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Marburg Gestalterin mit Herz und Mut
Marburg Gestalterin mit Herz und Mut
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09:58 30.09.2020
Martina Heide-Ermel ist die neue Geschäftsführerin der BI Sozialpsychiatrie. Quelle: Katja Peters
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Marburg

Klarheit, Direktheit, Freude am Tun, leitet und führt gerne, Gestalterin – so beschreibt sich Martina Heide-Ermel. Und wer sie kennenlernt, der nimmt ihr das auch ab. Die 56-Jährige sprüht vor Tatendrang und Motivation. 100 Tage ist sie jetzt die neue Geschäftsführerin der BI Sozialpsychiatrie, folgte im Juli auf Michael Kessler.

„Für mich war es ein Sprung ins kalte Wasser“, gesteht Martina Heide-Ermel. Schwimmen könne sie mittlerweile, „aber ich muss noch vieles kennenlernen“. Sie hat jeden Bereich besucht, die Erwartungen der Mitarbeitenden eingesammelt. „Wünsche, Projekte, Probleme“, zählt sie auf und erklärt: „Es ist gerade eine lebendige Zeit, denn ein Generationenwechsel steht an.“ Auch deswegen habe sie schon Einstellungsgespräche geführt und wird Mitarbeitende in den Ruhestand verabschieden. „Sie zu würdigen, zählt auch zu meinen Aufgaben.“

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Ihr Berufsweg war bisher geprägt von Weiterentwicklung und Aufstieg. Sie selbst bezeichnet sich als „Weltenbummlerin“ in Sachen Arbeitsstätten. Hephata in der Schwalm, Diakonisches Werk im Vogelsberg und jetzt im Landkreis Marburg-Biedenkopf. „Ich habe erlebt wie die Landkreise ticken und finde es spannend, mit der Politik zusammenzuarbeiten.“ Und das wird sie noch einige Male auch in Marburg müssen. Denn Martina Heide-Ermel hat viele Visionen und Ideen. Ein großes Anliegen ist ihr dabei, „das Bundesteilhabegesetz in die Wirklichkeit umzusetzen. Und zwar zusammen mit den betroffenen Menschen.“ Sie ist neugierig und hat trotz ihrer einschlägigen Berufserfahrung noch immer Freude am Lernen. „Ich werde nicht müde zu lernen.“

Eines ihrer Projekte ist die Entwicklung spezieller Wohnformen bei Pflegebedürftigkeit alter psychisch kranker Menschen. „Wir stecken da noch total in den Anfängen, aber die Ideen sind da“, berichtet sie. Auch die Rehabilitation psychisch Kranker soll ausgebaut werden, von 15 auf 25 Plätze. „Dieses Alleinstellungsmerkmal der BI muss erhalten bleiben, weil die BI so sehr in der Region verankert ist. Das würde durch einen Klinik-Anschluss verloren gehen.“ Gerade deswegen steht sie weiterhin in engen Verhandlungen mit Krankenkassen und dem Rentenversicherer.

Dass sie weiter mit Menschen arbeiten kann und trotzdem eine Führungsposition innehat, hat sie genauso überzeugt wie das „Kompaktpaket BI“. „Diese andere Tradition, aus der heraus die BI entstanden ist, hat einen ganz anderen Esprit und bietet natürlich auch Gestaltungsmöglichkeiten.“ Und die sollen von ihr genutzt werden, so will es der Aufsichtsrat, den sie in mehreren Telefonaten von sich überzeugen konnte. „Ich bin eine Netzwerkerin“, ergänzt sie noch. Das beweist auch ihre Wahl in den Vorstand des EUTB – der Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung.

Zuhause ist Martina Heide-Ermel im Schwalm-Eder-Kreis, bewohnt mit Mann und Sohn ein restauriertes Fachwerkhaus aus dem 16. Jahrhundert. Sie hat einen Hang zur Spiritualität und ist eingesegnete Diakonin. „Ja, ich predige sonntags auch mal von der Kanzel“, sagt sie lachend und freut sich auf die Gespräche nach dem Gottesdienst. „Lachen ist gesundheitsfördernd. Davon bin ich überzeugt.“ Ihre positive Lebenseinstellung ist ansteckend, genauso wie ihr Tatendrang. Gute Voraussetzungen für den geplanten Generationenwechsel.

Von Katja Peters