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Marburg Ein Rad, das einen Deutschen Meister trug
Marburg Ein Rad, das einen Deutschen Meister trug
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18:00 22.04.2022
Georg Kaiser mit der ehemaligen Retro-Rennmaschine von Thomas Freienstein, der in Marburg studierte und in den 80er-Jahren große Erfolge feierte. 1984 war er bei den Olympischen Spielen dabei und dort bester deutscher Straßenfahrer.
Georg Kaiser mit der ehemaligen Retro-Rennmaschine von Thomas Freienstein, der in Marburg studierte und in den 80er-Jahren große Erfolge feierte. 1984 war er bei den Olympischen Spielen dabei und dort bester deutscher Straßenfahrer. Quelle: Götz Schaub
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Cyriaxweimar

Schätze gibt es meist im Museum zu sehen oder sie sind noch unentdeckt irgendwo vergraben. Manchmal stehen sie aber auch direkt irgendwo herum und keiner bemerkt ihre Besonderheit. Manchmal muss man aber auch Experte sein und ein ordentliches Hintergrundwissen besitzen, um Schätze zu erkennen. Um sie dann wirklich sichtbar zu machen, ist manchmal auch sehr viel Geduld gefragt.

Dazu kann Georg Kaiser, Sammler von Retro-Rennrädern, eine Geschichte erzählen. Und die fängt an mit einem Deutschen Meister in den 80er-Jahren, der gar in Marburg Sport und Katholische Theologie studierte und deshalb hierzulande wohlbekannt war: Thomas Freienstein. Der gebürtige Fuldaer wurde 1984 Deutscher Amateurmeister im Straßenrennen und startete im selben Jahr bei den Olympischen Sommerspielen in Los Angeles. Er erhielt damals bei der Firma Hercules einen Profi-Vertrag. Als Mitglied der deutschen Nationalmannschaft fuhr Freienstein mit einem eigens auf seinen Körper angepassten Rahmen – wie eigentlich jeder, der es in die Nationalmannschaft schaffte. „Dieser Rahmen wurde damals von Claus Lauer aus Altenkirchen im Westerwald angefertigt, der unter Experten als einer der Besten seines Faches gehandelt wurde“, sagt Kaiser.

Unter Sammlern sind Produkte „Handmade by Claus Lauer“ absolute Highlights. Und so freute sich Georg Kaiser sehr, als er ein Hercules-Rennrad angeboten bekam, das tatsächlich vom Radrennfahrer selbst gefahren worden war. Der Zustand war alles andere als gut. Aber es war ein Original.

Mit Geduld und Ausdauer zu neuem Glanz

In unzähligen Arbeitsstunden, mit viel Geduld und Ausdauer gelang es Kaiser, das Rad zu altem Glanz zu bringen. Dabei legte er den unverwechselbaren Schriftzug des Rahmenbauers an der Stange unterhalb des Sattels frei, und auch die geschwungenen Buchstaben „CL“ auf der Lenkgabel weisen das Rad als Lauer-Rad und damit als echtes von Freienstein gefahrenes Rennrad aus. „Das Rad ist dreimal gestrichen worden. Es war eine Heidenarbeit, den Ursprungszustand des Rahmens wieder zu erhalten“, sagt Kaiser.

Auch wenn Blau-Töne nicht so ganz seinen persönlichen Geschmack treffen, kam er nicht umhin, dem Rad die Original-Hercules-Farbe zurückzugeben, mit dem es gefahren wurde. Allerdings wird er dieses Rad nicht mehr mit dem Hercules Schriftzug verzieren. Der Name des Rahmenbauers und seine Initialen sollen gut sichtbar bleiben.

Auf der Lenkgabel befinden sich die Initialen C und L für Claus Lauer. Quelle: Götz Schaub

Georg Kaiser, der in Cyriaxweimar ein Radsportgeschäft betreibt und früher selbst Rennen gefahren ist, stellt seit einigen Jahren mit Gleichgesinnten einmal im Jahr im Polizeioldtimer-Museum bei Cyriaxweimar besondere Retro-Rennräder aus – mit großem Erfolg, denn die Fahrradausstellung wird gerne besucht.

So wird es wohl nach der langen Corona-Pause auch wieder am Sonntag, 24. April, sein. Mit dabei sind dann zum Beispiel Dirk Ficht aus Fronhausen und Samio Cuvalo aus Witten. Zu sehen gibt es Retro-Rennmaschinen von Enik, Bianchi, Peugeot und Puch. Kaiser stellt unter anderem natürlich auch das Rad von Thomas Freienstein aus.

Von Götz Schaub

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