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Marburg Germanen laden rechte Vordenker ein
Marburg Germanen laden rechte Vordenker ein
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08:00 23.10.2019
An der Demonstration gegen die erste „Internationale Konferenz“ im Verbindungshaus der Marburger Germania nahmen im November vergangenen Jahres 600 Menschen teil.  Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Ende vergangenen Jahres war es in dem Verbindungshaus an der Lutherstraße zu einer Vortragsveranstaltung gekommen, in dessen Verlauf unter anderem Alain de Benoist vor etwa 150 Zuhörern Gast der Burschenschaft gewesen war. De Benoist gilt als einer der Vordenker der Neuen Rechten in Europa – das trifft auch auf Thor von Waldstein zu. Er wird dem Vernehmen nach am kommenden Samstag einer von drei Rednern jener Konferenz sein, die den Titel „Junges Europa“ trägt. Der Jurist und Publizist aus Mannheim hatte schon als Student Kontakte zur Rechten, unter anderem war er Vorsitzender des National­demokratischen Hochschulbundes und Vizechef der NPD-Jugendorganisation „Junge­ ­Nationaldemokraten“.

Weitere Gastredner bei den Germanen sind einer in den ­sozialen Netzwerken kursierenden Einladung zufolge der italienische Philosoph Diego Fusaro sowie John Hoewer. Hoewer ist Mitglied der Germania Köln, er arbeitete Informationen von „Zeit online“ zufolge unter anderem im Landtag von Sachsen-Anhalt als Fraktionsreferent der AfD.

Internationale Vernetzung

Mit dem Marburger Germanen Philip Stein reiste John Hoewer vor zwei Jahren nach Rom zur „Casa Pound“ – einer Gruppierung, die sich selbst als „Faschisten des dritten Jahrtausends“ sehen. Der Turiner Diego Fusaro scheint da auf den ersten Blick ideologisch ein ­wenig auszuscheren. In der Vergangenheit machte er sich eher einen Namen in der akademischen Welt wegen seiner Forschung zu Marx und Hegel, seine Arbeiten zu Antonio Gramsci brachten ihm gar einen Lehrauftrag in Harvard ein.

Doch in der jüngeren Vergangenheit publizierte Fusaro unter anderem auch im „Il Primato Nazionale“, der offiziellen Zeitschrift von „Casa Pound“. Da schließt sich der Kreis, man kennt sich, ist über Staatsgrenzen hinaus bestens vernetzt und mithin hat der Titel der Veranstaltung am kommenden Samstag durchaus seine Berechtigung: „Junges Europa – II. Internationale Konferenz“.

Nachfragen der OP bei der Germania Marburg zu weiteren Details der Veranstaltung im Verbindungshaus blieben am Montag zunächst unbeantwortet.

Widerstand formiert sich

Gegen das Stattfinden dieser Konferenz regt sich wie bereits im Vorjahr Widerstand in Marburg: Das Marburger „Bündnis gegen Rechts“ ruft für den Samstag zu einer Demonstration auf, die um 11 Uhr beginnt. Treffpunkt wird am Unteren Steinweg sein. Weitere Details will das Bündnis gegen Rechts während eines „Mobilisierungstreffens“ festzurren, wie Ina Pallinger, Sprecherin des Bündnisses, im Gespräch mit der OP erklärte.

Die Demonstration ist mittlerweile beim Ordnungsamt der Stadt Marburg angemeldet, wie Patricia Grähling vom städtischen Fachdienst für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit auf OP-Nachfrage bestätigte. Die Proteste gegen den Auftritt von Hoewer, Fusaro und von Waldstein in Marburg werden unter dem Motto „Nazivillen dicht machen! Europa entnazifizieren, in Marburg anfangen!“ stehen.

Im Herbst vergangenen Jahres hatte das „Bündnis gegen Rechts" etwa 600 Demonstranten gegen die erste „Internationale Konferenz“ im Haus der Germania mobilisiert.

Wie viele es am kommenden Samstag sein werden, ist noch nicht abzusehen, doch Marburgs Polizeisprecher Martin Ahlich sagte am Montag: „Wir sind auf einen Einsatz vorbereitet.“

von Carsten Beckmann