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Marburg Gestohlene Kätzchen sind wieder da
Marburg Gestohlene Kätzchen sind wieder da
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18:39 29.06.2022
Tierheimleiterin Maresi Wagner ist überglücklich, dass die beiden gestohlenen Katzenwelpen nach drei Wochen wieder zurück im Tierheim in Sicherheit sind.
Tierheimleiterin Maresi Wagner ist überglücklich, dass die beiden gestohlenen Katzenwelpen nach drei Wochen wieder zurück im Tierheim in Sicherheit sind. Quelle: Ina Tannert
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Cappel

Es ist eine überraschende Wendung nach einer rücksichtslosen Einbruchstat – der Katzenraub im Tierheim in Cappel hat ein glückliches Ende gefunden. Die gestohlenen Kitten „Suri“ und „Sunshine“ sind leicht verletzt, aber ansonsten wohlbehalten wieder zurück und in Sicherheit.

So ganz kann Maresi Wagner diesen Ausgang der Geschichte noch nicht fassen, „es ist einfach unglaublich, wir sind so glücklich, hätten aber nie gedacht, dass sie doch noch gefunden werden“, sagt die Tierheimleiterin erleichtert und krault die beiden Katzenkinder, die zufrieden schnurrend auf ihrem Schoß liegen.

Kätzchen waren drei Wochen verschwunden

Drei Wochen waren sie verschwunden, nachdem sich am Abend des 8. Juni ein oder mehrere unbekannte Täter Zutritt ins Katzenhaus verschafft hatten. Dort zerstörten sie die massive Glasscheibe einer Tür und stahlen die beiden damals elf Wochen alten Katzenwelpen, die dort mit der Mutter lebten.

Seitdem waren die Kätzchen verschwunden, die Kriminalpolizei ermittelte, die Spur der Diebe lief jedoch ins Leere. Das Tierheim ging sofort an die Öffentlichkeit, verbreitete Informationen und Bilder der Katzenkinder über die OP und soziale Netzwerke. Der Vorfall ging viral, der Facebook-Beitrag des Tierheims wurde über 2200 Mal geteilt.

Die öffentliche Suche zeigte Erfolg – als am Dienstag eine private Fundmeldung zweier Katzenkinder samt Foto gepostet wurde, zogen viele Nutzer die richtigen Schlüsse.

Gestohlene Katzen wurden ausgesetzt

Die beiden Kätzchen wurden am Dienstagabend in Marburg Am Grün gefunden, Unbekannte hatten sie in einer Transportbox vor die Tür einer Studenten-WG gestellt. Die Bewohner fanden die mittlerweile 14 Wochen alten Kitten im Hauseingang und nahmen sie mit in ihre Wohnung, versorgten sie und stellten den Fall in einer privaten Stadtteil-Gruppe online. Das Foto erkannten andere Mitglieder, verwiesen auf den kuriosen Einbruch und verbreiteten die Nachricht weiter.

„Es war wie ein Marburger Lauffeuer – als ich am Mittwochmorgen aufgewacht bin, hatte ich an die 100 Nachrichten auf dem Handy“, erinnert sich Wagner lachend. Die Kätzchen wurden ins Tierheim gebracht, das Auslesen der implantierten Chips brachte endgültig Gewissheit, dass es die gestohlenen Tiere sind. Diese seien „lädiert, aber nicht traumatisiert“, betont Wagner. Beide Schwestern sind verletzt, eine humpelt sichtlich. Die andere hat mehrere oberflächliche Verletzungen an Kopf und Körper, als wäre die kleine Katze von einem anderen Tier gebissen oder zumindest unsanft behandelt worden. Die Art der Verletzungen deuten darauf hin, die Wunden seien nicht sehr tief und bereits älter.

Tierdiebstahl

Der Deutsche Tierschutzbund gibt Tipps, was zu tun ist, wenn ein Tier spurlos verschwindet und der Verdacht besteht, dass es gestohlen wurde. Wer verdächtige Beobachtungen gemacht hat, sollte umgehend die örtliche Polizeidienststelle darüber informieren. Um Strafanzeige erstatten zu können, ist juristisch verwertbares Beweismaterial wichtig. Darunter:
Fotos oder Videoaufnahmen, die den Fall deutlich dokumentieren. Schriftliche Beobachtungsprotokolle mit Datum und Uhrzeit, Autokennzeichen, konkreten Angaben über beobachtete Personen, weitere Aussagen von Zeugen mit Kontaktdaten und Anschrift.

Beide sind dabei gut genährt und weiterhin zahm, wurden ansonsten wohl gut behandelt. „Zum Glück hat sich unsere erste Vermutung bestätigt, dass jemand die Katzen haben wollte, um sie zu halten, nicht um ihnen etwas anzutun“, zeigt sich auch Dr. Jens Ried, neuer Vorsitzender des Tierheim-Trägervereins, erleichtert. Möglicherweise gab es aber Ärger mit einem anderen Tier im Haushalt. „Dass sie ausgesetzt wurden, könnte daran liegen, dass man wohl doch die Einsicht hatte, dass es so nicht bleiben kann“, schätzt Wagner. Sie sei froh, dass die Diebe sich entschieden, die Katzen nicht irgendwo auszusetzen, sondern in der Box und an einer Stelle, wo sie schnell gefunden werden konnten.

Mit ihrer Mutter können die beiden nicht wieder zusammen leben, dafür sei zu viel Zeit vergangen, „die Mutter hat das gerade überwunden, alle jetzt wieder zu vergesellschaften und dann wieder zu trennen, macht keinen Sinn“.

Auf die beiden Kätzchen warte aber schon ein zweites Happy End – eine Familie, die schon vor drei Wochen Interesse an den Katzen hatte, diese dann nicht mehr besuchen konnte, will beiden ein neues Zuhause geben.

Von Ina Tannert

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