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Marburg Seniorenheim soll Afföller aufwerten
Marburg Seniorenheim soll Afföller aufwerten
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20:40 20.03.2019
So könnte das Seniorenwohnheim am Afföller aussehen, das die Marburger Gesellschaft für Projektförderung realisieren möchte. Rechts: Das Gelände am Afföller mit Parkplätzen und den Kulturbetrieben. Visualisierung: artec-Architekten Marburg
So könnte das Seniorenwohnheim am Afföller aussehen, das die Marburger Gesellschaft für Projektförderung realisieren möchte. Rechts: Das Gelände am Afföller mit Parkplätzen und den Kulturbetrieben. Visualisierung: artec-Architekten Marburg Quelle: So könnte das Seniorenwohnheim am Afföller aussehen, das die Marburger Gesellschaft für Projektförderung realisieren möchte. Rechts: Das Gelände am Afföller mit Parkplätzen und den Kulturbetrieben. Visualisierung: artec-Architekten Marburg
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Marburg

Die Marburger Gesellschaft für Projektförderung (MPG) will auf einer Teilfläche des jetzigen Parkplatzes eine Seniorenresidenz mit rund 70 Plätzen und ein Parkhaus mit etwa 160 Stellplätzen bauen. Die MPG ist eine Tochtergesellschaft der Familienstiftung Anneliese und Dr. Reinfried Pohl und hat unter anderem die Förderung der Region Marburg zum Ziel, heißt es vonseiten der Geschäftsführung des Unternehmens.

„Der demografische Wandel ist da, entsprechend steigt der Bedarf für altersgerechtes Wohnen“, erläutert Stephan Bretz im Gespräch mit der OP. Damit keine Parkplätze verloren gehen, sei auch der Bau eines Parkhauses mit etwa 160 Plätzen ­geplant.
„Wir wollen auf keinen Fall, dass Parkplätze entfallen“, verdeutlichte auch Geschäftsführerin Seda Kurt. Darüber hinaus sei der Gesellschaft auch wichtig, dass „der Kulturbetrieb von Café Trauma und Theater auch in den Abendstunden in keiner Weise beeinträchtigt oder gar verdrängt wird“. Man setze viel mehr auf „nachbarliche Lösungen“, suche das Gespräch.

"Es gibt noch kein konkretes Betreiberkonzept"

Es müssten aber zunächst auch einige Vorprüfungen stattfinden – so zum Beispiel eine Bodenuntersuchung. Denn man könne nicht gänzlich ausschließen, dass es durch das frühere Gaswerk vielleicht konta­minierte Erde gebe. Auch solle ein Lärmschutzgutachten eingeholt werden. „Und natürlich müssen auch Stadt und die entsprechenden Gremien zustimmen.“

Unter Berücksichtigung des erforderlichen ­Planungsprozesses scheine ein Baubeginn bis Ende 2020 realistisch. Die zu be­planende Grundstücksgröße betrage rund 5.000 Quadratmeter, die geplante Bruttogeschoss­fläche für das ­altersgerechte Wohnen liege bei rund 6.000 Quadratmetern. 

„Es gibt noch kein konkretes Betreiberkonzept für das altersgerechte Wohnen, angedacht ist jedoch eine Kombination aus betreutem Wohnen und stationärer Pflege“, so Kurt. Das Investitionsvolumen werde voraussichtlich bei rund 20 Millionen Euro liegen.

Keine Verschlechterung für Kulturbetriebe

Die Pläne bestätigte gestern auch die Stadt Marburg. Denn ihr gehört die Fläche am Afföller. Die Gesellschaft habe ihr Vorhaben an die Stadt herangetragen, der Magistrat habe am Montag entschieden, Verhandlungen über einen Verkauf ­aufzunehmen.
„Über eine Aufwertung des Areals und den Bau von weiteren Parkplätzen in direkter Nähe zum Bahnhof und mehreren Unternehmen mit vielen Mitarbeitenden ist bereits länger nachgedacht worden“, heißt es vonseiten der Stadt. Darüber will der Magistrat nun Verhandlungen mit der MGP aufnehmen. Ziel des Magistrats sei es, dass „mindestens so viele Parkplätze entstehen wie durch die Bebauung wegfallen“. Zudem solle das Seniorenheim die Infrastruktur für Senioren der Stadt verbessern.

Die Stadt bestätigte auch die Zusage der MPG, dass es keinen Nachteil für die ­Kulturbetriebe vor Ort geben solle. „Der Betrieb des Theaters neben dem Turm und des Café Trauma wird auch in den Abendstunden nicht eingeschränkt“, heißt es. Dass die Kulturbetriebe von der Entwicklung samt verbesserter Parksituation „keinesfalls beeinträchtigt werden, sondern bestenfalls auch noch profitieren, ist eine der Rahmenbedingungen, die mit einem Bebauungsplan und einem städte­baulichen Vertrag festgelegt werden“. Die Entscheidung, ob das städtische Grundstück verkauft werde, liege am Ende der Verhandlungen beim Bau- und Planungsausschuss oder der Stadtverordnetenversammlung.

Grüne kritisieren Koalition und OB Spies

Die Pläne haben auch bereits die politische Opposition auf den Plan gerufen. Für Dietmar Göttling, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtparlament, steht fest: „Nach dem SEG-Desaster im Stadtwald hat Marburg jetzt seinen nächsten Grundstücks-Skandal.“ Denn: Es gebe eine E-Mail von Bürgermeister Wieland Stötzel, dass es Verhandlungen mit dem Investor gegeben habe – in der OP habe er jedoch noch Anfang März behauptet, es habe keinen Kontakt gegeben. „Das ist schlichtweg falsch und gelogen“, so Göttling. Er vermutet, dass „aufgrund dieser konkreten Pläne wahrscheinlich unser Verkehrsknoten Nord abgelehnt wurde“, sagt er im Gespräch mit der OP.

„Aus unserer Sicht sollte dieses zentrale Grundstück dazu dienen, die Marburger Innenstadt und insbesondere die Marbach vom Durchgangsverkehr zu entlasten“, so Göttling – dies ermögliche auch eine Anbindung der Pharmastandorte mit einer Seilbahn. Die Stadt­spitze verstärke mit ihrem Handeln die Gerüchte, wonach das ­Gelände versilbert werden solle, anstatt es nachhaltig im ­Sinne der Stadtgesellschaft zu entwickeln. 

„Lieber scheint die große Koalition ein so zentrales Grundstück für ein Rendite-Objekt eines Großinvestors verscherbeln zu wollen als die Entlastung der Innenstadt vom Autoverkehr voranzutreiben“, kritisiert Christian Schmidt, Sprecher des Parteivorstands, in einer Presse­mitteilung. Die Möglichkeiten für eine entlastende klimaschonende verkehrliche Planung für die nächsten Generationen würden durch einen Ausverkauf der letzten größeren innerstädtischen Fläche quasi zunichte gemacht.

von Andreas Schmidt