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Marburg Erste Konsequenzen für Schwangere
Marburg Erste Konsequenzen für Schwangere
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00:17 01.06.2019
Symbolbild: Eine Schwangere wird untersucht. Eine Frau aus dem Landkreis soll von der Geburtshilfe des DKH in Wehrda aufgefordert worden sein, sich eine andere Klinik zu suchen. Quelle: Uli Deck
Wehrda

Stößt die Geburtshilfe­ des Diakoniekrankenhauses (DKH) in Wehrda an Kapazitätsgrenzen? Müssen sich Schwangere bereits Monate vor der Schließung Gedanken um einen alternativen Kreißsaal machen? Diese Sorge hat zumindest ­
eine junge Frau, hochschwanger und kurz vor dem errechneten Entbindungstermin stehend. Gegenüber der OP ­berichtet sie, dass sie von der Klinik quasi durch die Blume aufgefordert wurde, sich für die Geburt ein anderes Krankenhaus zu ­suchen.

Bereits seit Wochen sei sie in der Klinik angemeldet gewesen, war regelmäßig zu Kontrollen und begleitenden Behandlungen oder zur Geburtsvorbereitung in Wehrda. Nur durch Zufall habe sie bei einem Besuch erfahren, dass die Station anscheinend stark überlastet, es daher nicht gesichert sei, dass sie ihr Kind wie geplant auch vor Ort entbinden könne.

Und das wenige Tage vor der erwarteten Niederkunft, sie fühlt sich nun völlig überrumpelt. „Über die Nachricht war ich völlig ­empört und geschockt“, sagt die junge Frau. In der Klinik sei ihr mitgeteilt worden, dass sie sich sicherheitshalber in einem anderen Krankenhaus melden solle, „ich sollte mir einen Plan B überlegen“.

Selbst Bekannte von ihr, ebenfalls schwanger, hätten ihr gegenüber Ähnliches berichtet. „Auch andere Frauen wurden wohl schon abgemeldet, die Hebammen sagen, dass sie leider viele Frauen abweisen müssen“, erzählt sie betroffen. Sie vermutet, dass der Klinikalltag ob der drohenden Schließung in sieben Monaten quasi in der Schwebe hänge, die Mitarbeiter würden auch nicht wissen, wie es mittelfristig weitergehen soll.

"Die Hebammen können nichts dafür"

Dem Personal in der Geburtshilfe mache sie da keinen Vorwurf, „die Hebammen können nichts dafür, dort sind alle sehr nett und bedauern das auch“. Nun macht sich die junge Frau Sorgen, dass es am Geburtstermin zu Problemen kommen könnte, sie aus Platzgründen in Wehrda abgewiesen werden könnte.

Dabei sei es immer ihr Wunsch gewesen, ihr Kind in einem kleineren, familiären Krankenhaus zur Welt zu bringen. „Ich muss mich plötzlich und total kurzfristig nach Alternativen umsehen, das ist sehr frustrierend.“ Die Pressestelle des Trägerverbandes war gestern nicht zu erreichen und äußerte sich auch auf Anfrage nicht zu dem Fall.

Die Anfang Mai angekündigte­ Schließung der Gynäkologie und Geburtshilfe durch den Klinikträger, dem Deutschen Gemeinschafts-Diakonieverband, war von verschiedener Stelle­ kritisiert worden. Als Grund nannte der Verband finanzielle Schwierigkeiten und mangelnde Geburtenzahlen.

Eine künftige Unterversorgung oder Probleme im noch laufenden Klinikalltag hatten sowohl DKH wie auch das Uniklinikum, das die Versorgung der Patienten ab kommendem Jahr übernimmt, ausgeschlossen. Auch was die Mitarbeiter der Frauen­klinik angeht, sollten laut Klinikverband „betriebsbedingte­ Kündigungen weitestgehend vermieden werden können“.

Zuletzt hatte die Stadtverordnetenversammlung den Magis­trat per Dringlichkeitsantrag aufgefordert, beim Land Druck zu machen, die Frauenklinik Träger-unabhängig irgendwie noch zu erhalten.

von Ina Tannert