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Marburg Städtischer Energiebonus funktioniert
Marburg Städtischer Energiebonus funktioniert
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17:58 08.07.2020
Frank Zentner (rechts), Architekt bei der Gewobau, erklärt die Hybridbauweise des neuen Wohnhauses an der Friedrich-Ebert-Straße. Quelle: Katja Peters
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Marburg

Die Stadt Marburg und auch die Gewobau (Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft) konnten punkten beim Besuch des Präsidenten des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen Axel Gedaschko. Der machte während seiner Sommerfachreise Halt in der Universitätsstadt, genauer gesagt am Richtsberg.

Zusammen mit Dr. Axel Tausendpfund, dem Vorstand des Verbandes der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft, dem die Gewobau angehört, ließ er sich vor Ort den geplanten Bau eines neuen Mietshauses in Hybridbauweise an der Friedrich-Ebert-Straße erklären. Außerdem besuchte er die bereits energetisch sanierten Häuser an der Sudetenstraße 40 bis 42 und ließ sich zeigen, wie die Gewobau die Modernisierung fast mietenneutral hinbekommt.

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Als erstes überreichte er dem Gewobau-Geschäftsführer Jürgen Rausch und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Thomas Spies eine Urkunde. Und zwar dafür, dass die Gewobau sich dem vom Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft selbst auferlegten Kodex angeschlossen hat. Das bedeutet, dass sie unter anderem für bezahlbares Wohnen stehen, dass sie sich aktiv zum Klimaschutz bekennen, sie geförderte Wohnungen bauen, es keine Eigenbedarfskündigungen geben wird und auch nicht mit Wohnungen spekuliert wird. „Dieser Kodex ist nicht auf Profit ausgelegt“, sagte Axel Tausendpfund und betonte noch einmal: „Es wird bei unseren Mitgliedsunternehmen bei Weitem nicht das ausgeschöpft, was nach Modernisierungen möglich wäre.“

Für Axel Gedaschko ist der Kodex kein Selbstgänger, vor allem nicht vor dem Hintergrund des Klimaaktionsplanes der Stadt Marburg. „2030 klimaneutral zu sein, das ist eine Wahnsinns-Herausforderung“, sagte er bei seinem Besuch und verwies darauf, dass die Handwerkerkapazitäten gen null tendieren. „Aber wer nicht anfängt zu laufen, kommt nie ins Laufen“, waren seine mutmachenden Worte in Richtung Jürgen Rausch und Thomas Spies.

Denn Untersuchungen haben ergeben, dass sich trotz energetischer Sanierung der Energieverbrauch bei vermieteten Objekten nicht geändert hat. „Alle bisherigen Investitionen haben sich nicht ausgezahlt“, berichtete er und schob den Grund gleich hinterher: „Weil sich beispielsweise das Lüftungsverhalten der Mieter nicht geändert hat.“ Für ihn und für den Verband sind der Mieterstrom eine Möglichkeit, um den Verbrauch zu reduzieren. Das würde aber von der Bundesregierung ausbremst.

Für Marburg ist schon jetzt klar, dass die Universitätsstadt bis 2030 etwa 3000 zusätzliche Einwohner zählt, somit werden mindestens 1500 weitere Wohneinheiten benötigt. Davon müssen etwa 800 Wohnungen mit gedämpften Mietpreisnivau ausgestattet sein. 20 Prozent will allein die Gewobau schaffen. Oberbürgermeister Spies stellte in diesem Zusammenhang auch noch einmal die Sozialquote heraus, die in Marburg eingehalten wird und manchen Investor zum Nachdenken anrege, mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Ebenfalls funktionieren würde der Energiebonus, eine Maßnahme der Stadt, um die Mieten nach einer energetischen Sanierung zu deckeln. Der sorgt unter anderem auch bei der Sanierung nach KfW-Standard 55 an der Sudetenstraße, dass die ursprüngliche Mieterhöhung von 4,45 Euro am Ende nur noch 0,25 Cent pro Quadratmeter beträgt. Das sind bei diesem Objekt insgesamt 165 000 Euro, die von der Stadt zur Verfügung gestellt werden, um die Mieten nach der energetischen Sanierung stabil zu halten. Denn das Objekt mit den 16 Wohnungen wird nach den Baumaßnahmen statt der ursprünglichen 68 Tonnen CO2 nur noch 12,8 Tonnen CO2 produzieren. Durch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach wären es sogar nur noch 2,8 Tonnen CO2. Grund dafür ist eine Außenluft-Wärmepumpe und die Dreifach-Verglasung der Fenster. „Daran sieht man, dass wir auch ambitionierte Ziele erreichen können, obwohl wir nicht alle Möglichkeiten ausschöpfen“, sagte Matthias Knoche von der Gewobau, der das Projekt vorstellte.

Für Axel Gedaschko war der Besuch in Marburg „hochinteressant. Die Stadt hat mit dem Klimaaktionsplan extrem ambitionierte Ziele“, hat er festgestellt. Ebenso wäre die gute finanzielle Ausstattung ein weiteres Merkmal, um bezahlbaren Wohnraum und Klimaschutz unter einen Hut zu kriegen. „Marburg befindet sich in einer absoluten Sondersituation aufgrund der sehr guten finanziellen Lage. Aber das Gute ist, dass diese auch genutzt wird, beispielsweise durch den Energiebonus“, resümierte der Präsident, der auf seiner Sommerfachtour auch in Wetzlar, Gießen und Kassel unterwegs war.

Von Katja Peters

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