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Marburg Generelles Signal: Erhalt der Kaufkraft
Marburg Generelles Signal: Erhalt der Kaufkraft
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09:00 30.04.2022
Ein Banner „1. Mai DGB-Jugend“ war bei der zentralen Mai-Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Gelsenkirchen: zu sehen Eine Kundgebung gibt es an diesem Sonntag auch in Marburg.
Ein Banner „1. Mai DGB-Jugend“ war bei der zentralen Mai-Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Gelsenkirchen: zu sehen Eine Kundgebung gibt es an diesem Sonntag auch in Marburg. Quelle: Ina Fassbender
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Marburg

Michael Rudolph, der Bezirksvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DBG) für Hessen und Thüringen, spricht am kommenden Sonntag auf der Marburger Kundgebung zum 1. Mai.

Rechnen Sie nach zwei Jahren Abstinenz mit einer großen Resonanz auf die Veranstaltungen zum Tag der Arbeit?

Ich freue mich auf diesen 1. Mai, weil wir den Tag endlich wieder in Präsenz feiern können. Die Forderungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer brauchen Öffentlichkeit und gelebte Solidarität auf den Plätzen.

Der Tag der Arbeit fällt 2022 auf einen Sonntag. Sind Sie auch dafür, es wie in anderen europäischen Staaten zu machen und den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern dafür einen Werktag zu „schenken“?

Ja, diese Debatte habe ich auch wahrgenommen und natürlich würden das die Arbeitnehmer als Wertschätzung der Arbeitgeberseite empfinden. Aber wichtig ist: Wir feiern den 1. Mai auch, wenn er auf einen Sonntag fällt.

Michael Rudolph

Welche zentralen Forderungen gibt der DGB in diesem Jahr zum 1. Mai aus?

In diesem Jahr steht der Tag der Arbeit unter besonderen Vorzeichen: Wir haben zwei Jahre Pandemie hinter uns, seit einigen Wochen gibt es einen Krieg in der Ukraine. Von daher lautet die aktuelle Forderung der Gewerkschaften: „Die Waffen nieder!“ Putin muss diesen Krieg beenden, der der Ukraine unendlich viel Leid bereitet. Zudem hat der Krieg auch Auswirkungen auf die Menschen hierzulande. Die steigenden Lebenshaltungskosten – und hier insbesondere die Energiepreise – belasten insbesondere Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen.

Und welche beschäftigungspolitischen Forderungen leitet der DGB daraus ab?

Die Ausweitung der 450-Euro-Jobs ist ein politischer Fehler. Wir müssen dafür kämpfen, dass alle Beschäftigten in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse kommen – ab dem ersten Euro. Gerade in Krisenzeiten zeigt sich, wie wichtig aus Sicht der Beschäftigten sozialversicherungspflichtige Jobs und Kündigungsschutz sind. Im Übrigen würde die Abschaffung der Minijobs auch der Geschlechtergerechtigkeit dienen, weil überwiegend Frauen in diesen Beschäftigungsverhältnissen arbeiten.

Thema Mindestlohn: Die Wirtschaft stöhnt darüber, dass die Erhöhung nicht zu stemmen ist...

Das hat die Wirtschaft bei der Einführung des Mindestlohns auch schon getan. Gestimmt hat das Argument damals so wenig wie heute. Wir würden ja gern mit der Arbeitgeberseite sprechen, aber die erwägen ja sogar eine Klage. Ich sage immer: Zauderer klagen, Gestalter verhandeln!

Welche Marschrichtung gibt der DGB für die bevorstehenden Tarifrunden vor?

Das generelle Signal muss lauten: Erhalt der Kaufkraft. Das heißt, es muss zu spürbaren Lohn- und Gehaltserhöhungen kommen, nachdem es während der Pandemie eher moderate Abschlüsse gab, bei denen die Beschäftigungssicherung im Vordergrund stand. Wir müssen überdies die Arbeit neu ordnen und aufwerten.

Man kann als Gewerkschafter kaum in Marburg sprechen, ohne das Thema Universitätsklinikum zu streifen. Wird das ein Thema am Sonntag sein?

Mit Sicherheit. Das UKGM hat ja landesweite Strahlkraft, und insbesondere in Marburg gehört das Thema auf die Tagesordnung. Mittlerweile lässt sich ja ein deutliches Resümee ziehen: Nichts von dem, was bei der Privatisierung versprochen wurde, ist eingetreten – der Deal ist geplatzt. Es muss jetzt Zusagen für alle Beschäftigten geben – auch vonseiten des Landes. Es müssen insbesondere Personalstandards festgeschrieben werden und mehr denn je gilt: Gesundheit ist keine Ware, mit der Gewinne erzielt werden sollten!

Die DGB-Veranstaltung beginnt am 30. April ab 18 Uhr in der Waggonhalle die Vormai-Feier mit dem Heinrich-Heine-Programm "Fatal ist mir das Lumpenpack!" Am 1. Mai beginnt die Auftaktkundgebung ab 10 Uhr vor dem Deserteursdenkmal in der Frankfurter Straße. Der Demonstrationszug führt über die Universitätsstraße zu einer Zwischenkundgebung an der Augustinertreppe. Ab 11 Uhr spielt die Bang-Haus-Swing-Combo auf dem Marktplatz. Etwa um 12 Uhr beginnt die Hauptkundgebung auf dem Marktplatz mit Grußworten des Oberbürgermeisters und des Landrats. Danach folgt die Rede des DGB-Landesvorsitzenden Michael Rudolph. Danach folgt der 2. Teil des Konzerts der Bang-Haus-Swing-Combo während der Familienfeier.

Von Carsten Beckmann