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Marburg Geselliges Beisammensein ist der Favorit
Marburg Geselliges Beisammensein ist der Favorit
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20:37 06.05.2021
Viele Menschen wünschen sich, wieder mit Freunden und Familie unbeschwert Zeit zu verbringen, zum Beispiel in Cafés, Restaurants oder Kneipen (Themenfoto).
Viele Menschen wünschen sich, wieder mit Freunden und Familie unbeschwert Zeit zu verbringen, zum Beispiel in Cafés, Restaurants oder Kneipen (Themenfoto). Quelle: Bernd Settnik
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Wenig Hoffnung auf eine Besserung ihrer persönlichen Lage durch die anstehenden Lockerungen hat Sarah Heck: „Ich bin in der letzten Impfgruppe und das Einkaufen auf Termin ist mit Kleinkindern auch schwierig“, sagt die 31-jährige Gladenbacherin. „Es wird höchste Zeit“, findet dagegen Gabriele Jilg. Die 58-Jährige will endlich wieder ins Schwimmbad und in die Sauna. Was die Gladenbacherin auch sehr vermisst, ist zum Beispiel, eine Radtour zu unternehmen und irgendwo in einem Café eine Pause einzulegen. Auf das gesellige Miteinander, zum Beispiel die Wassergymnastik im Nautilust oder ein Treffen in einem Café, freut sich Edith Müller-Zimmermann und auch darauf, dass die Menschen wieder „mehr vor Ort einkaufen gehen“.

Karneval 2022 im Blick

Auch Sophie Raab freut sich auf einiges, doch zuallererst macht sie ihrem Unmut Luft über die am heutigen Donnerstag (6. Mai) vom Bundestag beschlossenen Veränderungen für Geimpfte und Genesene. „Ich bin da sehr zwiegespalten. Viele Menschen, die sich schon seit anderthalb Jahre zurücknehmen, haben davon erst mal nichts“, sagt Raab, die aus Hungen stammt und an diesem Donnerstag Obst und Gemüse auf dem Stadtallendorfer Wochenmarkt verkauft.

Sie bekennt aber auch: „Ich weiß, dass diese Lockerungen für Geimpfte sein müssen, weiß aber nicht, wie man es anders regeln könnte.“ Darauf, wieder ohne Risiko ihre Großeltern sehen zu können, auf den Gang in die Stammkneipe, die nächste Kirmes und auf Karneval 2022, das sind die Dinge, auf die sie sich am meisten freut.

Raus aus dem Homeoffice

Birte Wollmüller aus Stadtallendorf geht es ähnlich. „Ich möchte raus aus dem Homeoffice, das isoliert einen total.“ Wie Raab kann die 32-Jährige mit den Lockerungen für Geimpfte nicht richtig umgehen. „Aber ich gönne es jedem“, sagt sie. Neid wolle sie gar nicht erst aufkommen lassen. „Denn der ist in dieser Zeit völlig unpassend“, findet sie.

Geteilter Meinung zu möglichen „Vorteilen“ für Geimpfte ist auch die Amöneburgerin Gabi Clement; schließlich sei nicht gesichert, dass Geimpfte nicht doch Überträger sein können – aber auch ein Schnelltest gebe keine 100-prozentige Sicherheit. „Unter diesem Vorbehalt finde ich schon, dass eine Gleichstellung erfolgen sollte.“ Kämen die Lockerungen, freue sie sich ganz besonders darauf, wieder „live“ Saxophon-Unterricht nehmen und mit den Mardorfer Orchestern musizieren sowie erneut Aqua-Jogging machen zu können. „Ich vermisse das Miteinander, die Geselligkeit, das Feiern mit Familie und Freunden.“ Online-Veranstaltungen seien zwar gut gewesen und auch „flankierend“ sinnvoll – aber eben nicht ihre „erste Wahl“.

Andere Paare treffen

Ähnlich geht es der Kira Biecker. Sie hätte gerne wieder die Möglichkeit, sich spontan mit Freunden zu treffen und die Gesellschaft anderer Menschen zu genießen. Oder einkaufen zu gehen, die Kleidungsstücke anzufassen und anzuprobieren – und einfach zurückgeben zu können, wenn sie nicht passen. „Geimpfte sollen Vorteile bekommen gegenüber Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen oder es nicht können, denn sie haben einen besseren Schutz“, findet die Kirchhainerin.

„Wenn das wieder möglich wäre, würde ich mich einfach mit Freunden treffen oder zusammen mit meiner Frau wieder andere Paare treffen, das fehlt einfach und wäre das wichtigste“, meint Norbert Böth. Alles andere käme danach, zum Beispiel „wieder in den Urlaub fahren, das wäre auch schön“, findet der Wenkbacher. „Ich freue mich am meisten darauf, mich mal wieder mit mehr als einer Person gleichzeitig treffen zu dürfen“, sagt die gebürtige Marburgerin Kerstin Schenk. Der in Bayern lebenden Mutter zweier Kinder bereitet Sorge, dass „Jugendliche noch kaum von den Lockerungen profitieren, denn die leiden in dieser Pandemie am meisten“.

Die Zeit nach Corona

Als Musiker leidet auch Jan-Patrick Wallentin massiv unter den Corona-Lockdowns. „Vor einem Jahr fand ich es ja anfangs noch ganz nett, einmal durchzuatmen. Aber jetzt freue mich auf die Zeit nach Corona, hoffe, dass es eine richtige Eskalation im Konzertbereich gibt und die Musikfans die Konzerte mit viel Enthusiasmus annehmen“, meint der 29-jährige Biedenkopfer. „Wir alle freuen uns schon sehr darauf, wenn wir uns wieder treffen können.

Das Aussetzen der Singstunden seit vergangenem Jahr ist doch ein herber sozialer Verlust für uns alle, zumal wir ja eigentlich das 125-jährige Bestehen feiern wollten“, sagt Hans Junker als Vorsitzender des Gesangvereins Bürgeln. Er ist geimpft und hofft, dass Menschen, von denen keine Ansteckungsgefahr mehr ausgeht, bei Öffnungen auch sofort und umfänglich ihre normalen Rechte zurückbekommen.

Ohne Angst in den Gottesdienst

Für Bastian Zickel wäre die Sache dann ganz einfach: „Ich möchte endlich wieder im Vereinsheim sitzen und mit meinen Vereinskameraden ein paar Kästen Bier leeren. Ich vermisse das lockere Beisammensein ebenso wie den Mannschaftssport“, sagt der 20-jährige Marburger, dem Jan-Patrick Wallentin beipflichtet: „Es wäre auch schön, mal wieder mit Freunden an der Theke ein Bierchen trinken zu können.“

Einen etwas anderen Ausblick wagt Dr. Matthias Franz von der evangelischen Kirchengemeinde Wetter. Er fände es sehr schön, an Pfingsten mit möglichst vielen Menschen ohne Angst vor einer Ansteckung Gottesdienste in der Kirche zu feiern. „Wir haben Präsenzgottesdienste ausgesetzt und bieten zunächst weiter unsere Video-Gottesdienste an“, sagt der Pfarrer. Mit den Konfirmanden hofft er, „wenn alles richtig gut laufen sollte“, noch kurzfristig ein paar Tage auf eine Freizeit gehen zu können.

Von unseren Redakteuren