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Marburg Ran ans Wasser – rein ins Wasser
Marburg Ran ans Wasser – rein ins Wasser
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12:58 13.06.2021
Da spritzt das Wasser! Lenny (links) wirft einen Stein in die Lahn, Paul schaut ihm dabei zu.
Da spritzt das Wasser! Lenny (links) wirft einen Stein in die Lahn, Paul schaut ihm dabei zu. Quelle: Stefan Weisbrod
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Platsch! Lenny wirft den Stein genau vor sich. Das Wasser spritzt nach oben, auch auf seine Hose. Paul steht daneben. Er schaut zu, fängt an zu lachen. Lenny lacht auch. „Größeren“, sagt der Zweijährige, bückt sich. Er sucht am Flussgrund nach einem anderen Stein.

Wie der sein soll, hat er ja schon beschrieben. Paul schleckt sein Eis, zeigt mit der linken Hand neben Lenny. „Da“, sagt der Dreijährige. Tatsächlich, da ist noch ein deutlich größerer Stein. Der wird aufgehoben – und findet ein paar Sekunden später mit Karacho seinen Weg zurück ins Wasser.

Beschäftigung am Bachlauf

Egal ob in einem Fluss oder Bach, einem See, im Meer – oder aus dem Wasserhahn: „Wasser übt eine große Faszination aus, besonders auf Kinder“, weiß Karen Rohlfs. Die Leiterin des Zentrums für Frühe Bildung beim Marburger Verein zur Förderung bewegungs- und sportorientierter Jugendsozialarbeit (bsj) sagt: „Wer einen Ausflug ans Wasser macht, wird sicherlich feststellen, dass nicht nur die Jüngeren eine gute Zeit haben, sondern auch Erwachsene.“

Dabei sei es meist nicht nötig, weite Wege auf sich zu nehmen, meint bsj-Mitarbeiterin Eva Bökelmann: „Auch an einem kleinen Bachlauf kann man sich super beschäftigten. Vielleicht findet man am Ufer ein paar Stöcke oder Äste, kann damit und mit Steinen einen kleinen Damm bauen, beobachten, wie sich das Wasser staut, was passiert, wenn es höher steigt.“

Felix (1) in der Lahn. Juni 2021. Quelle: Stefan Weisbrod

Einige weitere Tipps gibt der bsj in seiner Broschüre „6 einfache Wege in die Natur um eine Ecke“, zum Beispiel: Aus Baumrinde lassen sich kleine Boote beziehungsweise Flöße bauen, die unterschiedlich beladen werden können. Wer experimentieren will, kann herausfinden, ob sie nicht nur leichte Blätter, sondern auch Erde oder Steine tragen – oder ob sie dann untergehen.

Gewässer laden zum Spielen und zum Experimentieren ein

Bei den Brocken, mit denen Lenny und dann auch Paul an beziehungsweise in der Lahn hantieren, ist das keine Frage. Auch die Steine, die mit ausreichend Sicherheitsabstand zwei Elfjährige, ein Mädchen und ein Junge, flach und mit ordentlich Tempo vom Ufer aus werfen, sinken schließlich auf den Grund – manche springen vorher zwei, drei Mal von der Wasseroberfläche ab. Lennys Mutter versucht es auch, vier Hüpfer macht ihr Stein, sie ist damit zufrieden. Ihr Großvater, erinnert sie sich an ihre eigene Kindheit, sei beim Flitschen richtig gut gewesen, habe ihr gezeigt, wie es geht.

So klappt’s mit dem Steinehüpfen

88 Sprünge – damit sicherte sich der US-Amerikaner Kurt Steiner vor rund acht Jahren einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Wenn man sich als „normaler Mensch“ am Steinehüpfen, auch Flitschen genannt, versucht, ist man oft schon froh, wenn der Stein nicht direkt untergeht, wenigstens drei oder vier Mal springt. Vielleicht klappt’s in Zukunft ein bisschen besser. Hier ein paar Tipps ...

Die Form des Wurfobjekts:Logisch, es sollte möglichst flach sein. Gut ist aber auch, wenn ein runder Stein genommen wird. Noch genauer beschrieb es einmal Weltrekordler Steiner: Etwa handtellergroß sollte der Stein demnach sein, einen halben bis einen Zentimeter dick und 100 bis 200 Gramm groß. Also: Maßband und Waage einpacken und ab ans Gewässer!

Der Ort des Geschehens:Prinzipiell kann man es überall versuchen, wo Wasser ist – besser als etwa Flüsse eignen sich aber möglichst stille Gewässer. Meisterschaften im „Stoneskipping“ finden daher in aller Regel an Seen statt.

Die perfekte Technik: Lydéric Bocquet, ein Physiker der Universität von Lyon, hat sich genauer mit der Thematik befasst, Versuche gemacht und mit einer Hochgeschwindigkeitskamera gefilmt. Eine Erkenntnis: Der sogenannte „gyroskopische Effekt“ ist entscheidend. Eine Eigenrotation stabilisiere den Stein im Flug und trage dazu bei, dass er von der Wasseroberfläche wieder abspringt. Beim Werfen müsse dem Stein dabei ein leichter Dreh mit dem Finger mitgeben werden. Auch der Winkel, mit dem der Stein aufs Wasser trifft, sei relevant – optimalerweise liegt er bei 20 Grad. Und schließlich geht es um die Geschwindigkeit des Wurfobjekts: je schneller, desto besser.

Es ist ein sehr warmer Tag. Dass sie nass werden, stört daher weder Lenny oder Paul noch die Eltern der beiden. „Wenn Kinder in die Natur gehen, sollten sie immer Klamotten tragen, die dreckig werden dürfen. Dann ist es für alle entspannter“, empfiehlt Rohlfs. „Wer ans oder ins Wasser geht, sollte zudem Wechselsachen und Handtücher im Gepäck haben.

Auch wenn gar nicht beabsichtigt ist, dass die Sachen nass werden, es kann schnell passieren.“ Denn längere Zeit in durchnässter Kleidung unterwegs zu sein, ist nicht nur unangenehm, auch die Gefahr einer Erkältung steigt. „Das lässt sich mit etwas Vorplanung vermeiden.“ Dazu gehört insbesondere im Sommer auch, ausreichend Sonnenschutzmittel dabei zu haben: Wasser reflektiert, wodurch die UV-Belastung bei Sonnenschein steigt.

Wer nicht schwimmen kann, sollte beaufsichtigt werden

Noch wichtiger ist es, darauf zu achten, wo man ins Wasser geht: Wer nicht schwimmen kann, sollte stets in flachen Bereichen bleiben und von schwimmfähigen Personen beobachtet werden, Kinder etwa von ihren Eltern. Lenny und Paul spielen in der Lahn, die an dieser Stelle in der Nähe von Sterzhausen leicht zugänglich ist, wo sie problemlos stehen können, wo das Wasser nicht besonders schnell fließt – so wie zwar längst nicht überall, aber doch mancherorts an Flüssen und Bächen.

Steine zu werfen ist mittlerweile nicht mehr so interessant. Die Jungs versuchen nun, gegen die Fließrichtung durchs Wasser zu laufen. „Das ist schwer“, stellt Paul fest. Es hindert ihn nicht daran, weiterzumachen, Lenny auch nicht. Der Spaß steht ihnen ins Gesicht geschrieben.

Raus ins Freie

In der Serie liefert die OP in Kooperation mit dem Marburger Verein zur Förderung bewegungs- und sportorientierter Jugendsozialarbeit (bsj) Anregungen, was Kinder, aber auch Jugendliche und Erwachsene draußen machen, wie sie sich beschäftigen und dabei in Bewegung kommen können. Vorgestellt werden teils ganz entspannte, teils fordernde Aktivitäten, die nicht an einen bestimmten Ort gebunden sind, sondern überall oder zumindest an vielen Stellen mit leicht zugänglichen oder ganz ohne Geräte ausgeübt werden können. Weitere Informationen zum Verein und dessen Aktivitäten gibt es unter www.bsj-marburg.de.

Von Stefan Weisbrod