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Marburg Gemeinschaftsunterkünfte müssen saniert werden
Marburg Gemeinschaftsunterkünfte müssen saniert werden
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00:19 24.01.2019
Freiwillige Helfer demonstrierten im September 2016 gegen die Schließung des Cappeler Flüchtlingscamps und brachten den Menschen Rosen an den Zaun. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Die Grünen haben eine Große Anfrage „zur Situation der in Marburg seit 2015 lebenden Geflüchteten und ihrer Integration in das Leben der Stadt“ gestellt. Daraus geht hervor, dass viele Geflüchtete keine Wohnung finden, obwohl sie von der Stadt bei der Suche unterstützt werden.

Die Betroffenen sind Menschen, die nicht länger Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz beziehen, sondern in die Zuständigkeit des Kreisjobcenters fallen. Da sie nicht aus den Gemeinschaftsunterkünften ausziehen können, belegen sie rund 40 Prozent der Plätze und die Häuser und Wohnungen sind nahezu voll belegt.

Eine größere Zahl von Geflüchteten könne derzeit nicht neu aufgenommen werden, heißt es in einer der Antworten auf die insgesamt 27 Fragen.

Auf OP-Nachfrage teilt die Pressestelle der Stadt mit, dass es aber ausreichend Plätze für die 32 Personen gebe, die von Sea Watch gerettet wurden. Für diese hatte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) gegenüber dem Bundesinnenministerium eine Unterbringung angeboten. Eine Antwort stehe noch immer aus, so die Pressestelle der Stadt. Für deutlich mehr Menschen würden dann allerdings weitere Unterkünfte benötigt.

Sanierungsstau in einigen Unterkünften

In den Antworten auf die Große Anfrage heißt es, der Stadt Marburg sei es derzeit nicht möglich, neue Häuser und Wohnungen anzumieten. Denn schon seit zirka anderthalb Jahren habe die Stadt keine Angebote mehr erhalten.

Wie viele Geflüchtete in eigenen Wohnungen leben, dazu kann die Stadt nur Angaben machen in Bezug auf jene, die (bisher) nicht anerkannt sind. Sie warten entweder noch auf ihren Bescheid, wurden abgelehnt und befinden sich im Klageverfahren oder sind geduldet. Von ihnen leben rund 21 Prozent in eigenen Wohnungen. Das entspricht 73 von 346 Menschen.

Die Stadt erhält auch immer wieder Anfragen, schwer Erkrankte oder Geflüchtete mit Behinderung aufzunehmen. Grund dafür sei die Nähe zum Universitätsklinikum, heißt es in den Antworten auf die Große Anfrage. Diesen Menschen könne aber derzeit kein geeigneter Wohnraum zur Verfügung gestellt werden. Denn die wenigen teilweise behindertengerechten Gemeinschaftsunterkünfte seien belegt oder für Rollstuhlfahrer ungeeignet. Zusätzliche geeignete Wohneinheiten stünden nicht in Aussicht.

In den Gemeinschaftsunterkünften leben 473 Personen (Stand Oktober 2018). Die Wohnungen sind teilweise renovierungsbedürftig oder müssen sogar grundsaniert werden. Grund dafür ist, dass sie teilweise schon bei der Anmietung durch das Sozialamt in keinem einwandfreien Zustand waren.

Nachdem ab dem Jahr 2015 vermehrt Geflüchtete nach Marburg gekommen sind, sind die Unterkünfte inzwischen noch stärker verwohnt. Zudem wechselten häufig die Bewohner und die Wohnungen würden schnell wiederbelegt. Deshalb könne häufig nicht renoviert werden. In der Regel werden die Wohnungen möbliert oder mit gespendetem Mobiliar ausgestattet. An den Möbeln zeigten sich teils starke Gebrauchserscheinungen.

Ein anderes Themenfeld, das die Große Anfrage behandelt, ist die Frage nach der Erwerbstätigkeit der Geflüchteten. Auch diese Frage kann die Stadt nur in Bezug auf jene 346 Geflüchteten beantworten, die (noch) nicht anerkannt sind. Von ihnen gehen derzeit zwei auf eine Berufsfachschule und 20 machen eine berufliche Ausbildung. 100 würden derzeit auf eine Ausbildung vorbereitet. Erwachsene, die noch einen Schulabschluss nachholen, werden nicht statistisch erfasst.

Dazu, wie viele Geflüchtete erwerbstätig sind, machte die Stadt keine Angaben, weil der Beschäftigungsstatus nicht gemeldet werden muss. In der Antwort in der Großen Anfrage heißt es: „Es besteht für 2 162 der in Marburg lebenden Geflüchteten ein genereller Zugang zum Arbeitsmarkt.“ Ob nur eine Beschäftigung oder auch Selbstständigkeit möglich ist, hängt vom Aufenthaltsstatus ab.

18 Prozent der Geflüchteten, die seit 2015 nach Marburg gekommen sind, haben die Stadt inzwischen wieder verlassen. Das sind rund 500 Personen. Nur sieben Prozent davon wurden ausgewiesen. 2018 waren das ausschließlich sogenannte „Dublin-Fälle“. Dabei wurden die Geflüchteten zurück in das europäische Land geschickt, das sie zuerst betreten hatten.

Auch nach der Schließung des Cappeler Flüchtlingscamps engagieren sich derzeit noch rund 200 Ehrenamtliche. Als Anlaufstelle für Freiwillige versteht sich vor allem der Fachdienst Migration und Flüchtlingshilfe.

von Freya Altmüller