Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg UKGM-Protest: Soll Land Asklepios-Aktien kaufen?
Marburg UKGM-Protest: Soll Land Asklepios-Aktien kaufen?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:57 02.07.2020
Plakate malen, Offenen Brief vorstellen: Im Vorfeld der Demo am Samstag, 4. Juli, hat das Bündnis „Gemeinsam für unser Klinikum“ eine Protestkundgebung auf den Lahnbergen veranstaltet. Quelle: Björn Wisker
Anzeige
Marburg

„Wir sind fair zu euch, seid ihr fair zu uns“, „Privat ist nicht gesund“, „Gesundheit statt Profite“ steht auf den Bannern vor der Lahnberge-Mensa.

Musik läuft, Plakate werden gemalt, kurze Reden gehalten – es ist eine Protestaktion des Aktionsbündnisses „Gemeinsam für unser Klinikum“ noch vor der für Samstag, 4. Juli, geplanten Demo (13 Uhr, Stadthalle).

Anzeige

„Asklepios ist dafür bekannt, Abteilungen zu schließen, die nicht genug Profit abwerfen, und das Personal so weit zu reduzieren, wie es nur geht – trotz schon lange bekanntem Personalmangel in der Pflege“, heißt es vom Bündnis.

Auch die Gewerkschaft Verdi sieht die abgeschlossene Übernahme von Rhön durch Asklepios kritisch. Statt Profitstreben brauche es ein „gemeinwohlorientiertes Gesundheitssystem“.

Verdi: Einflussmöglichkeiten zu gering

Das Land Hessen, das am Klinik-Konzern einen Mini-Anteil von fünf Prozent hält, müsse deshalb und angesichts der bundesweit gefürchteten Asklepios-Taktik von noch stärkerer Gewinnmaximierung „echten Handlungswillen beweisen“, sagt Fabian Dzewas-Rehm, Verdi-Gewerkschaftssekretär.

Dazu gehöre, Aktienanteile in einem wesentlichen Umfang zu kaufen und zu halten, um die Zukunft der Uni-Kliniken in Marburg und Gießen mitgestalten zu können. „In dem Maße, wie das Land jetzt beteiligt ist, sind die effektiven Einflussmöglichkeiten viel zu gering.“

Dennoch setzt das Aktionsbündnis weiter auf zumindest den Schutz der Beschäftigten durch die Landesregierung und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Konkret wird in einem nun verschickten Offenen Brief an Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) und Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) gefordert, dass die Zahlung öffentlicher Gelder an das UKGM an Bedingungen geknüpft werden.

Das sind die Forderungen

Zahlenmäßige wie qualitative Personal-Mindeststandards in allen Bereichen, dauerhafter Ausschluss von Kündigungen, Verbot aller Ausgliederungen, Sicherung aller Ausbildungsplätze sowie Ausbildungseinrichtungen und Tarifvertrags-und Betriebsvereinbarungs-Einhaltung für alle Beschäftigten.

„Wir brauchen 365 Tage im Jahr gute, verlässliche Arbeitsbedingungen, um unsere Arbeit machen zu können“, sagt Mark Müller von der Jugendauszubildendenvertretung des UKGM. Bis jetzt, so Dzewas-Rehm, habe es noch keine Gespräche zwischen neuem Eigentümer und den Vor-Ort-Gewerkschaftsspitzen gegeben.

Beschäftigte fürchten Verschlechterung

Kurz nach dem Ablauf der einst in den Privatisierungsverträgen zwischen Land Hessen und der Rhön-AG festgeschriebenen „Change of control“-Klausel wurde Anfang des Jahres die faktische Übernahme von Rhön durch Asklepios angekündigt. Nach wochenlangem Streit zog sich dann vor zwei Wochen Großaktionär B.Braun zurück, machte den Weg für die vollständige Übernahme frei.

In den Krankenhäusern fürchten viele Gewerkschafter eine weitere Verschlechterung der Arbeitssituation für die Beschäftigten am Uni-Klinikum Gießen-Marburg, auch Stellenabbau speziell in Verwaltungsbereichen.

Von Björn Wisker

01.07.2020
Marburg Mehrwertsteuersenkung - Kein einheitlicher Weg
01.07.2020
01.07.2020