält eine gute Anbindung an die Zentren Marburg oder Frankfurt und Kassel für einen wichtigen Faktor für die Attraktivität des ländlichen Raumes. Wenn man dorthin schnell gelangen könne, ließen sich die Vorteile des ländlichen Raumes mit der Infrastruktur und den kulturellen Möglichkeiten einer Stadt kombinieren. Dazu sei der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs ein wesentlicher Faktor, findet der Vertreter der Bürgerliste Weiterdenken.

„Wo sind die Grenzen?“, fragte der FDP-Mann Thomas Riedel zur Frage nach Windrädern und Gewerbegebieten im ländlichen Raum. Den Wolfshäusern habe man die B 3 vor die Tür gesetzt und jetzt auch noch Windräder. Michelbach ginge es mit dem Industriegebiet Görzhausen ebenso. Irgendwann sei eine Grenze erreicht, deshalb sei eine gleichmäßige Verteilung der Belastung anzustreben.

Laut Anna Hofmann muss eine vernünftige Infrastruktur vorhanden sein wie Kinderbetreuung, Sparkasse, Dorfladen und Busse und Bahnen, die einen nach Marburg bringen können. Arztpraxen und schnelles Internet zählt die Linke-Abgeordnete auch dazu. Neubaugebiet bei gleichzeitigem Leerstand auszuweisen, hält sie für den falschen Weg.

Jens Womelsdorf meint mit Blick auf Nachbarkreise, dass es im Landkreis nicht an einer Stelle gut und an einer anderen schlecht sei. Der Sozialdemokrat regt an, die gut funktionierenden Modelle im Landkreis aufzunehmen und an anderen Stellen weiterzuentwickeln, um die Dorfgemeinschaften dort zu stärken. Das seien zum Beispiel der Dorfladen in Schönstadt, die Bioenergiegenossenschaft in Oberwalgern oder das Carsharing in Ginseldorf. Gute Beispiele gebe es viele.

Marian Zachow glaubt nicht, dass sich benachbarte Kommunen nicht vernetzen wollen. Es gebe viele gut funktionierende Beispiele interkommunaler Zusammenarbeit, meint der Christdemokrat. Es sei allerdings einige Male der Fehler gemacht worden, zuerst eine Fusion anzusprechen und erst danach eine Zusammenarbeit. Kooperationen machten aber „absolut Sinn“.

Von Gianfranco Fain